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Radikal anders04.02.2026



Fruhtrunk machte sich ans Werk und schuf die blauen Diagonalen auf weißem Hintergrund, die fest zum Aldi-Merchandising zählen. In der Kunstszene hatte Werbung in den 1970er Jahren allerdings keinen guten Ruf. Fruhtrunk, der auch Professor an der Kunstakademie München war, soll sich bei seinen Studierenden für die Auftragsarbeit entschuldigt haben.
Das Landesmuseum zeigt ein Fruhtrunk-Plakat von 1965, das für „Neue Bilder“ in einer Kölner Galerie wirbt. Neu – so sollte die Kunst, auch die Plakat-Kunst nach 1945 sein. Weg von parolenhafter Symbolik und Bildsprache, hin zum Klaren oder Surrealen. Die Schau gibt einen kleinen Einblick in den immensen Fundus an Ausstellungsplakaten des Landesmuseums. Im Mittelpunkt stehen Künstlerplakate, es sind aber auch selten gezeigte Grafiken, Gemälde und Skulpturen zu entdecken.
Unter den Plakatkünstlern sind bekannte Namen, neben Fruhtrunk zum Beispiel Oskar Kokoschka, Emil Schumacher oder Rupprecht Geiger. Was ins Auge sticht: Wie in der „Kahlschlagliteratur“, die sich nach 1945 einer radikal vereinfachten Sprache bediente, um sich vom Sprach-Missbrauch der Nationalsozialisten zu distanzieren, beschreitet auch die Plakatkunst der frühen Bundesrepublik einen eigenen Weg. Und sie tut dies fast ausnahmslos ohne Frauen. Künstlerinnen fehlen in dieser Schau.
Drug-Sketches
Es war vor allem die Konkrete Kunst, die die künstlerische Entwicklung nach 1945 prägte. Zu ihren namhaften Vertretern gehörte der Grafiker und Designer Anton Stankowski, dessen Kreativität sich durch Funktionalität und verständliche Formen auszeichnete. Seine wohl bekannteste Arbeit dürfte das Logo der Deutschen Bank sein.
Fast wie ein Gegenentwurf nehmen sich die Werke von Arnulf Rainer aus, der als Begründer des Informel in Österreich gilt und in den 1950er Jahren mit anderen die Künstlervereinigung „Hundsgruppe“ gründete, in der er unter dem Namen „Trrrrr“ aktiv war. Später setzte er sich bewusst unter Alkohol und Drogen, um im Rausch zu arbeiten. Die so entstandenen Werke nannte er „Drug-Sketches“. Außerdem sammelte er Kunst von Psychiatriepatienten, die ihn nachhaltig inspirierten.
Eine bedeutende Künstlergruppe nach 1945 war „Zen“. Die Mitglieder wollten die gegenstandslose Kunst im Nachkriegsdeutschland fördern, hießen zunächst „Gruppe der Gegenstandslosen“, bis sie – inspiriert vom Zen-Buddhismus – sich umbenannten. Die Zen-Werke wirken auch heute noch suggestiv, die Farben leuchten, die Jahrzehnte scheinen spurlos an ihnen vorbeigegangen zu sein. Das trifft nicht auf alle Arbeiten zu, auch nicht im Wortsinn. Wer nahe an die Plakate herangeht, kann zuweilen noch Reste von Klebestreifen entdecken.
Für einen radikalen Bruch mit dem Gewesenen, eine „Stunde Null“ in der Kunst, stand die Düsseldorfer Gruppe „Zero“, gegründet von Heinz Mack und Otto Piene, später schloss sich Günther Uecker an. Die Künstler experimentierten mit Feuer, Wasser, Licht und Schatten. Sie wollten das Vakuum füllen, das der Krieg in Deutschland hinterlassen hatte. Der technologische Fortschritt begeisterte sie, hier sahen sie eine Chance für einen Neuanfang.
Bitte um Aushang!
Die Ausstellung „Plakat – Kunst“ bildet den Abschluss des vom Land geförderten zweijährigen Forschungsprojekts „Bitte um Aushang! Die Plakatsammlung des Landesmuseums Oldenburg“. Das im März 2024 gestartete Projekt widmete sich der Erschließung eines bisher unbearbeiteten Bestandes von rund 3000 Ausstellungsplakaten, vor allem der 1950er und 1960er Jahre. Die Plakate wurden dem Landesmuseum in ihrer Entstehungszeit zugesandt. Nach dem Aushang wurden sie nicht entsorgt, sondern aufbewahrt. So konnten sie nun erschlossen und digitalisiert werden.

Noch bis zum 21. Juni lädt „Plakat – Kunst“ zu einem spannenden Streifzug durch die frühen Jahre der Republik ein, als sich die Kunst neu erfunden hat.

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