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Angebot oder Mangel?27.08.2025



Text: Merle Theus Foto: Josef Schulte

[font=Bembo]Kulturelle Partizipation ist wichtig für die Gesellschaft. Für den einzelnen bedeutet sie eine Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und eine höhere Chance auf Selbstverwirklichung. Auch Kreativität und das Selbstwertgefühl können gefördert werden. Diejenigen, die Kulturangebote wahrnehmen, erlangen laut des Schlussberichts der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des deutschen Bundestags (2007) eine bessere soziale Ausgeglichenheit und eine höhere soziale Kommunikationsfähigkeit. Diese Faktoren und eine durchschnittlich größere Zufriedenheit der teilhabenden Personen nehmen auch indirekt Einfluss auf die Gesellschaft, da sie Begegnungen, Interaktion und die Entwicklung gemeinsamer Werte fördern. So kann etwa demokratiefeindlichen Vorgängen wie Polarisierung und Spaltung entgegengewirkt und der gesellschaftliche Zusammenhalt gefördert werden. Das Recht auf kulturelle Teilhabe ist auch in der UN-Menschenrechtscharta festgeschrieben, doch in der Realität bleiben einzelne Menschengruppen häufig außen vor. Ein Problem etwa ist der Mangel an kulturellen Bildungsmöglichkeiten im ländlichen Raum. Um herauszufinden, welche Angebote um Oldenburg herum existieren und wie es den AkteurInnen damit ergeht, machte sich Merle Theus von der MoX-Redaktion auf die Suche. Selbstverständlich erheben die Beispiele, die MoX in den nächsten Heften beschreiben wird, keinen Anspruch auf Vollständigkeit.[/font][font=Bembo] [/font]
Ein spannendes Projekt verfolgt der 65-jährige Karl-Heinz aus Friesoythe, mit Spitznamen Kalle oder DJ-Carlo und Inhaber des Tino in Westerstede. Als Tanzlokal, Bar und Club öffnete das Tino Mai 2024 seine Türen. Nach zwei Jahren Immobiliensuche hatte er erfahren, dass das alte Kino in Westerstede zur Miete freistand. Den Standort fand der ehemalige LKW-Fahrer ideal. Das Kino selbst hatte sich als Kultureinrichtung nicht halten können, ebenso wie die Tanzlokale und Diskotheken der Gegend, die alle bereits schließen mussten. Das führte dazu, dass es nicht mehr genug Angebote für das Westersteder Abend- und Nachtleben gab. Clubgänger, die früher die anderen Einrichtungen besucht hatten, finden sich nun donnerstags und samstags im Tino ein. Die Zielgruppe, die das Tino anzusprechen versucht, sind alle ab 25 Jahre. Das Tino hat verschiedene Programme. Man kann die Räumlichkeiten für eigene Veranstaltungen mieten, Tanzkurse besuchen und es gibt einen Zwischenraum mit Sesseln, Tischen und Spielen, in dem man sich auch noch unterhalten kann, während die Musik läuft. Besonderheit des Tino ist, dass in dem größten Raum, dem alten Kino-Saal, mit einer Kapazität für 200 Personen den ganzen Abend Diskofox getanzt werden kann. In einem größeren Radius gibt es dieses spezielle Angebot nicht, weshalb sogar Gäste aus entfernteren Städten wie Bremen, Leer oder sogar aus den Niederlanden anreisen. Woran es liegt, dass das Tino trotz Werbung in der Kleinstadt selbst nicht bekannt ist, bleibt den Betreibern ein Rätsel.

Beliebt sind die „Single-Tanz“-Events, an denen Taxi-Tänzer und Tänzerinnen vor Ort sind und der Saal mit etwa 150 Gästen gut besucht wird. Die Regeln: Taxi-Tänzer dürfen weder Tanz-Anfragen abweisen, noch verstehen sie eine Tanzaufforderung als Interessen-Bekundung. Während der Diskofox-Saal besonders auch die Älteren anlockt, war geplant, dass der zweite Raum, in dem samstags knapp 100 Personen zu 80ern, 90ern, englischer Musik, Rock und Pop solo tanzen können, die unter 40-jährigen anspricht. In der Realität hat das Publikum des Tino aber einen Altersdurchschnitt von etwa 50 Jahren. Spezielle Angebote locken die Jüngeren ebenfalls nicht. Das Team vermutet, Corona habe die junge Generation ausgehfaul gemacht und gelehrt, zuhause vorzutrinken. Mit der fehlenden jungen Generation und ohne die Westersteder selbst hat das Tino nicht genug Andrang und starke Probleme, sich finanziell zu halten. Donnerstags kommen meist etwa sechzig Personen, samstags um die hundert. Freitags öffnet das Tino gar nicht mehr. Karl-Heinz, den man innerhalb der Öffnungszeiten als DJ und außerhalb bei der Vor- und Nachbereitung eigentlich immer im Tino antrifft, „würde es das Herz brechen“, wenn der Betrieb nicht überleben würde, so Heike aus dem 5-köpfigen Team. Der Schlager-Fan hatte nie vor, die „dicke Kohle zu verdienen“, er habe einfach große Freude daran, Menschen tanzen zu sehen. Für die Zukunft wünscht er sich mehr Zulauf, besonders von Jüngeren aus der umliegenden Gegend. Mehr Gäste, sodass sich das Geschäft rentiert und auch mehr Personal würden den Stress des Teams reduzieren. Doch sie halten an ihrer Vision fest. In Zukunft soll einmal in der Woche zwischen 16 und 20 Uhr ein Seniorentanz angeboten werden und auch ein Konzept für Tanzpartner-Speed-Dating wird gerade ausgearbeitet. Ob sich das Tino nur aufgrund des ländlichen Standorts nicht rentiert und die größere Personenmenge einer Stadt die höheren Mieten ausgleichen würde, ist ungewiss. Noch besteht die Kulturstätte nicht lange, vielleicht genügt etwas mehr Zeit, um an Bekanntheit und Reichweite in der direkten Umgebung zu gewinnen.

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