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Filme im Kino

MoX Kino Tipps KW3526.08.2026













Texte: Horst E. Wegener


Vaterland
Polen/ Deutschland/ Frankreich/ Italien ´26; R: Pawel Pawlikowski. Ab 3.9. Wertung: ***** Bild: Agata Grzybowska
Deutschland, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Begleitet von seiner Tochter Erika (Hüller), die ihm als Sekretärin und familiäre Stütze dient, fühlt sich der überzeugte Hitler-Gegner Thomas Mann (Zischler) endlich bereit, sein Geburtsland aufzusuchen. Unentwegt hatte der Literaturnobelpreisträger vom Ausland aus vor dem Erstarken der Nazis gewarnt – und ist nun vom kalifornischen Exil nach Frankfurt am Main herübergekommen, um sich anno 1949 in der US-amerikanischen Besatzungszone mit dem Goethe-Preis ehren zu lassen. Sein Aufenthalt wird vom gestörten Beziehungsverhältnis zum Sohn Klaus (August Diehl) überschattet, der im französischen Cannes Selbstmord begeht, während der weltberühmte Vater in Deutschland weilt. Die Nachricht vom Suizid des Sohnes bringt Thomas Mann allerdings nicht dazu, seine Reisepläne zu überdenken. Und so hält das Vater-Tochter-Gespann an der geplanten Fahrt nach Weimar fest. Die Stadt liegt zwar in der sowjetisch kontrollierten Zone, doch den 200sten Geburtstag Goethes will man in Ost wie West gleichermaßen staatstragend begehen – weshalb der Starliterat dort ebenfalls mit einem Goethe-Preis ausgezeichnet werden soll.
Gefeiert als moralische Instanz von den allermeisten Deutschen, aber von manchen als Verräter angefeindet, starten der Zauberer, wie seine Kinder Thomas Mann oft nannten, und Tochter Erika zu einer Autofahrt durch ein in Trümmern liegendes Land – eine Reise, die der polnische Regisseur Pawel Pawlikowski in gerade einmal 82 Minuten zu einem Trip hinein in die verwundete deutsche Seele, die heilen soll, verdichtet. Hanns Zischler und Sandra Hüller punkten als eingespieltes Vater-Tochter-Duo. Dabei spiegeln die in kontrastreichem Schwarz-Weiß gefilmten Bilder die teils nur mit Mühe aufrechterhaltene Emotionslosigkeit dieser beiden Manns und lassen eine Spannung entstehen, die weit über das rein Familiäre hinausweist. Nach „Ida“ und „Cold War“ stellt „Vaterland“ den Abschluss einer Trilogie dar, in der Regisseur Pawlikowski das Überleben-wollen und -können im Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unter die Lupe nimmt. Beim diesjährigen Filmfestival von Cannes zurecht mit dem Regiepreis geehrt; ein Muss fürs Bildungsbürgerkinopublikum.
D: Sandra Hüller, Hanns Zischler, August Diehl, Devid Striesow, Joachim Meyerhoff, Daniel Wagner.


Das Ende der Sterne
USA/GB ´26; R: Ridley Scott. Ab 27.8. Vorankündigung Bild: 20th Century Studios
Ein Grippe-Virus hat den Großteil der Menschheit dahingerafft. Hobby-Pilot Hig (Elordi) zählt zu den wenigen Überlebenden in dieser post-apokalyptisch düsteren Welt; nachdem seine Frau gestorben ist, bleibt ihm vor allem sein getreuer Hund Jasper, mit dem zusammen sich Hig in einem verlassenen Flugzeughangar irgendwo im ländlichen Colorado verschanzt hat. Darüber hinaus hält der ebenfalls gesund gebliebene einstige Marinesoldat Bangley (Brolin) in der Nachbarschaft die Stellung, dessen Wach- und Kampfbereitschaft Gold wert ist, wann immer es darum geht, umherstreifende Aasfresser, die sogenannten Reaper auf Distanz zu halten. Als Hig eines Tages ein Radiosignal empfängt, das die Hoffnung auf eine existierende Zivilisation irgendwo da draußen in ihm weckt, beschließt der Hobby-Pilot, sein Flugzeug reisefertig aufzutanken, um damit diesen womöglich besseren Ort entdecken zu können…
Trauer, Hoffnung und der Glaube an die Humanität waren schon jene entscheidenden Parameter, die Peter Hellers Roman zum Bestseller adelten – Werte, die dann auch Regie-Titan Ridley Scott („Alien“, „Gladiator“) zur Adaption der Vorlage veranlassten, ohne dass der inzwischen 88-jährige Kinovisionär darüber den Glauben ans Actionkino aufgesteckt hätte. Denn nur Letzteres bringt den Profit, der 100 Millionen Dollar teure Produktionen wie „Das Ende der Sterne“ legitimiert.
D: Jacob Elordi, Josh Brolin, Margaret Qualley, Allison Janney, Guy Pearce, Benedict Wong.


One Night Only
USA ´26; R: Will Gluck. Ab 27.8. Wertung: *** Bild: Universal Studions
Wo man in der Polit-Endzeitschockerserie „The Purge“ der US-Bevölkerung in einer einzigen Nacht des Jahres das Meucheln ihrer Mitmenschen straffrei gestattet, hat „One Night Only“ diese Idee auf Sex vor der Ehe übertragen. Und nachdem Genre-Routinier Will Gluck dabei offensichtlich weniger ein orgiastisch aufgefächerter Sex-Marathon durchs nächtliche New York vorschwebt, sondern er eine wortwitzige RomCom im Sinn hat, stehen die Singles Allie (Barbaro) und Owen (Turner) im Mittelpunkt: Der Pizzeria-Inhaber hat alle Vorkehrungen für ein Diner mit seiner Freundin beim Japaner getroffen, will ihr dann im Laufe der Nacht in seiner Bude einen Heiratsantrag machen – und bekommt überm Sushi-Essen mitgeteilt, dass sich die Liebste zum Erfahrungsaustausch mit einem anderen Mannsbild verabredet hat. Mit dieser Nachricht in den voraussichtlich sex-losen Abend entlassen, läuft ihm bald darauf Allie übern Weg, der Owen prompt aufs Paillettenkleid kotzt. Nachvollziehbar, dass die beiden einander daraufhin nicht besonders sympathisch sind, sie sich im Verlauf der Nacht dennoch wiederholt begegnen. Mal abgesehen von teils prollig, teils bizarren Situationen wie der Suche nach dem vermeintlich letzten Kondom von Big Apple und reichlich Fremdschäm-Momenten, ist´s vorhersehbar, dass Romantikerin Allie - auf der Suche nach ihrem Traumprinzen durch die Nacht stöckelnd -, und der bodenständige Owen füreinander bestimmt sind. Und mal ehrlich: Wer würde sich nicht in dieses aparte Seelchen im atemberaubend kurzen, extrem tief dekolletierten Silberpaillettenkleidchen verlieben wollen, lange bevor Möchtegern-Sängerin Allie ihre Befangenheit ablegt, um mit Alison Moyets „Only You“ die Anwesenden himmlisch zu entertainen?!? Ob das für Regisseur Glucks „One Night Only“ ebenfalls reicht, um somit an dessen Kassenrenner „Wo die Lüge hinfällt“ anknüpfen zu können?
D: Monica Barbaro, Callum Turner, Maya Hawke, Julia Fox, Molly Ringwald, LeVar Burton.


Mutiny
USA/ GB ´26; R: Jean-Francois Richet. Ab 27.8. Vorankündigung Bild: Leonine
Die umfassende Ausbildung zur menschlichen Kampfmaschine erhielt Cole Reed (Statham) einst bei den Special-Forces, doch inzwischen arbeitet er für den Industrie-Magnaten Taran (Wong). Als der Krösus dann vor seinen Augen einem Mordkomplott zum Opfer fällt und man ausgerechnet Reed für dieses Verbrechen verantwortlich machen will, kann sich der Unschuldige das natürlich nicht gefallen lassen. Er ergreift die Flucht, nimmt die Verfolgung der eigentlichen Täter auf - und entert ein Containerfrachtschiff. An Bord legt Reed dann umgehend mit einem Ein-Mann-Feldzug gegen seine Gegner los, wobei ihm zudem zügig Hinweise und Zusammenhänge klar werden, die weit über den Mord an Taran hinausreichen. Es zeichnet sich eine internationale Verschwörung ab, woraufhin sich die Lage auf hoher See erst recht zuspitzt. Und die Zeit tickt. Wird es gelingen, die ganze Wahrheit ans Licht zu bringen, bevor die Hintermänner des schurkischen Captain Marko Madsen (Moller) ihre perfiden Pläne restlos in die Tat umsetzen können? Tatkräftige Unterstützung erhält undercover-Ermittler Reed durch die standfeste Offizierin Angie Ellis (Wallis) und den integren US-Marine Adam Spencer (Lester).
Ideale Voraussetzungen für Genre-Profi Jean-Francois Richet, um Action-Star Jason Statham mal wieder kampfsport- und ballermäßig über sich selbst hinauswachsen zu lassen. Nicht ganz unwichtig für „Mutiny“-Interessenten zu wissen: Es existieren zwei Schnittfassungen hierzulande – eine entschärfte und eine längere, die mit 96 Minuten erst fürs Publikum ab 18 Jahren freigegeben ist.
D: Jason Statham, Annabelle Wallis, Roland Moller, Jason Wong, Adrian Lester.


Der Heimatlose
Deutschland ´26; R: Kai Stänicke. Ab 3.9. Wertung: **** Bild: Florian Mag
Nach 14 Jahren auf dem Festland zieht es Lehrer Hein (Boche) endlich wieder in die schmerzlich vermisste Heimat zurück. Doch im Fischerdorf auf der Nordseeinsel will ihn partout niemand wiedererkennen. Heins Schwester Heide (Amarell) war bei der Abreise ihres Bruders zu jung, um sich zu erinnern; seine Mutter ist mittlerweile dement. Nicht viel besser ergeht es dem Heimkehrer etwa bei Kindheitsfreund Friedemann (Froissant) oder mit Jugendliebe Greta (Schüle), die ebenfalls beide nurmehr mit den Achseln zucken mögen. Um die Identität Heins zu klären, schlägt Dorfvorsteherin Gertrud (Jenkins) eine mehrtägige Anhörung vor. Dass manche Erinnerung des befragten Fremden anderes zutage fördert als es die Insulaner im Gedächtnis haben, lässt Skepsis im Dorf aufkommen, die zügig in die offene Ablehnung der Bevölkerung gegenüber Hein umschlägt.
Regiedebütant Kai Stänicke macht aus seinem Winzbudget eine Tugend, indem er auf kostengünstige Verfremdungseffekte wie Fischerhütten ohne Dach und Seitenwänden setzt, was einerseits an Lars von Triers „Dogville“ erinnert, sowie andererseits eine perfekt kafkaeske Atmosphäre erzeugt, um von Entfremdung, Heimatlosigkeit und Identitätssuche zu berichten. Und da auch das restliche Ensemble sowohl vor als auch hinter der Kamera mehrfach über sich hinauswächst, gelingt Regie-Neuling Stänicke ein allemal bemerkenswerter Spielfilm-Erstling.    
D: Paul Boche, Philip Froissant, Emilia Schüle, Stephanie Amarell, Jeanette Hain, Julika Jenkins.


That´s why the Lady is a Champ
USA ´25; R: David Michôd. Ab 3.9. Wertung: **** Bild: Tobis
West-Virginia, Ende der 1980er Jahre: Teenager Christy (Sweeney) will alles andere als mädchenhaft dastehen, weshalb sie von einer Karriere im Boxring träumt. Mit eiserner Disziplin trainiert sich die Tochter eines Kohlebergmanns (Embry) und einer manipulativen Mutter (Wever) eine phänomenale Schlagkraft an, dank der sie in dieser seinerzeit total männerdominierten Welt schnell Aufsehen erregt. Der bekannte Boxtrainer und Manager James Martin (Foster) ist von ihrem Talent überzeugt und nimmt das Mädel unter seine Fittiche. Dass er eine Knockout-Königin im Ring aus ihr macht, lässt Christy in immer größeren Arenen antreten und siegen. Auch privat werden die eigentlich lesbisch veranlagte Sportlerin und ihr wesentlich älterer Trainer dann auf Druck von Christys Mom irgendwann ein Paar, heiratet man. Während Startrainer Don King Coleman) auf das weibliche Supertalent aufmerksam wird, die weiterhin im Ring Gegnerin um Gegnerin k.o. schlägt, entwickelt sich Christys Ehe zusehends albtraumatischer. Doch erst nachdem sie von ihrem immer brutaler überreagierenden Ehemann mit einer Schusswaffe und Messerstichen attackiert und schwerstverletzt wird, gelingt es der Überlebenden sich aus dieser toxischen Beziehung zu lösen. James bekommt 25 Jahren Gefängnis aufgebrummt – und Christy ist endgültig soweit, ihr Leben und ihre Identität selbst zu bestimmen.
„That´s why the Lady is a Champ“ adaptiert die wahre Geschichte der lesbischen Knockout-Queen im Boxring und lässt Sydney Sweeney als Christy Salters Martin in der Rolle ihres Lebens von der ersten Sekunde an bis ins Finale punkten. Mitreißend, thrillend, bewegend.
D: Sydney Sweeney, Ben Foster, Merritt Wever, Jess Gabor, Chad L. Coleman, Katy O´Brian, Ethan Embry.

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