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Ein Wandbild, eine Debatte, eine Umbenennung, eine Ausstellung04.02.2026





Die Diskussion um die Umbenennung des Edith-Russ-Hauses für Medienkunst in Haus für Medienkunst Oldenburg wurde in den Jahren 2024 und 2025 kontrovers und emotional geführt. Mit der Ausstellung möchten das Leitungs- und Kurationsteam Edit Molnár und Marcel Schwierin ein experimentelles, diskursives Format schaffen, das die Geschichte Edith Ruß’, aber auch die grundsätzlichen Fragen von Erinnerung, Vermächtnis und Verantwortung verhandelt.
Eröffnet wurde die Ausstellung mit einer Rede des Kulturdezernenten Holger Denckmann. In seiner Ansprache sowie in den folgenden Worten von Schwierin und Molnár fällt ein Begriff immer wieder mit Nachdruck: „Fehler“. Gemeint sind zum einen Edith Ruß’ lebenslanges Leugnen ihrer NSDAP-Mitgliedschaft, zum anderen das jahrzehntelange Versäumnis, ihre Biografie kritisch zu überprüfen. Zugleich geht es um eine grundlegende Frage nach der Rolle der Kunst: Räume zu öffnen, Widersprüche sichtbar zu machen, nachzuwirken. Und um eine klare, auf die Gegenwart bezogene Aussage: Kunst ist das erste Opfer totalitärer Systeme.
Molnár betont im Anschluss, es gehe nicht nur um eine einzelne Person, sondern um die Geschichte der Stadt selbst, um kollektives Gedächtnis. Entsprechend steht der Diskurs im Zentrum der Ausstellung. Das historisch-künstlerische Projekt gliedert sich in drei Teile.
Der erste Teil besteht aus einer historischen Ausstellung mit Dokumenten und Schriften Edith Ruß’ aus der Zeit des Nationalsozialismus. [font=Times]In der unteren Etage folgt der zweite Teil: eine zeitgenössische[/font]
Kunstausstellung, konzipiert von den Künstler:innen Dani Gal, Rajkamal Kahlon, Susanne Kriemann, Fynn Ribbeck, Roee Rosen, Anja Salomonowitz und Clemens von Wedemeyer. In unterschiedlichen medialen Ausdrucksformen setzen sie sich mit Aspekten des Nationalsozialismus auseinander. Wandarbeiten, Videoinstallationen und Zeichnungen thematisieren die NS-Zeit ebenso wie ihre Gewalttaten. Besonders eindrucksvoll wirkt der entfernte Neon- Schriftzug „Edith Russ“, der einst auf dem Dach des
Hauses montiert war und nun, durch eine Scheibe sichtbar, im Hinterhof lehnt – ein stilles Zeichen für das Ende einer Ära.
Der dritte Teil des Projekts ist ein Forum im Zentrum der historischen Ausstellung. Hier finden Vorträge und Präsentationen im Rahmen eines umfangreichen Veranstaltungsprogramms statt. Ergänzt wird es durch eine Agora im unteren Ausstellungsbereich, die Raum
für Workshops bietet. An mehreren Tagen pro Woche stehen zudem Mitarbeiter:innen des Vermittlungsteams
im sogenannten „Kuratorischen Büro“ als Ansprechpersonen bereit. Ziel ist der Austausch: miteinander ins Gespräch
zu kommen und einander zuzuhören. Die Ausstellung ist bis zum 1. März geöffnet. Alle Veranstaltungen im Rahmen von „Die Stifterin, der Nationalsozialismus und das Haus“ sind kostenfrei und finden in deutscher Sprache statt.

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