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Wer ist eigentlich...09.07.2025



Text und Foto: Thea Drexhage


Musizieren, lehren, leiten. Dimitri Melniks Kontakt zur Musik hat sich seit seinem Studium stark verändert. Doch dass dieses immer Thema in seinem Leben sein sollte, war schon früh klar. Dabei lernte er mit 17 Jahren eher spät, die Gitarre zu spielen. Grund dafür seine Herkunft. „Ich wollte schon immer Musik machen. Ich komme aus der Ukraine und in Osteuropa ist es anders, in die Musikschule zu gehen, als hier in Deutschland. Hier steht die Freude am Musizieren im Vordergrund während dort die Heranbildung des Profinachwuchses im Fokus ist. Daher muss man an der Musikschule eine Aufnahmeprüfung machen.“, erzählt er. Bei dieser wurde der junge Melnik nach ein paar Gesangs- und Fingerübungen als unmusikalisch befunden. Im Jahr 2000, als er 15 war, zogen seine Eltern aus beruflichen Gründen nach Deutschland. Als Dimitri Melnik seine Mitschüler*innen auf ihren Gitarren rumklimpern sah, entschied er sich, auch das Gitarre spielen durch richtigen Unterricht lernen zu wollen. Seine musikalischen Interessen lagen dabei erst in der Rockmusik, doch als er ein Konzert der Scorpions samt Symphonieorchester in Berlin sah, wurde auch seine Liebe für klassische Musik entfacht und ebnete den Weg in eine musikalische Zukunft. Nach dem Abschluss übte er zwei Jahre für die Aufnahme an der Musikhochschule in Köln. Schon während des Studiums begann er, selbst zu unterrichten, verfolgte aber erstmal die Karriere des Profimusikers und spielte viele Solokonzerte. Dies erfordert jedoch ähnlich viel Training wie Hochleistungssport und durch eine Verletzung der Hand wurde Dimitri ausgebremst. So haben sich seine beruflichen Aufgaben verschoben. „Ich habe dann ausschließlich unterrichtet und das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Gleichzeitig habe ich mich aber auch gefragt, wie ich noch mehr bewirken kann, da mir die Musik so wichtig ist. Als Lehrer kann man schon viel bewirken, aber in einer leitenden Position geht das auf eine völlig andere Art und Weise.“ So leitete er erst eine Kreismusikschule in Rheinlad-Pfalz, bevor er sich in Oldenburg bewarb. Im vergangenen Oktober zog Dimitri Melnik dann nach Oldenburg  und hat sich schnell an die neue Mentalität und die vielen Fahrräder in der Stadt gewöhnt. In der Musikschule arbeitet er nun mit 73 motivierten Lehrkräften und sechs weiteren Mitarbeiter*innen in der Verwaltung daran, Oldenburg zum Klingen zu bringen. Die meisten seiner Aufgaben finden nun hinterm Schreibtisch statt: Akten, Verträge, Abrechnungen, Haushalt, Gesetze und Paragraphen bestimmen seinen Arbeitstag. Notwendig, um am großen, übergeordneten Ziel zu arbeiten: „Ich möchte das kulturelle Leben in Oldenburg mitgestalten. Das tun wir hier direkt an der Basis, da wir schon mit Kindern in Kitas und Schulen arbeiten. Wir möchten möglichst viele Menschen in Oldenburg erreichen.“, so Melnik. Und das gelingt, denn die Nachfrage ist groß. Im Mai umfasste die Warteliste 1500 junge Menschen für das kommende Schuljahr, die gern an der Musikschule lernen möchten. Die Kapazitäten genügen allerdings nicht, um alle unterbringen zu können. „Zu schauen, wie wir mit unseren Mitteln dieser Nachfrage möglichst gut begegnen können, gehört zu den großen Herausforderungen meiner Arbeit.“, so Melnik. Die Belohnung für die Mühe gibt es dann später. „Wenn ich dann irgendwo im Konzert sitze und die glücklichen Gesichter der Kinder sehe, wie schön sie spielen und wie sehr sie sich an der Musik erfreuen, dann weiß ich warum ich stundenlang am Computer sitze oder mich durch Akten wälze.“, ergänzt er. Selbst zur Gitarre greift er nicht mehr so oft wie früher, versucht dies allerdings wieder zu intensivieren, um den Kopf auch mal freizubekommen. Wenn er nicht selbst spielt, wird Musik auf anderem Wege konsumiert. Oft Klassik, mittlerweile auch viel ukrainische Volkslieder, Chöre oder a-capella Darbietungen - und hier und da auch mal Heavy Metal. „Was den technischen Anspruch angeht, ist dieser doch eng mit der Klassik verwandt. Da gibt es den ein oder anderen Gitarristen, der einen beim Hören in die Knie zwingt.“, freut sich Melnik. Die Musik ist für ihn allgegenwärtig und diese Freude weiterzugeben, seine liebste Aufgabe. Für die Musikschule Oldenburg hat er noch einige Pläne. Gern möchte er noch mehr in den Schulen wirken, gerade jetzt wo Ganztagsunterricht auch an den Grundschulen ein Thema wird und auch das lokale Angebot soll so breit gefächert wie möglich sein, um dem großen Interesse in der Stadt standhalten zu können. Auch der internationale Austausch liegt ihm am Herzen und soll zukünftig gern ausgebaut werden. „Wir haben gute Verbindungen nach Spanien, dort fahren regelmäßig Schüler*innen hin. Oldenburg ist ja eine international gut aufgestellte Stadt. In diesem Jahr fährt eine Delegation samt Bürgermeister in die Partnerstadt Kingston. Auch eines unserer Ensembles wird mitreisen und dort nicht nur bei einem feierlichen Gottesdienst spielen, sondern auch ein eigenes, abendfüllendes Konzert veranstalten. Das wir unsere Qualität dort auf einer Bühne zeigen können ist auch für die Schüler*innen eine enorme Motivation.“, erklärt sich der 40-Jährige.

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