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Moi oder Moin?04.03.2026



Text und Foto: Thea Drexhage


Also lernte sie natürlich auch die dazugehörige Sprache mit den vielen Umlauten und ungewöhnlichen Fällen. Praktisch, denn bis heute begleitet sie diese in Job und Alltag. Das war so allerdings gar nicht abzusehen, denn im Studium widmete sich die Sprach- und Literatur-interessierte der Germanistik und Anglistik. Beruflich drehte es sich immer viel um das Wort, ob nun bei journalistischen Tätigkeiten oder in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Heute vermittelt sie die finnische Sprache an der VHS Oldenburg und übersetzt Romane aus Finnland für den deutschen Markt. Eine Aufgabe, die nicht ganz ohne ist, gilt es doch Redewendungen, Wortwitze und kulturelle Eigenheiten so zu übersetzen, dass sie auch in der deutschen Sprache Sinn ergeben. „Also eine KI kann diese Aufgabe noch nicht übernehmen“, lacht Tanja Küddelsmann.
Man findet sie aber nicht nur am Schreibtisch und über dem Papier, sondern auch mal am Mikrofon, zum Beispiel am 5. März im PFL, wo sie sich mit dem Trio Sonora den oftmals übersehenen Frauen in Musik und Literatur widmet. „Ich bin mit Musikerin Johanne Eisenberg befreundet und sie wusste, dass ich literarisch unterwegs bin und hat mich gefragt, ob ich nicht bei diesem Projekt zum Frauentag mitwirken wolle. Vor ein paar Jahren habe ich zwei Workshops zum literarischen Vortragen besucht und dachte, das passt doch ganz gut“, erklärt sie. Doch diese Aktivitäten sind längst nicht genug. Als Vorstand der Oldenburger Bezirksgruppe der Deutsch-Finnischen Gesellschaft ist es ihr wichtig, die Kulturen auf ganz verschiedenen Ebenen miteinander bekannt zu machen. Dies funktioniert zum Beispiel hervorragend über die Musik - man muss sie nur nach Deutschland bekommen. Die DFG agiert nicht nur lokal, sondern auch auf Bundes- und Landesebene, wodurch ein größerer finanzieller Spielraum besteht. Jährlich treffen sich die einzelnen Landes-kulturreferent*innen in Finnland, um zu schauen, welche Musiker*innen und neuerdings auch Autori*nnen man für Auftritte und Lesereisen in Deutschland gewinnen kann. So kommen immer wieder spannende Acts aus dem kühlen Norden in die Region und treten beispielsweise im Wilhelm13, dem Gasthof Dahms, dem Schifffahrtsmuseum in Brake oder Kultur hinterm Feld auf – dabei wird es oft jazzig, aber auch ein Hauch finnische Folklore darf nicht fehlen. Dabei lernen nicht nur wir Deutschen einen Teil der finnischen Kultur kennen, sondern auch umgekehrt. Wichtig für Tanja Küddelsmann und die DFG ist es, kein geschlossener Verein zu sein, der nur für sich wirtschaftet, sondern das breite Publikum aktiv einzubinden und für eine andere Kultur zu begeistern. Dies passiert zum Beispiel auch regelmäßig beim Mölkky spielen auf der Dobbenwiese. Dabei handelt es sich um ein Wurfspiel, entfernt vergleichbar mit dem bekannteren Wikingerschach/Kubb, welches hingegen aus dem Nachbarland Schweden stammt. Ziel ist es, mit Zahlen markierte Hölzchen so abzuwerfen, dass man genau 50 Punkte erreicht und so mit Bewegung, Geschicklichkeit und ein wenig Kopfrechnen zum Sieg gelangt. Das Interesse an der finnischen Sprache und Kultur ist in der hiesigen Region recht groß. Das merkt die 58-Jährige sowohl in ihren Kursen an der VHS als auch in der Vereinsarbeit. So umfasst die Oldenburger Orts-gruppe um die 130 Mitglieder, eine große Zahl, bedenkt man, dass es in Wilhelmshaven schon die nächste Gruppe gibt. Selbst für längere Zeit in Finnland gelebt, hat Tanja Küddelsmann bisher nicht, möchte dies für die Zukunft allerdings auch nicht ausschließen, nun, wo das Kind aus dem Haus ist. Angst vor den vielen Mücken hat sie dabei nicht – so schlimm wie das gern dargestellt wird, sei das auch gar nicht.

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