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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW1830.04.2026











Rose
Österreich/Deutschland ´26; R: Markus Schleinzer. Ab 30.4. Wertung: ***** Bild: Row Pictures
Wir schreiben das 17. Jahrhundert – irgendwo in Deutschland: Kurz nach Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs taucht ein durch eine Narbe im Gesicht arg entstellte Person (Hüller) in einem abgelegenen protestantischen Dorf auf. Ein Soldat, der behauptet, der Erbe eines seit langem verlassenen Gutshofs zu sein. An der Echtheit des von ihm als Beweis vorgelegten Dokuments ist nicht zu rütteln. Gleichwohl überwiegt bei den Dörflern die Skepsis, ob dieser wortkarge Unbekannte den heruntergekommenen Hof mitsamt der brachliegenden Felder überhaupt wieder auf Vordermann bringen kann. Dies gelingt zwar dank hartem Arbeitseinsatz, doch um endgültig im Ort akzeptiert zu werden, muss irgendwann eine Ehefrau für den Gutsherrn her – und ein Kind. Problematisch, da „er“ in Wahrheit Rose heißt und somit eine Frau ist. Die Heirat mit der Tochter (Braun) des örtlichen Großbauern (Giese) lässt sich dennoch bewerkstelligen – und dass man die Ehe partout nicht vollziehen will, schürt allenfalls Getuschel im Dorf. Als Roses Ehefrau Suzanna dann zur allgemeinen Überraschung doch noch schwanger wird, scheint sich alles zum Positiven zu entwickeln. Leider bringt ein Unfall das bis dahin gut gehütete Geheimnis des Gutsherrn ans Licht, kann auch von Roses mittlerweile eingeweihter Frau nicht mehr kaschiert werden – und lässt die „Land- und Leutebetrügerin“ vor Gericht und unterm Fallbeil enden…Die gekonnt komponierten Schwarz/Weiß- Bilder, der altertümlich anmutende Ton der allwissenden Erzählerin (Growaldt) im Off und die Besetzung vor allem der Hauptrolle mit der für ihre Leistung mit dem Schauspielerpreis bei der diesjährigen Berlinale geehrten Sandra Hüller entfachen einen Sog, dem man sich schwerlich entziehen kann. Souverän verhandelt der österreichische Regisseur Markus Schleinzer mit „Rose“ universelle Fragen nach Geschlechtsidentität, Geschlechtergerechtigkeit und dem Preis, den jemand zahlen muss, um unter widrigen Umständen ein selbstbestimmtes Leben zu führen.  Als Rechtfertigung für ihre Frau-Mann-Verwandlung bringt es Rose zuguterletzt auf den Punkt, wenn sie die Meinung vertritt: „In der Hose steckt mehr Freiheit“.  So betrachtet ist´s ein bis heute brandaktuelles Thema, zumal angesichts von Frauen, die gesellschaftlich noch viel zu oft benachteiligt werden.
D: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Robert Gwisdek, Maria Dragus, Sven-Eric Bechtolf, Rainer Egger.


Der Teufel trägt Prada 2
USA ´26; R: David Frankel. Ab 30.4. Vorankündigung Bild: 20th Century Studios
20 Jahre sind seit dem Hollywood-Hit „Der Teufel trägt Prada“ ins Land gegangen – eine Zeitspanne, in der sich sowohl die Medienwelt weltweit und erst recht die internationale Printpresse verändert haben. Nicht einmal die ikonische Fashionbibel Runway ist vom Auflagen- und Bedeutungsschwund verschont geblieben. Nun könnte die biestig-selbstbewusste Macherin dieses kultigen Modemagazins Miranda Priestly (Streep) entspannt dem eigenen Unruhestand entgegenfiebern, doch um ihr Baby zukunftssicher zu machen, holt sie sich ihre frühere Assistentin Andrea „Andy“ Sachs (Hathaway) erneut an die Seite. Und dann gilt es, mit Emily Charlton (Blunt) noch eine weitere Mitstreiterin von Priestly aus längst vergangenen Tagen vom Runway-Fortbestand zu überzeugen. Charlton, einst engste Vertraute der Magazin-Strippenzieherin, ist in die Selbstständigkeit übergewechselt und verantwortet mittlerweile als Finanzchefin eine glamouröse Luxusmarke. Priestly glaubt, dass Charlton die Mittel besitzt, um die Auflage von Runway zukunftsfähig zu gewährleisten. Die nicht unbedeutende Frage dabei:  Können die unbeirrbar herablassende Hochglanzmagazin-Macherin und ihre frühere Mitstreiterin die nach wie vor vorhandene Rivalität außer Acht lassen?
Es ist wieder Zeit für fashionable High Heels, sezierende Blicke, bissige Verbal-Analysen, atemberaube Mode-Momente – und ein sich die Pointen zuspielendes Star-Ensemble vor und hinter der Kamera.
D: Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci, Lucy Liu, Justin Theroux, Kenneth Branagh, Lady Gaga.


Gavagai
Deutschland/Frankreich ´25; R: Ulrich Köhler. Ab 30.4. Wertung: **** Bild: Port Au Prince Pictures
An der Atlantikküste des Senegal dreht die französische Filmemacherin Caroline Lescaut (Richard) eine radikal modifizierte Adaption des klassischen Medea-Dramas. In dieser Neuzeit-Variante hat die Regie die Rolle der großen Tragödin mit der weißen Schauspielerin Maja Tervooren (Eggert) besetzt. Für den Part ihres Ehemanns und Thronfolgers Jason, somit Vater der im Verlauf des Dramas ums Leben kommenden gemeinsamen Kinder, verpflichtete die Produktionsgesellschaft mit Nourou Cissokho (Folly) einen Farbigen. Während sich die Lescaut unter der sengenden Sonne Afrikas am Set gern wie eine Kolonialherrin aufführt, die das einheimische Team nach Lust und Laune drangsaliert, gönnt sich Maja nebenbei eine Affäre mit Co-Star Nourou. Eigentlich lebt sie in einer Beziehung, steht allerdings kurz vor der Trennung von ihrem mit dem gemeinsamen Nachwuchs in Deutschland verbliebenen Partner. Nach Beendigung der Dreharbeiten und mit finaler Filmfassung steht Lescauts Medea-Adaption eine Einladung im Rahmen der Berliner Filmfestspiele bevor. Zur Uraufführung reist auch Majas Co-Star Nourou zum Festival an und muss sich nach der Ankunft im Hotel doch glatt von einem Security-Mann (Malecki) maßregeln lassen. Dieser rassistische Vorfall überschattet für ihn seinen Berlinale-Aufenthalt, doch es ist Maja, die auf einer Entschuldigung besteht und schließlich für die Entlassung des aus Polen stammenden Hotelmitarbeiters sorgt. Derweil verschränken sich Kunst und Alltag fürs Medea-Star-Gespann zusehends mehr ineinander…
Regisseur Ulrich Köhler lotet Fragen von kultureller Aneignung und Rassismus randscharf aus. Sein „Gavagai“ hat zwar immer mal wieder mit einem akademisch spröden Inszenierungsstil zu kämpfen, geht aber auch dank glaubwürdiger Besetzung der Hauptrollen durchaus als spielerische Topografie des Missverstehens durch.  
D: Maren Eggert, Jean-Christophe Folly, Nathalie Richard, Anna Diakhere Thiandoum, Maj-Britt Klenke, Hans Löw, Mateusz Malecki.


American Sweatshop
USA/Deutschland/Belgien ´25; R: Uta Briesewitz. Ab 30.4. Wertung: **** Bild: Brainstorm Media
Irgendwo in den USA hat die junge Akademikerin Daisy Moriarty (Reinhart) nach dem Studium zunächst keinen anderen Job als den einer Content-Mitarbeiterin beim Unternehmen Paladin gefunden. Was nach einer harmlosen Arbeit klingen mag, entpuppt sich in Wahrheit als Zumutung, die tagtäglich Stress produziert. Für die im Großraumbüro hinterm Computer-Bildschirm Platz nehmenden Paladin-Angestellten bedeutet das nicht weniger als Social-Media-Plattformen nach unangemessenen Inhalten zu durchforsten, die ihnen von besorgten Mitmenschen oder verunsicherten Firmen gemeldet werden. Aufgrund der scheinbar gegebenen Anonymität des Internets für all seine Nutzer gilt es, Darstellungen von Hatespeech, Sex und Gewalt zu bewerten, um gegebenenfalls deren Löschung zu veranlassen. Eines Tages bekommt Daisy ein besonders grausames Video zur Überprüfung zugeteilt, das offenbar ein Verbrechen an einer jungen Frau zeigt – und die an extremste Szenen gewöhnte Content-Mitarbeiterin beim Sichten ohnmächtig werden lässt. Joy Jones (Paul), die Chefin der 25-Jährigen ist der Meinung, der Inhalt des „Nailed it“-Videos sei gefakt, eine Löschung somit ausreichend. Da man ansonsten weder auf Betreiben von Paladin noch anhand von polizeilichen Ermittlungen den mutmaßlichen Tätern auf die Spur kommen will, beginnt Daisy auf eigene Faust zu recherchieren. Und spricht bei jener Firma, die das Video produziert hat, als „Model“ vor. Zusehends mehr verstrickt sich die Hobbyermittlerin in ihre Nachforschungen, überschreitet sie Grenzen – was der Regiedebütantin Uta Briesewitz die Gelegenheit gibt, statt einem schweißtreibend blutrünstigen Rachethriller ein sensibles Psychodrama zu inszenieren. Sehenswert.
D: Lili Reinhart, Christiane Paul; Daniela Melchior, Joel Fry, Jeremy Ang Jones.


Der Wunderweltenbaum
GB/USA ´26; R: Ben Gregor. Ab 30.4. Wertung: ***
Nachdem sich Polly Thompson (Foy) standhaft weigert, den von ihr designten Kühlschrank so zu modifizieren, dass er künftige Käufer und Nutzer ausspionieren könnte, wird die Elektronikingenieurin vom Arbeitgeber gefeuert. Das Leben im teuren London ist für sie, ihren ebenfalls arbeitslosen Ehemann Tim (Garfield) und die gemeinsamen Kinder Fran (Gadsdon), Joe (Larouche) und Beth (Bennett-Cardy) definitiv nicht mehr darstellbar, weshalb der Familienrat beschließt, aufs Land zu ziehen. In der Nähe von Tim einstigem Geburtsort entdeckt man eine baufällige Scheune, mietet sie – und beginnt das Gebäude einigermaßen wohnlich herzurichten. Zwar haben die Thompsons nicht einmal Elektrizität, dennoch liebäugelt Dad damit, Tomaten anzubauen, um alsbald eine eigene Pastasauce produzieren und verkaufen zu können. Da die Kinder in der Scheune nur im Weg sind, stromern sie durch die Umgebung. Und ignorieren die Warnung eines lokalen Farmers (Farnaby), den Wald zu meiden. Dort entdeckt Fran dann einen magischen Baum, der von einer Reihe wundersamer Gestalten (Anozie, Coughlan, Demri-Burns) bewohnt wird. Und die schrullige Gemeinschaft lädt ihre Besucher ein, sich mit ihnen in ferne Welten zu beamen – der Wunderweltenbaum macht´s möglich. Nach und nach besucht die Truppe das Land der Geburtstage, der Süßigkeiten, der Wünsche, der Flüche, bis sich die Thompson-Kids allmählich zu alt fühlen, um sich weiterhin per fantastische Trips aus der Realität herauszukatapultieren.Die aus den 1930er und 40er Jahren stammenden Gutenachtgeschichten von Enid Blyton wurden nachvollziehbar modernisiert – und laden zum Vergleich der Kinderbuchklassiker mit der familienfreundlich gelungenen Kinoadaption ein.
D: Andrew Garfield, Claire Foy, Billie Gadsdon, Phoenix Larouche, Delilah Bennett-Cardy, Nonso Anozie, Nicola Coughlan, Dustin Demri-Burns, Rebecca Ferguson, Michael Palin, Jennifer Saunders, Simon Farnaby.


Nürnberg
USA ´25; R: James Vanderbilt. Ab 7.5. Wertung: **** Bild: Bluestone Entertainment
Nach dem Zusammenbruch von Hitlers Nazi-Regime werden etliche Größen des Dritten Reichs aufgespürt und verhaftet. Aufgrund der unfassbaren Schuld, die Göring und Co auf sich geladen und somit zu verantworten haben, ist der US-amerikanische Richter Robert H. Jackson (Shannon) der Ansicht, dass man diese Inhaftierten nicht einfach exekutieren sollte. Er macht sich für ein internationales Tribunal stark, das in jener Stadt, in der 1935 die antisemitischen Nürnberger Gesetze erlassen wurden, öffentlichkeitswirksam über die Bühne gehen könnte. Vorab soll der Militärpsychologe Douglas M. Kelley (Malek) bei den Angeklagten Prozesstauglichkeit, geistigen Zustand und eventuelle Suizidgefährdung ausloten, sowie die den Gräueltaten zugrundeliegenden Motivationen unter die Lupe nehmen. Vor allem Reichsmarschall Göring (Crowe), der zweite Mann in Hitlers Unrechtsstaat erweist sich als intelligenter und manipulativer Gesprächspartner, der seinem Gegenüber Kelley die erhofften Einblicke in das Wesen des Bösen ein ums andere Mal verwehrt.
Regisseur James Vanderbilt greift auf das Standardwerk „Der Nazi und der Psychiater“ des Sachbuchautoren Jack El-Hais zurück, stellt vor allem die Verhör- und Analyse-Versuche des Psychiaters in Görings Zelle ins Zentrum seines Kammerspiels, die den Oscarpreisträgern Russell Crowe und Rami Malek Gelegenheit zum verbalen Kräftemessen gibt. Erst in jener Szene, als der Weltöffentlichkeit die durch Alliierte dokumentierten Film- und Fotoaufnahmen aus den KZs gezeigt werden, realisiert Kelley, wie sehr er den Lügen des Reichsmarschalls bis dahin auf den Leim gegangen war. Dass er sich für seine Naivität schämt und zu hassen beginnt, macht Malek deutlich; Schauspielerkino par excellence. Da „Nürnberg“ als Warnung der Vergangenheit an die Gegenwart durchgeht, ist Kinokartenkauf ohnehin angeraten.  
D: Russell Crowe, Rami Malek, Leo Woodall, Richard E. Grant, Michael Shannon.

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