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Überall – und nie wieder still!11.06.2025



Text: Britta Lübbers Foto: MoX

Chiponda legt den Finger in die Wunde. Unter der neuen Regierung seien queere Errungenschaften nicht sicher, führt er an, queere Jugendliche hätten besonders im Osten Angst, sich zu outen. Die Zahl der Übergriffe gegen Homo- und Transsexuelle steige, das Klima werde rauer. Ein Beispiel ist der „Stolzmonat“, den die rechte und rechtsextreme  Szene seit 2023 parallel zum queeren Pride in Deutschland ausruft. Unter dem Deckmantel des Nationalstolzes (der ja an sich schon problematisch ist) werden Aktionen gegen die LSBTIQ*-Community geplant und ausgeführt, wird gegen Lesben, Schwule und Transmenschen gekoffert und gehetzt. Eine führende Rolle spielte hier bis zu ihrer Auflösung die AfD-Jugendorganisation Junge Alternative, die eine queerfeindliche Kampagne in den Sozialen Netzwerken vorangetrieben hatte. Queerfeindlichkeit ist ein wichtiges Merkmal des Rechtsextremismus. Rechte versuchen immer wieder, queere Menschen zu pathologisieren und zu kriminalisieren. Gerne stellt man sie als Gefahr für Kinder dar. Mit genau diesem Argument wurde jetzt in Ungarn ein Gesetz zum CSD-Verbot verabschiedet. Die Regierung Viktor Orbán begründete das nicht EU-kompatible Vorgehen mit dem Schutz von Kindern. Vorbild war die Rechtslage in Russland, hier wurde gleich die ganze Queer-Bewegung als extremistisch eingestuft.
Europaweit sind queere Aktivistinnen und Aktivisten gewarnt. Auch in Oldenburg, auch bei der Planung des CSD Nordwest. Das Programm steht in diesem Jahr unter dem Motto „Wir sind überall – Nie wieder still“ und will dazu auffordern, das bereits Erreichte nicht zu gefährden. „Die politischen Ränder im links- und rechtsextremistischen Bereich erhalten weiterhin großen Zulauf, auch die letzte Bundestagswahl hat dies deutlich gezeigt“, sagt Thomas Sieverding, 2. Vorsitzender des CSD Nordwest e.V. „Hass und Hetze gegenüber queeren Menschen haben sich verstärkt und stellen eine Bedrohung dar. Wir treten dem entgegen und setzen gemeinsam auf einen bunten, lautstarken und vor allem politischen CSD.“ Das dürfte Dennis Chiponda gefallen, denn für die Mega-Events in den Metropolen diagnostiziert er: „Viele, die heute den CSD feiern, interessieren sich wenig für Inhalte. Sie gehen nicht zu den Sprechbeiträgen, sie hören nicht zu und wollen nicht diskutieren. Sie wollen feiern.“ Auf dem Land aber fänden die guten Pride-Paraden statt: „Die kleinen CSDs sind oft politischer, solidarischer, echter.“
Seit seinem Bestehen rühmt sich der CSD Nordwest, genau dies zu sein. Und so wundert es nicht, dass das Programmheft mit dezidiert politischen Forderungen aufwartet. Dabei war in diesem Jahr lange nicht klar, ob der CSD in Oldenburg überhaupt stattfinden würde, es mangelte an Mitmachenden. Doch nach einem Aufruf meldeten sich 20 neue Unterstützerinnen und Unterstützer. Auch die Stadtverwaltung steht an der Seite ihrer queeren Mitbürgerinnen und Mitbürger. „Erst vor wenigen Tagen haben wir den Diversity Tag mit vielen Unternehmen und Institutionen ausgerichtet, um in unsicheren Zeiten Haltung zu zeigen“, erklärt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann. Die Verwaltung wird beim CSD mit einer Laufgruppe vertreten sein – und sie arbeitet im Netzwerk „Rainbow Cities“ mit. Man wolle Intoleranz und Ausgrenzung nicht das Feld überlassen, so Krogmann.


Die Forderungen
Kernforderung des CSD ist die Ergänzung von Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes um die Merkmale „sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität“. Der Diskriminierung von LSBTIQ* innerhalb der Gesellschaft soll u.a. durch Aufklärungs- und Bildungspolitik entgegengewirkt werden. Schulen komme dabei eine besondere Bedeutung zu, unterstreicht Thomas Sieverding. Aber auch Bund, Land und Kommunen seien gefordert. Weitere Forderungen betreffen das Abstammungs- und Familienrecht, das lesbische Familien weiterhin diskriminiert, die Unterstützung HIV-positiver Menschen und den Schutz von queeren Geflüchteten.
Am Freitag, 20. Juni, startet um 18 Uhr die Fahrrad-Demo „Ride with Pride“ am Bahnhofsvorplatz. Durch die Stadt geht es zum Schlossplatz, wo bei einem Imbiss und mit Getränken der Vorabend des CSD begangen wird. Ebenfalls am Freitag findet ab 19.30 Uhr die Nacht der kleinen Künste in der Kulturetage statt.
Am Samstag, 21. Juni, beginnt das Programm um 11 Uhr auf dem Schlossplatz. Es gibt Redebeiträge, Musik und Info-Stände auf der „Pride Mile“. Um 13 Uhr startet die Demonstration durch die Innenstadt.
Die offizielle CSD-Abschlussparty steigt ab 21 Uhr im CORE; ebenfalls um 21 Uhr beginnt die von „Na Und – Queeres Leben in Oldenburg e.V.“ veranstaltete Männerfabrik im Alhambra – denn natürlich soll auch in diesem Jahr gefeiert werden.




Alle Infos, auch zum Rahmenprogramm, unter www.csd-nordwest.de

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