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Das Stickerheft von früher ist heute der Laternenmast16.12.2025





Text und Fotos: Thea Drexhage

Viele tragen dabei eine eindeutige Handschrift und vermitteln eine ähnliche Botschaft, wie ein Graffiti-Tag: „Ich bin Künstler XY und ich war hier.“ Zu den immer wiederkehrenden Motiven in Oldenburg zählen zum Beispiel die schwarz-weißen Fratzen. Klare Linien, oft breit grinsend - sie stammen von Streetartkünstler Cody, der seit mehr als 15 Jahren still und heimlich seine Handschrift im Oldenburger Stadtbild hinterlässt. Eigentlich kommt er aus der Sprayerszene, doch das Illegale daran wäre immer zu viel Adrenalin für ihn gewesen, weshalb die Sticker zum Medium der Wahl wurden – diese stellen ja in der Regel „nur“ eine Ordnungswidrigkeit dar. Hier und da beim Spaziergang ein kleines Werk hinterlassen, wurde eine Zeit lang der Standard. Irgendwann habe er angefangen, dies auch auf Instagram zu teilen, wodurch sich Kontakte zu anderen Künstler*innen ergaben. Eine neue Szene, in der Sticker verschickt und getauscht werden und so auch weit über Stadt- und sogar Landesgrenzen hinaus verbreitet werden. Seine kreativen Fähigkeiten hat sich der autistische Künstler über die Jahre selbst erarbeitet. „Cody hat irgendwann angefangen, diese Fratzen zu malen und das hat sich so weit entwickelt, bis es dann dieses Gesicht geworden ist, dass man heute kennt. Ich nehme mir so ein bisschen heraus zu sagen, dass das so eine Maske war, die er für sich gefunden hat, als er nach seiner Identität gesucht hat. Er hatte ja damals die Autismusdiagnose noch nicht. Für Autisten ist Masking eine gängige Anpassungsstrategie, um sich nach außen präsentieren zu können.“, berichtet jemand aus einem unmittelbaren Umfeld. Der künstlerische Prozess von Cody erfolgt dabei phasenweise. Es gibt Wochen, in denen bis spät in die Nacht gearbeitet wird und dann auch wieder lange Strecken, in denen neue Energie getankt werden muss. So kann es auch mal eine Zeit dauern, bis man in der Stadt wieder neue kleine Werke von ihm entdeckt.
Einen tieferen Einblick in Codys schaffen gibt es derzeit im ehemaligen Casino in der Heiligengeiststraße 12. Dort stellt der anonyme Künstler eine große Sammlung seiner Werke aus, von ersten Tags auf kleinformatigen Leinwänden, über bemalte Textilien bis hin zu den ikonischen Fratzen gibt es eine umfassende Idee von seinem Werk. Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit Raum auf Zeit. Die Räumlichkeiten in der Heiligengeiststraße sind seit September im Repertoire der Zwischennutzungsagentur. Die Spuren der Vormieter sind noch sichtbar: Schwarze Decken und Teppiche mit goldenen Zierelementen, knallrote Wände und eine beschmierte Außenfassade, wie sie an vielen leerstehenden Gebäuden zu finden ist. Der Raum soll derzeit eine kulturelle Brücke schlagen zwischen Horst-Janssen-Museum/Stadtmuseum und dem Pferdemarktbereich mit der Kulturhalle sowie der Exhalle des Staatstheaters. Für Mareike Urfels und Pia Wienholt, die gemeinsam mit Praktikantin Joanna Kanthak die Ausstellung betreuen, wäre auch eine Außennutzung, zum Beispiel für den Bereich unter der Pferdemarktbrücke denkbar. Mit dem Core und der neuen Freizeitfläche würde das Gebiet um die Heiligengeiststraße immer attraktiver gestaltet werden.

Gleichzeitig sei in diesem Jahr aber auch aufgefallen, dass das Thema Zwischennutzung in Oldenburg schwieriger wird. Zwar gibt es viel Leerstand in der Innenstadt, aber damit einher gehen auch Vermieter, die betroffene Immobilien als Altersvorsorge besitzen und nicht unter Listenpreis an kulturelle Vorhaben vermieten möchten. „Wir leben ja davon, dass wir die Räume vergünstigt anmieten und hoffen immer, dass die Eigentümer und Eigentümerinnen verstehen, was wir machen und dass das auch einen ziemlichen Mehrwert für die Immobilie darstellt. Bisher hatten wir ja die Haarenstraße 39 und die Achternstraße 22 und da sind nach uns sofort Mieter reingekommen, obwohl die ja jahrelang leer standen“, erklärt Pia Wienholt.





Info: Die Ausstellung ist am 18.12. von 10-13 Uhr und am 20.12. von 14 bis 18 Uhr geöffnet und geht nach einer Pause über die Feiertage am 8. Januar weiter.

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