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Musikmekka Bremen für Jazz-Fans15.04.2026
Text: Horst E. Wegener
[font=Bembo]Zudem hat sich der Fokus vom puristisch gespielten Jazz wie ihn die Traditionalisten aus den frühen bundesrepublikanischen Nachkriegsjahren praktizierten endgültig auf weitere Spielarten ausgeweitet und spiegelt von Latin über Hip-Hop, Metal, Funk, Electronica, Singer-Songwriter-Jazz hin zu Experimentellem die ganze Bandbreite moderner Musik. Götz Bühler, künstlerischer Leiter der jazzahead! hat diese Crossover-Auffächerung seit seinem Amtsantritt vor ein paar Jahren bewusst vorangetrieben, da er der Meinung ist, dass es dem Spirit des Jazz ganz und gar nicht entsprechen würde, ihn nur museal zu pflegen. Vielmehr sei er als aktiver Teil des modernen Musikgeschehens zu würdigen – und dazu gehöre es eben auch, moderne Einflüsse integrieren zu wollen.[/font][font=Bembo] [/font]
Das Jubiläums-Motto, das Bühler daraus für den 2026er jazzahead!-Reigen ableitet: Erlaubt ist, was gefällt. Eine Grundüberzeugung, der wohl auch sämtliche Vertreter des diesjährigen Partnerlandes Schweden bedenkenlos zustimmen würden. Der Fokus auf die skandinavischen Jazzer war überfällig. „Angefangen mit Jan Johansson über e.s.t bis hin zu Goran Kajfes und Mats Gustafsson und darüber hinaus hat sich eine vital-eigenständige Szene entwickelt“, gab Bühler im Gespräch mit Pressevertretern schon im vergangenen Jahr die Richtung vor, was Jazzfans vom Jubiläums-Zoom auf Schweden erwarten dürfen. Und er ergänzte: „Es gibt ihn nicht, den „Schwedischen Jazz“ – erst seine Vielfalt macht ihn so spannend“.
Schon das Opening am Mittwoch den 22. April um 20 Uhr in Halle 7 der Messe Bremen verspricht einen Genre-sprengenden Abend: Da haben sich Schwedens wohl innovativstes Jazz-Ensemble, die Norrbotten Big Band gemeinsam mit Louis Cole und Genevieve Artadi, die seit den 2010er Jahren das US-Duo KNOWER bilden, zum Jammen verabredet, wird man das Publikum mit einem Cocktail aus elektronischem Funk, Avantgarde-Pop und zeitgenössischem Bigband-Jazz bestens unterhalten.
Weitere musikalische Sternstunden könnten in den Folgetagen Konzerte versprechen mit der schwedischen Ethio-Jazzband Langendorf United oder Auftritte des Saxophonisten Fredrik Ljungkvist und der Sängerin Josefine Cronholm. Hinzu kommen jede Menge junger Musiker, die völlig unbelastet von den stilistischen Grabenkämpfen ihrer Vorfahren einfach Spaß an und mit der Musik haben – und für die jazzpolizeilich verpönte Klänge aus Fusion, Jazz-Funk oder Swing völlig neu und spannend klingen. Die Gnade der späten Geburt macht´s möglich.
Apropos Jazz aus Schweden. Wer vermutet heutzutage schon noch, dass sich Musiker hoch droben im eiskalten Norden bereits sehr früh für Jazz begeisterten?!? Auf den 25. Oktober 1933 datiert der mit der Historie vertraute Autor Lars Westin den Beginn: Louis Armstrong trat auf, entfachte die Begeisterung der als kühl geltenden Schweden – und der einzige Rundfunksender des Landes strahlte seine Hot Jazz-Session live bis hin zum Polarkreis aus. Wie überall auf der Welt war es vor allem die Jugend, die auf die Klänge aus der Neuen Welt abfuhren. Jazz mit schwedischem Sound schufen nach dem Zweiten Weltkrieg etwa der Baritonsaxophonist Lars Gullin und der Pianist Jan Johansson. „In seinen eleganten, relaxt swingenden Soli lassen sich Elemente der skandinavischen Volksmusik und der schwedischen Konzertmusik des 19. Jahrhunderts nachweisen“, schrieb Jazzexperte Joachim-Ernst Berendt über den mit großen Bands arbeitenden Gullin. Pianist Johansson ging den gleichen Weg in Minimalbesetzung. Nur vom Bassisten Georg Riedel begleitet, spielte er schwedische Volksmelodien. Und soweit es die nächste Generation betraf, die eine eigenständige schwedische Jazztradition bis heute fortführen mochten, sind da Nils Landgren, Viktoria Tolstoy und Ida Sand zu nennen.
Pop, Jazz, Klassik – ein Musiker wie Nils Langren hat da noch nie Grenzen gezogen. Mit fast 70 lehrt er noch Posaune in Hamburg, und unterstützt Nachwuchsmusiker auf der ganzen Welt. Seine Karriere war anfangs reiner Zufall, erinnerte er sich kürzlich in einem NDR-Interview: „Es stand eine Posaune bei uns zu Hause, denn mein Papa war Techniker in einem Stahlwerk und er reparierte auch Instrumente für das Blasorchester in unserer kleinen Stadt. Ich wusste, wie man einen Ton erzeugen konnte. Mein Papa spielte Trompete, ich habe ein bisschen da reingeblasen und ich dachte, „hey, das ist ja cool.“ Als Landgren dann mit 16 Jahren Posaunisten im Fernsehen sah, war ihm klar: Damit kann man Erfolg haben, das wolle er auch. Was folgte war der Beginn einer beispiellosen Karriere, die den Mann mit der roten Posaune alsbald mit Popstars wie Björn Skifs oder Benny Anderson von ABBA genauso gern auf der Bühne drauflos jammen ließ, wie er sich als Leiter der Jazz Baltica mit Ray Parker Jr. zusammenschließen mochte. Und obwohl man ihn international längst zu den ganz Großen zählt ist er nahbar geblieben. Foto: Magnus Bergström
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