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Filme im Kino

MoX Kinotipps KW1402.04.2025













Texte: Horst E. Wegener


Mit der Faust in die Welt schlagen
Deutschland ´24: R: Constanze Klaue. Ab 10.4. Wertung: ***** Bild: Flare Film / Chromosom Film
Die Ex-DDR in der Nachwendezeit: Der Auszug aus einer dieser typischen Plattenbauwohnungen in der ostsächsischen Provinz hin ins selbst gebaute Einfamilienhaus verheißt Familie Zschornack zunächst noch gesellschaftlichen Aufstieg sowie eine rosige Zukunft. Und dass im neuen Domizil nach dem Einzug weder Licht noch Warmwasser funktionieren, lässt sich nach Ansicht von Familienoberhaupt Stefan (Nähte) mit der Zeit und der Kontaktaufnahme zu handwerklich begabten Bekannten allemal beheben. Kurzerhand fragt Vati beim Arbeitskollegen Uwe (Neumann) an, der sich mit Elektrik auskennt. Der rückt dann zwar an, hat aber ein unübersehbares Alkoholproblem, mutmaßlich eine Stasi-Vergangenheit – und wird von seiner Frau bald obendrein wegen Körperverletzung angezeigt, was schließlich in Uwes Tod einmündet. Ein Schicksalsschlag, der gleich einem bösen Omen künftig auch über dem Alltag der Zschornacks schwebt. Zunächst wird Vati arbeitslos – sein Job habe er an einen Polen verloren, der den Boss billiger komme, flucht der Alte. Statt sich eine neue Arbeit zu suchen, neigt Stefan Zschornack lieber dem Alkohol zu, wird schnell aggressiv, geht fremd. Um die Familie zu ernähren, bleibt Mutti Sabine (Schneider) nichts weiter übrig, als Doppelschichten als Krankenschwester zu schieben. Für die beiden Jungs, den neunjährigen Tobi (Motzen) und seinen zwölfjährigen Bruder Philipp (Franke), bedeutet das, allein zurechtkommen zu müssen. Während sich der Ältere jugendlichen Möchtegern-Nazis anschließt, weil er den Zusammenhalt in der Clique schätzt, fühlt sich der Jüngere erst recht allein gelassen und frustriert. Es dauert nur gut ein Jahr, um die Familie der Zschornacks total zu spalten.Mit ihrem Spielfilmdebüt adaptiert Constanze Klaue den gleichnamigen Roman von Lukas Rietzschel, in dem das Schicksal einer Familie Gelegenheit bietet, den gesellschaftlichen Wandel im Osten nach dem Zusammenbruch der DDR in den Fokus zu nehmen. Die Regie konzentriert sich auf die Befindlichkeiten der Ex-DDRler, verzichtet darauf, Enttäuschung und Radikalisierung zu dämonisieren. Gekonnt werden uns Westlern die Auswirkungen der Umbrüche auf die authentisch geschauspielerten Menschen in der ostsächsischen Provinz nähergebracht. Und man wartet geradezu auf den großen Knall, der sich zumindest mit Blick auf eine Person im letzten Viertel des Films, das uns rund ein Jahrzehnt später vor Augen geführt wird, in einer folgenschweren Tat entlädt. Sehenswert!  
D: Anton Franke, Camille Moltzen, Anja Schneider, Christian Näthe, Meinhard Neumann, Swetlana Schönfeld.


Eden
USA `24; R: Ron Howard. Ab 3.4. Wertung: *** Bild: Leonine
Auf der Suche nach einem bewussteren Leben brechen der deutsche Philosoph Dr. Ritter (Law) und seine an MS erkrankte Frau Dore (Kirby) Ende der 1920er Jahre ihre Zelte in Europa ab, um sich auf der unbewohnten Pazifikinsel Floreana im Galapagos-Archipel als Aussteiger zu beweisen. Vor Ort feilt der Nitzsche- und Schopenhauer-Verehrer an einem Glaubens-Manifest, versorgt er gelegentlich Zeitungen in der Alten Welt mit Berichten vom Alltag im Dschungelparadies. Nichtsahnend, dass diese Reportagen weitestgehend geschönt geschrieben sind, lässt ihre Lektüre in dem den Schrecken des Ersten Weltkriegs entkommenen Ex-Soldat Heinz Wittmer (Brühl) den Wunsch reifen, es seinem Aussteiger-Idol gleich zu tun. Als er dann anno 1934 mitsamt Sohn (Tittel) und Frau (Sweeney) bei den Ritters auf Floreana vorstellig wird, fühlen die sich in ihrer Einsamkeit mächtig gestört. Doch egal wie fies sie sich den Wittmers gegenüber verhalten, gelingt es ihnen nicht, die Neuankömmlinge von der Insel zu vertreiben. Als man dann endlich bereit ist, die Anwesenheit der anderen zu akzeptieren, taucht die exzentrische Baronesse Eloise Bosquet de Wagner-Wehrhorn (Armas) auf, hat zwei Lover und einen Diener im Schlepptau – und macht aus ihrem Vorhaben, ein Luxushotel auf der Insel errichten zu wollen, keinen Hehl. Da ihr Plan keinerlei Verwendung für die Aussteiger vorsieht, beginnt die Baronesse umgehend zu intrigieren.
In Ron Howards Independent-Produktion “Eden”, die vage auf einer wahren Geschichte beruht, verheddern sich die drei Parteien in einem Psychokrieg, bei dem die Regie trotz der beeindruckenden Besetzung arg entscheidungslos zwischen pittoreskem Agatha-Christie-Krimi-Setting, schweißtreibenden Aussteiger-Träumen und blutrünstigem Survival-Horror im Dschungel hin und her schaltet, bis man das Interesse daran, wer die teuflischen Spielchen überleben wird, noch vorm Finale des Films verliert.  
D: Jude Law, Vanessa Kirby, Daniel Brühl, Sydney Sweeney, Ana de Armas, Jonathan Tittel, Toby Wallace, Felix Kammerer.


Flow
Lettland/Belgien/Frankreich ´24; R: Gints Zilbalodis. Ab 6.4. Wertung: ***** Bild: UFO Distribution
Wo Wasser ist, ist Leben – soweit, so zutreffend. Allerdings lässt einen zu viel oder zu wenig vom lebensspendenden Nass den sicheren Tod durch Ersaufen oder Verdursten erwarten. In „Flow“, jüngst Oscar-prämiert, gerät Mutter Natur komplett aus dem Gleichgewicht. Und Tiere sind die einzigen Lebewesen, die in dem katastrophalen Ausmaß dieser Extremsituation trotzen. Mit unvorstellbarer Wucht überspülen flutähnliche Wassermassen alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Eine schwarze Katze rettet sich in letzter Sekunde auf ein brüchiges Boot, auf dem sich eine tierische Notgemeinschaft versammelt, darunter ein Labrador, ein Lemur, ein Wasserschwein und ein von seiner Herde verstoßener Sekretärvogel. Bald schweißen die unaufhaltsam steigenden Pegel, die um sie herum alles verschlingen und irgendwann nur noch Bergspitzen aus den Fluten ragen lassen, die Überlebenden an Bord immer enger zusammen – bis die Natur eine weitere Überraschung bereithält. Einer Parabel auf das verwundbare Verhältnis zwischen Lebewesen und Natur gleich hypnotisiert der wortlose Animationsfilm des lettischen Regisseurs Gints Zilbalodis von der ersten bis zur letzten Sekunde, erweist sich, auch dank eines meditativ treibenden Soundtracks als generationsübergreifende Stimulierung ebenso ethischer wie spiritueller Energien angesichts der bilderwuchtig-poetischen Urgewalt.
Animationsfilm


Walk, Don´t Walk
Deutschland 2000; R: Thomas Struck. Ab 3.4. Wertung: **** Bild: Filmplakat
Wo immer auf der Welt eine Ampel die Fußgänger mittels Rot- oder „Don´t walk“-Signal zum Abstoppen auffordern mag, überkommt Erwachsene in Eile oftmals jener Impuls, die Beine in die Hand zu nehmen und los zu spurten. „Zum New Yorker Rhythmus gehört es, auch bei Rot die Straße zu überqueren“, lautet ein Kommentar, der da in Thomas Strucks filmischem Langzeit-Essay „Walk, Don´t Walk“ einmal rechtfertigend geäußert wird. Vor allem hier, in der Stadt, die angeblich niemals schläft, hat der Doku-Filmer aus Deutschland das Experiment gewagt, eine kleine Videokamera an einem Stock zu befestigen, um Schuhe, Füße und Beine quasi aus der Froschperspektive filmen zu können. Ein gewagtes Projekt schon allein deshalb, weil Struck von aufmerksamen Cops immer mal wieder für einen Spanner gehalten wurde, woraufhin man ihn mehrfach festnahm. Gut möglich, dass diese Inhaftierungen den Deutschen dann irgendwann sogar auf die Idee brachten, neben dem normalen Ampel-Experiment des Ablichtens von schlanken Frauenbeinen in Pumps, eleganten Hosenbeinen über Business-Maßschuhwerk oder zerrissenen Jeans über Turnschuhen inklusive Strucks Philosophieren über all das, was einem das Schuhwerk über den Status der jeweiligen Träger verraten könnte, auch dem in Big Apple beheimateten Fetisch-Magazin Leg-Show einen Besuch abzustatten, um mit Redakteurin Dian Hanson die erotischen Aspekte der Fußmenschen zu beleuchten. Doch dies ist nur ein Kapitel von vielen, die „Walk, Don´t Walk“ letztlich ausmachen – aus rund 60 Stunden über Jahre hinweg gefilmten Materials stellte Doku-Filmer Thomas Struck sein Fußmenschen-Essay zusammen, passte das Bildmaterial der jazzigen Musik des Klarinettisten Don Byron an – ein Hochgenuss für Auge und Ohr.
Doku


Parthenope
Italien/ Frankreich ´24: R: Paolo Sorrentino. Ab 10.4. Wertung: *** Bild: Gianni Fiorito
Der Vorname verrät einem schon so einiges: Das 1950 in der quirligsten Hafenstadt Italiens als neueste Erdenbürgerin Neapels zur Welt gekommene Baby bekommt von seinen Eltern den Namen Parthenope zugedacht, der in der griechischen Mythologie für eine der Sirenen stand und die in der Bevölkerung als Stadtgöttin Neapels symbolisiert und entsprechend verehrt wird. Die kleine Parthenope wächst zu einer wahren Schönheit (verkörpert von Porta, im Alter dann von Sandrelli) heran. Ist dabei beileibe nicht nur hübsch, sondern auch ungemein wissensdurstig. Nachvollziehbar, dass sie als Tochter aus gutem Hause allen Jünglingen und Mannsbildern in ihrer Heimatstadt den Kopf verdreht. Nachdem sich die Schöne fürs Studium der Anthropologie einschreibt und mit dem Studieren beginnt, liebäugelt sie eine Zeitlang mit einer Karriere als Schauspielerin, verwirft diese Idee jedoch nach desillusionierenden Erfahrungen in der Traumfabrik – und kehrt zur Uni zurück. Ihr Professor findet, dass sie nun bereit ist für ein Leben als Wissenschaftlerin.
Paolo Sorrentino ist ein gebürtiger Neapolitaner, der seiner Heimatstadt mit „Parthenope“ eine filmische Liebeserklärung in traumschönen Bilderbögen zu Füßen legt. Jeder philosophischen Weisheit, die dem Independentfilmer in den Sinn kommt, stellt er eine visuelle gegenüber. Schade nur, dass der Oscar-prämierte Regisseur überm unentwegten Zelebrieren der Schönheit Neapels und ihrer Bewohner, das ins Feiern der Liebe und des Lebens einmündet, immer mal wieder aus dem Tritt kommt. So überragend vor allem die Newcomerin Celeste Dalla Porta die jüngere Parthenope verkörpert, ab und an schrammen Sorrentinos Betrachtungen haarscharf an Altherren-Fantasien vorbei. Schade.
D: Celeste Dallaa Porta, Stefania Sandrelli, Gary Oldman, Silvio Orlando, Luisa Ranieri, Pippa Lanzetta, Isabella Ferrari, Silvia Degrandi, Daniele Rienzo, Dario Aita.


Moon, der Panda
Frankreich ´25: R: Gilles de Maistre. Ab 10.4. Wertung: **** Bild: Mai Juin Cinema/ Cao Cao
Dass der zwölfjährige Tian (Noé Liu Martane) weder Freunde hat, noch fleißig für die Schule büffelt, ist dessen Vater Fu (Yé) seit längerem schon ein Dorn im Auge. Und da der Alte als erfolgreicher chinesischer Geschäftsmann obendrein findet, dass man von seiner französischen Ehefrau Emma (Lamy) in puncto Kindererziehung statt Härte allenfalls Verständnis zu erwarten hat, was ihm in dieser Situation erst recht unangemessen erscheint, schickt Familienvorstand Fu den Sohn mitsamt dessen jüngerer Schwester Liya (Nina Liu Martane) zu ihrer Großmutter. Da die rüstige alte Nai Nai (Chang) in den Bergen von Sichuan lebt, hofft ihr Sohn darauf, dass die Abgeschiedenheit von Omas Holzhaus die Enkel zum Lernen anhält. Doch dann entdeckt Tian eines Tages beim Holzsuchen im nahegelegenen Bambuswald ein Panda-Junges, das vom Muttertier oft allein gelassen wird. Der Junge und das zutrauliche Bärchen schließen Freundschaft – was geheim gehalten werden muss, da es in China streng verboten ist, sich der bedrohten Tierart auch nur zu nähern. Dumm nur, dass Tians strebsame Schwester nicht nur hinter das Geheimnis ihres Bruders kommt, sondern es brühwarm ausplaudert. Im Endeffekt heizt Liya damit die Spannungen, die ihre Eltern längst an Scheidung denken lassen, weiter an…
Der französische Regisseur Gilles de Maistre, spezialisiert auf Filme, die à la „Ella und der schwarze Jaguar“ von engen Bindungen zwischen Tieren und Kindern erzählen, realisiert „Moon, der Panda“ ohne digitale Spezialeffekte, beweist zudem abermals ein Talent fürs Besetzen einer Geschichte mit überzeugenden Darstellern, die obendrein durch imposante Naturaufnahmen ergänzt werden.  Happy end garantiert!
D: Noé Liu Martane, Nina Liu Martane, Sylvia Chang, Alexandra Lamy, Liu Yé.

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