direkte Antwort ohne Umwege!
Kleinanzeigen
Filme im Kino
MoX Kino-Tipps KW2013.05.2026
Palästina 36
Palästinensische Gebiete/GB/Frankreich/Dänemark/Qatar/Saudi Arabien/Jordanien ´25; R: Annemarie Jacir. Ab 14.5. Wertung: **** Bild: Philistine Films
Wir schreiben das Jahr 1936: Die Zahl jüdischer Einwanderer, die vor der sich in Europa abzeichnenden Gefahr nationalsozialistischer Übergriffe Reißaus gen Nahen Osten nehmen, ebbt nicht ab. Was vor allem der unter britischer Mandatsherrschaft stehenden Palästina-Region zusehends mehr zu schaffen macht. Im Grunde gilt für das gesamte Territorium die seit 1917 ausgehandelte Balfour-Deklaration, in der sich die Briten seinerzeit verpflichtet hatten, die Rechte sowohl der jüdischen Neuankömmlinge als auch die der nichtjüdischen Bevölkerung vor Ort zu achten und zu gewährleisten. Gleichwohl hatten seit jenem in Kraft treten der Deklaration wohlhabendere palästinensische Gutsbesitzer die Gunst der Stunde genutzt und ihr Land freiwillig an zionistische Siedler verkauft. Der Verlust an Siedlungs- und Ackerflächen wächst sich mehr und mehr zum Problem aus, von dem anno 1936 insbesondere die landwirtschaftlich geprägten Dörfer der Fellachen betroffen sind. Freiheitsbeschränkungen, Enteignungen der Bauern und das zunehmend kolonialherrschaftliche Verhalten der britischen Schutzmacht sorgen für eine Radikalisierung der gebeutelten nichtjüdischen Gemeinschaft, die schließlich in einen Generalstreik und den sogenannten Arabischen Aufstand einmünden.
Dass dieser Konflikt blutig eskalieren würde, lässt sich schon früh erahnen: Wer etwa wie der in Al Bassa beheimatete Dörfler Yusuf (Anaya) auf Neutralität bedacht ist, merkt einerseits, dass die Bauern seiner palästinensischen Heimatgemeinde ums Überleben kämpfen, während es ihm zusehends schwerer gemacht wird, in Jerusalem den Chauffeur für Verleger Amir (L´Abidine) und dessen Lebensgefährtin Khouloud (Al Massri) zu spielen, die als radikale Journalistin ihre aufrüttelnden Texte nur unter einem männlichen Pseudonym in der Zeitung ihres Mannes veröffentlichen kann. Und nachdem Yusufs Vater dann beim Vermittlungsversuch mit jüdischen Siedlern erschossen wird, ist es um die Neutralität des Sohnes endgültig geschehen. Damit nicht genug: Statt der Bedrohung der Dörfler von Al Bassa durch die wachsende Anzahl von jüdischen Siedlungsvorhaben in der Umgebung Rechnung zu tragen und im Sinne der geltenden Deklaration zu vermitteln, schlägt sich die britische Verwaltung immer öfter auf die Seite der jüdischen Siedler – was dazu führt, dass sich dann irgendwann auch ein zurückhaltender Arbeiter wie Khalid (Bakri) nach Demütigungen zum Rebellenanführer des palästinensischen Widerstands aufschwingt.
Die in Bethlehem geborene Filmemacherin Annemarie Jacir bereitet diese konfliktreiche Nahost-Phase spielfilmgerecht auf. Ihre Sympathien gehören zweifelsohne den geknechteten Palästinensern – und es geht ihr keinesfalls darum, die unterschiedlichsten Sichtweisen ausgewogen zu berücksichtigen. Dennoch gelingt es ihr, die Dynamik des Radikalisierungsprozesses einzufangen, der in den identitätsstiftenden Arabischen Aufstand von 1936 einmündete und zu einem historischen Wendepunkt in dem bis heute schier unauflöslichen Konflikt wurde. Da erst seit kurzem die Möglichkeit besteht, Geschichten aus Sicht der Palästinenser umzusetzen, glichen die Anstrengungen „Palästina 36“ an Originalschauplätzen zu verfilmen, einem Sisyphos-Projekt, was insbesondere nach dem Massaker des 7. Oktober 2023 zu langen Drehpausen führte – und wurden vom Team um Regisseurin Jacir gleichwohl nie in Frage gestellt.
D: Karim Daoud Anaya, Yafa Bakri, Hiam Abass, Yasmine Al Massri, Dhaffer L´Abidine, Saleh Bakri, Jeremy Irons, Robert Aramayo.
Glenkill: Ein Schafskrimi
GB/USA ´26; R: Kyle Balda. Ab 14.5. Wertung: **** Bild: Amazon Content Service LLC
Mit den schrulligen Dörflern im irischen Provinznest Glennkill hat Schäfer George (Jackman) rein gar nichts am Hut. Im Grunde ist er sogar mit allen zerstritten und haust seit jeher außerhalb der Gemeinde in einem Wohnwagen. Trotzdem würde sich der Eigenbrötler niemals als Einzelgänger bezeichnen, da er ja seine Schafe um sich hat. Und diese über alles geliebten Vierbeiner sind in seinen Augen keine schnöden Nutztiere, sondern werden von dem Vegetarier stets als echte Gefährten gesehen, denen man ein möglichst komfortables Leben ermöglichen sollte. Also liest George ihnen regelmäßig Krimis vor, lässt sich dabei nicht im Geringsten dadurch entmutigen, dass ihn die Herde scheinbar unbeteiligt anglotzt. Nicht einmal ihm würde es in den Sinn kommen, dass die Tiere ihn verstehen und längst süchtig nach seinen Krimis sind. Dabei wird tagtäglich auf dem Heimweg in die Scheune gerätselt, wer denn aktuell der Mörder sein könnte. Als Schäfer George eines Morgens ermordet vor seinem Wohnwagen liegt, sieht es die Herde als ihre Pflicht an, das Verbrechen aufzuklären. Die Schafe beginnen zu ermitteln und suchen den Täter unter den Dorfbewohnern, von denen fast jeder ein Motiv hat.
Die Adaption der Romanvorlage nimmt sich viele Freiheiten im Umgang mit dem Roman, nicht zuletzt beim sehr unterschiedlichen Ende. Allerdings wird sowohl im Original wie auch in der Verfilmung Humor aus den urkomisch inszenierten Missverständnissen zwischen Menschen und Tieren geschöpft – und erzählt über die sprechenden Schafe davon, wie man die Wirklichkeit akzeptieren und durch schlechte Erfahrungen wachsen kann. Warmherziger Genre-Mix für die ganze Familie.
D: Hugh Jackman, Emma Thompson, Nicholas Braun, Nicholas Galitzine, Molly Gordon.
Ein Münchner im Himmel – Der Tod ist erst der Anfang
Deutschland/Österreich ´26; R: David Dietl. Ab 14.5. Wertung: **** Bild: Leonine
Der Münchner Taxifahrer Ludwig „Wiggerl“ Brunner (Brückner) ist ein echtes bayerisches Original. Als er eines Tages fatalerweise von einer Tram erfasst wird und im Himmel landet, ist ihm schnell klar, wie fehl er hier am Platze ist. Diese ewige Harmoniesucht geht ihm total gegen den Strich, und dass über den Wolken statt Gottvater eine waschechte Mutter-Göttin das Sagen hat, ist erst recht nichts für den Schlawiner. Gottlob gestattet man ihm dann ein neues Leben auf der Erde - allerdings unter der Bedingung, dort sein Karma-Konto aufzuwerten. Nicht ganz einfach für einen Hallodri wie Wiggerl, in dessen irdischem Umfeld schon die Schwiegermama mit ihrem Hokuspokus fürs gute-Geschäfte-machen berühmt-berüchtigt ist, und der Chef unseres Taxlers im Haupterwerb Drogen vertickt. Andererseits: Wo der Wille Wiggerls, in irdische Gefilde zurückkehren und bleiben zu dürfen übermächtig wird, wird sich irgendwie eine Möglichkeit ergeben…
Aus der berühmten Ludwig Thoma-Geschichte vom Dienstmann Alois Hingerl ist im Film des Dietl-Sohns David jetzt der Taxler Wiggerl geworden, der uns eher an eine der berühmtesten Figuren seines Vaters erinnern könnte: den schlitzohrigen Monaco Franze. Ansonsten bedient Regisseur Dietl-Junior fast alle Klischees, die einem heutzutage zum Thema München/Bayern/Bier in den Sinn kommen.
D: Maximilian Brückner, Momo Beier, Hannah Herzsprung, Marcel Mohab, Yasmin Ott, Michaela May, Olli Schulz.
Ninxs – Das Leben glitzert
Mexiko/ Deutschland ´25; R: Kani Lapuerta. Ab 14.5. Wertung: *** Bild: missingFilms
Sich im Kindesalter, in der Jugend oder überhaupt über die eigentliche Identität klar zu sein, ist weißgott nicht für jeden Menschen gleichermaßen offensichtlich. Hinzu kommen oftmals Irritationen und Anfeindungen aus dem direkten Umfeld oder Druck, dem man in der Öffentlichkeit standhalten muss. Der mexikanische trans Filmemacher Kani Lapuerta ist mit all diesen Widrigkeiten vertraut – und blendet in seiner Langzeit-Doku über die Identitätssuche des trans Mädchens Karla in der mexikanischen Kleinstadt Tepoztlán das Negative doch stets und konsequent aus. Die Portraitierte ist gerade mal sieben Jahre alt, als die Dreharbeiten beginnen, und 15, als der Film zu einem Abschluss kommt. Was uns über all die Jahre hinweg präsentiert wird, sind vor allem nette und lustige Impressionen, in denen Karla mit ihren Freundinnen zusammen ist, herumalbert oder tratscht. Wie sie es einmal auf den Punkt bringt, geht es ihr nurmehr darum, glücklich zu sein. Als Kinogänger ahnt man, dass dem Teenie im Verlauf ihres Coming-of-Age-Prozesses durchaus Steine in den Weg gerollt wurden, doch derlei kommt nie zur Sprache. So sympathisch uns Karla im Verlauf des Films wird, bleibt sie einem doch ein Rätsel. Und Filmemacher Kani Lapuerta scheitert somit daran, uns ihre Beweggründe für die Identitätssuche nachvollziehbar zu entschlüsseln.
Doku.
In the Grey
USA ´26; R: Guy Ritchie. Ab 21.5. Vorankündigung Bild: Leonine
Die militärischen Evakuierungs-Experten Bronco (Gyllenhaal) und Sid (Cavill) sind es als kampferprobte Elite-Agenten gewohnt, fast ausnahmslos im nicht legalen Bereich zu agieren. Ihr neuester Auftrag lautet: Eine Milliarde US-Dollar, die sich Despot Salazar untern Nagel gerissen hat, von ihm zurück zu holen. Dazu muss das Duo die schwer bewachte Privatinsel des Brutalos ansteuern, mit Hilfe der ortskundigen Vermittlerin Sophia (Gonzalez) einen Plan aushecken, wie sich das viele Geld einkassieren und abtransportieren lässt. Die Strategie von Bronco, Sid und Sophia: dank hochexplosiver Überraschungen im Gepäck für Chaos zu sorgen und die Verwirrung zu nutzen.
Action-Filmer Guy Ritchie ist für seinen Mix aus plakativer Gewalt, Verbal-Sarkasmus und einer Handlung wie im Comic-Strip berühmt-berüchtigt. Kein Grund für den Briten, dieses Erfolgsrezept aufzugeben, oder?
Vivaldi und ich
Italien/ Frankreich ´25; R: Damiano Michieletto. Ab 21.5. Wertung: ****
Venedig in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Wenn Babys nach ihrer Geburt im kirchlichen Ospedale della Pietà abgegeben werden, bedeutet das für die somit im Waisenhaus aufwachsenden Findelkinder harte Arbeit. Da bei den Nonnen aber auch Musik großgeschrieben wird, kann man sich grundsätzlich das Privileg erarbeiten, ein Instrument erlernen zu dürfen. Doch selbst für jene Waisen, die dann zur Erbauung der Adelsfamilien hinter Gesichtsmasken verborgen im Orchester musizieren, gilt die Verheiratung als eigentliches Ziel. Während solch arrangierte Ehen den Nonnen ein Geschäft eröffnet, bei dem sie durch hartes Verhandeln mit interessierten Männern einen möglichst hohen Kaufpreis für ihre Schutzbefohlenen aushandeln, hoffen die meisten Mädchen dennoch, dem strengen Regiment vor Ort auf diesem Weg zu entkommen. Obwohl auch die junge Cecilia (Insolia) längst einem im Krieg weilenden Grafen versprochen ist, geht ihr Musik über alles. Und in Antonio Vivaldi (Riondino), dem neuen Musiklehrer, Dirigent und Komponist im Waisenhaus erwächst der begabten Violinistin ein Förderer. Als sich Friedrich IV (Jarry) im Rahmen eines Venedig-Besuchs zu einem Konzert des Waisenhausorchesters ankündigt, lässt Vivaldi Cecilia die Erste Geige bei einer Sonate spielen, die ihr ein Solo abverlangt, dass bravourös gemeistert wird – und die Solistin in ihrem Verlangen, nur für die Musik zu leben, erst recht bestärkt. Allerdings kommt dann ihr Zukünftiger (Accorsi) aus dem Krieg zurück, was bedeuten würde, dass Cecilia als verheiratete Frau laut Gesetz nicht weiter musizieren dürfte. Ihr Ersuchen um eine Ausnahme wird abgelehnt – also verführt Cecilia einen Gemüsehändler, um ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Graf Sanfermo verliert zwar das Interesse an der Entjungferten, bricht ihr aber das Handgelenk und schiebt ihrem künftigen Musizieren einen Riegel vor. Cecilia fasst einen Plan…
Im Spielfilmdebüt des früheren Opernregisseurs Damiano Michieletto geht es um weibliche Selbstbestimmung, punktet man mit traumhaft schönen Venedig-Aufnahmen, einer opulenten Ausstattung, einem überzeugend schauspielernden Ensemble und viel Musik.
D: Tecla Insolia, Michele Riondino, Fabrizia Sacchi, Staefano Accorsi, Miko Jarry.
















