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Aus Irland ins Handwerk17.02.2026
Text & Foto: Thea Drexhage
Aber es stellte sich heraus, dass dies doch nicht die richtige Entscheidung war, und so brach sie die Ausbildung ab, entschied sich, ihr Abitur nachzuholen, um dann Biologie und Chemie auf Lehramt zu studieren. Der gute und sichere Weg, wie es ihr schien, denn auch in ihrer Familie gibt es einige Lehrer – allerdings auch genauso viele Handwerker. Bevor es an die Uni ging, entschied sich Anna Schellberg noch für 4 Monate als Au Pair nach Irland zu ziehen, was noch einmal alles verändern sollte. „Es war tatsächlich eine Schnapsidee. Ich saß im Bus mit den anderen Mädels nach ein paar Getränken und dachte, dass ich einfach nicht zurückgehen kann, um zu studieren. Das fühlt sich nicht richtig an. Mein Gefühl war, dass ich etwas brauche, das meine Hände zufrieden macht“, blickt sie zurück. Noch vor Ort wurde das Internet durchforstet, nach möglichen Plätzen für ein Praktikum. Diesen fand sie bei Tischlerei Duwken, allerdings mit der Prämisse, dass eine anschließende Ausbildung in dem kleinen 3-Mann-Betrieb nicht möglich sei. Doch die heute 32-Jährige erkannte schnell, dass die Tischlerei genau das Richtige für sie ist, genau wie ihr Chef. Direkt nach dem Praktikumsende meldete sie sich bei der Berufsschule an und hat diesen Schritt bis heute nicht bereut. Derzeit arbeitet sie an ihrem Meisterstück und schaut freudig auf ihre Zukunft im Handwerk. „Das klingt immer total romantisiert, wenn ich davon erzähle, aber ich bin seitdem keinen einzigen Tag mehr aufgestanden und wollte nicht zur Arbeit gehen“, schwärmt sie. Ein Projekt von der Konzeption bis zur Fertigstellung durchzuführen und am Ende in freudestrahlende Kundengesichter zu schauen und gleichzeitig zu sehen, was man mit den eigenen Händen schaffen kann, sei einfach ein gutes Gefühl. Fehl am Platz als Frau im Handwerk fühlte sich Anna Schellberg nie. In der Tischlerei seien Frauen längst keine Seltenheit mehr. Dennoch konnte sie auch beobachten, dass sich einige Handwerksbetriebe noch immer schwer damit tun, Frauen einzustellen. Das fängt mit dem Ausreden an, dass man noch eine extra Frauentoilette bräuchte, doch gegen den Fachkräftemangel täte dies am Ende nichts. Aber als Frau müsse man auch lernen, sich an die Gegebenheiten im Handwerk anzupassen. Bestimmt sein, sich durchsetzen und auch verunsicherten Kunden, die vielleicht einen Mann erwartet haben, zeigen, dass man genau die gleiche Arbeit erledigen kann und keine extra Hilfe benötigt. Mittlerweile hat sich das Arbeitsbild von Anna Schellberg aber auch gewandelt, es wird weniger Zeit in der Werkstatt verbracht und mehr im Büro: Möbel entwerfen und Räume oder ganze Wohnungen planen gehört zu den neuen Aufgaben. „Aber wenn Not am Mann ist, fahre ich natürlich mit raus. Bei uns im Betrieb kann eigentlich jeder alles“, erklärt sie. Aber auch in ihrer Freizeit hält der Job Einzug – so hat sie in ihren eigenen vier Wänden viel selbst gestaltet und gebaut und ist auch an den Wochenenden zwischen Sägespänen zu finden. Auch das Thema Upcycling bewegt sie dabei. „Ich bin immer die, die die Sachen hortet, wenn in der Firma etwas weggeschmissen werden soll. Die Sachen schleppe ich dann mit nach Hause und überlege mir: was geht damit noch? Ich bin da auch eine grüne Socke und gerade bei wertigen Werkstoffen fällt es mir schwer, etwas zu entsorgen“, erklärt sie. Ihr Zukunftstraum ist es, ein komplettes Haus allein zu bauen und direkt die Möbel mitzuplanen, denn manche Sachen könne man nur richtig umsetzen, wenn sie von Anfang an mitgedacht würden. Außerdem lernt sie stetig dazu und entdeckt auch jetzt bei ihrer Arbeit am Meisterstück neue Mittel und Wege. Die Branche entwickelt sich stetig weiter und es gilt, am Ball zu bleiben. Langweilig wird es so schnell im Handwerk also nicht. Jungen Frauen, die überlegen ins Handwerk zu gehen, rät sie folgendes: „Macht es auf jeden Fall, man kann sich später immer noch umentscheiden, aber es lohnt sich, das auszuprobieren! Und sucht euch einen Betrieb, der euch wertschätzt!“












