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Filme im Kino
MoX Kino-Tipps KW1615.04.2026
Texte: Horst E. Wegener
Kiss of the Spider Woman
USA/Mexiko ´25; R: Bill Condon. Ab 16.4. Wertung: **** Bild: Sony Pictures
Argentinien in den 1980er Jahren: Schwule sind dem das Land unterjochenden Militärregime suspekt, weshalb der wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ verurteilte Schaufensterdekorateur Luis Molina (Tonatiuh) hinter Gittern landet. Und nachdem ihn Gefängnisdirektor Ledesma (Bichir) zum politischen Häftling Valentin Arregui (Luna) hat verlegen lassen, steht Molina vor der Wahl, den Revoluzzer auszuspionieren, um möglicherweise früher freizukommen, oder sich das Bespitzeln zu schenken. Zwar ist Arregui von seinem neuen Zellengenossen anfangs total genervt, kann den Erzählungen der exaltierten Plaudertasche mit der Zeit dann aber doch einiges abgewinnen. Während Molina ihn als Filmfan zu kleinen Fluchten in die Traumwelten seiner Lieblings-Diva Ingrid Luna (Lopez) mitnimmt, die im fiktiven Hollywood-Musical „Der Kuss der Spinnenfrau“ als Herausgeberin eines Modemagazins unfähig ist, sich auf einen Mann einzulassen, erwartet Ledesma verwertbare Infos von Arreguis Zellengenossen. Doch von dem kommt nichts…
Basierend auf dem Bestseller des argentinischen Schriftstellers Manuel Puig und der preisgekrönten Broadway-Fassung von Terrence McNally schaltet diese zweite Kinoadaption weit ausgiebiger als Hector Babencos Oscar-prämierter Spielfilm von 1985 zwischen der beklemmenden Knast-Atmosphäre mit den brutalen Wärtern und den knallbunten Musicalwelten hin und her. In ihren Rollen als gegensätzliche Zellengenossen punkten Diego Luna und Tonatiuh durchaus glaubwürdig, allerdings geraten vor allem die Tanz- und Gesangseinlagen von JLos´ Leinwandgöttin Ingrid alias Aurora zum Niederknien umwerfend, lassen es uns Kinogänger verschmerzen, dass dem politisch düsteren Klima in Argentinien zu Zeiten der Junta weniger Gewicht beigemessen wird.
D: Diego Luna, Tonatiuh, Jennifer Lopez, Bruno Bichir, Josefina Scaglione, Aline Mayagoitia, Tony Dovolani.
Paris Murder Mystery
Frankreich ´25; R: Rebecca Zlotowski. Ab 16.4. Wertung: **** Bild: Jerome Prebois
Die in Paris lebende und als Psychologin praktizierende Amerikanerin Lilian Steiner (Foster) hält sich eigentlich für einen schier unfehlbaren Vollprofi. Umso mehr erschüttert es sie, dass ihr keinerlei Frühwarnanzeichen im Verhalten ihrer Klientin Paula (Efira) aufgefallen sein sollen, bevor diese scheinbar selbstbestimmt ihr Leben beendet hat. Was, wenn es stattdessen Mord war – und wenn ja: Wer könnte dahinterstecken? Die Psychologin schwingt sich zur detektivischen Spürnase auf, um die Umstände des vermeintlichen Suizidopfers zu hinterfragen. Und deckt bald immer mehr Widersprüche in Paulas früheren Alltag auf, die sowohl mit deren Ehemann (Amalric) zu tun haben, als auch das Verhalten von ihrer Tochter Valérie (Bajrami) zusehends verdächtig erscheinen lassen. Da die Hobbydetektivin irgendwann nicht mehr weiterweiß, bittet sie ihren Ex Gabriel (Auteuil) um Unterstützung. Und der willigt gern ein, den Partner in crime zu spielen...
Die französische Regisseurin Rebecca Zlotowski bindet das klassische Whodunit-Motiv gekonnt in eine rätselhafte Geschichte ein, bei der vor allem Schauspieler-Größe Jodie Foster ihre Fähigkeiten mitreißend ausleben darf, um einen scheinbar simplen Krimi in eine Charakterstudie mit einem Touch Freud´scher Analytik zu verwandeln.
D: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Amalric, Lùana Bajrami, Vincent Lacoste.
Die reichste Frau der Welt
Frankreich/Belgien ´25; R: Thierry Klifa. Ab 23.4. Wertung: *** Bild: Manouel Moutier
„Wo endet die Macht des Geldes?“, will die Reporterin eines Hochglanzmagazins von der reichsten Frau der Welt wissen. Und Marianne Farrère (Huppert), schwerreiche Erbin eines Kosmetikimperiums erwidert: „Wo die Lebensfreude beginnt“. Nun steht die Interviewte zwar im Ruf, sich ein Leben im Luxus wie niemand sonst leisten zu können, freudvoll gestaltete es sich in ihrem Fall allerdings denkbar selten - trotz Ehe und Familie. Gelegenheits-Fotograf Pierre-Alain Fantin (Lafitte) erkennt seine Chance: Fürs Interview um ergänzende Portraitaufnahmen gebeten, moniert er ungerührt die Frisur der Milliardärin. Erst dank der aus seiner Sicht akzeptabel gestylten Haarpracht greift Fantin dann zu seiner Leica-Kamera, bringt er Schwung in die Fotosession und alsbald auch in das Leben der Portraitierten. An der Seite des jungen Dandys eröffnet sich für die vom Leben und Reichtum gelangweilte wesentlich ältere Madame Farrère die Tür in eine Welt, die ihr zuvor unbekannt war. Während der gespielte Charme Fantins niemand sonst außer der eigentlich verheirateten Milliardärin imponiert, spürt vor allem Farrères Tochter (Fols), dass der junge Lebemann mit krimineller Kotzbrocken-Energie seiner sich einsam fühlenden Gönnerin das Geld zuhauf aus deren Portemonnaie zieht. Andererseits kann sie mit ihrem Reichtum machen was sie will – oder? Thiery Klifas Drama basiert lose auf dem Leben der milliardenschweren LÓréal-Erbin Liliane Bettencourt, die 2017 verstarb und bis zu ihrem Tod als die reichste Frau der Welt galt. Sie führte ein Leben, das von Luxus und Skandalen geprägt war. Einer der Skandale: Die Freundschaft der Milliardärin zum wesentlich jüngeren Fotografen und Lebemann Francois-Marie Banier, dem sie großzügig Geld gab – sehr zum Missfallen von Bettencourts Tochter, die Banier für einen Hochstapler hielt. Isabelle Huppert taucht als Bettencourt-Alias Farrère souverän wie gewohnt in den pseudo- amourösen Beziehungsreigen zum von Laurent Lafitte nicht minder schillernden Banier-Alias Fantin ein. Leider arg dialoglastig.
D: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Marina Fols, Raphael Personnaz, André Marcon, Mathieu Demy.
Lee Cronin´s The Mummy
USA ´26; R: Lee Cronin. Ab 16.4. Vorankündigung Bild: Warner Bros
Während eines Familienausflugs in die Wüste außerhalb von Kairo ist Katie (Grace), die kleine Tochter von Charlie (Reynor) und Larissa Cannon (Costa) mit einem Mal spurlos verschwunden. Und bleibt verschollen – ein Schicksalsschlag für die fassungslosen Eltern, der sie in eine tiefe seelische Krise stürzt. Acht Jahre später bekommt man dann plötzlich die Mitteilung, dass das verschwundene Kind lebend in einem uralten Sarkophag entdeckt und gerettet wurde. Zurück im Kreis der Familie kann die Verschollene sich an kaum etwas erinnern, was ihr in den letzten paar Jahren widerfahren sein könnte. Sowohl die Eltern als auch ihre jüngere Schwester und der ältere Bruder geben sich zwar alle Mühe, die verwilderte Teenagerin wieder in den normalen Familienalltag zu integrieren, doch irgendetwas irritiert an der Heimkehrerin. Es wirkt, als sei Katie die Wiedergängerin von etwas ganz anderem. Was ein freudiges Wiedersehen hätte werden sollen, verwandelt das Leben der Cannons zusehends mehr in einen wahren Albtraum… Special-effects-lastiges Remake des hollywood´schen Die Mumie-Klassikers: Lässt uns Popcorn-Gruselkino fürs Multiplex-Publikum erwarten.
D: Jack Reynor, Laia Costa, May Calamawy, Natalie Grace, Verónica Falcon.
Allegro Pastell
Deutschland ´25; R: Anna Roller. Ab 16.4. Wertung: *** Bild: Felix Pflieger
Tanja (Faligant) ist 33 und fühlt sich als aufstrebende Schriftstellerin mit ihrem fertiggestellten Romanerstling in Berlin definitiv am richtigen Ort fürs weiterhin rauschhafte Abtauchen ins anonyme Großstadtleben. Jerome (Niewöhner), 35, gefragter Webdesigner, hat dem trubeligen Hauptstadt-Alltag den Rücken gekehrt und ist in sein beschauliches hessisches Örtchen zurückgekehrt, um im Bungalow, der ihm von den Eltern mietfrei überlassen wurde, seiner Arbeit nachzugehen. Nachdem sich die beiden Freiberufler noch in Berlin kennen gelernt haben, indem sie nach einer Lesung von Tanja zu einem beglückenden One-Night-Stand zusammenkamen, ist man in einer Fernbeziehung zusammengeblieben: Man besucht sich gegenseitig und hält ansonsten per Smartphone den Kontakt aufrecht. Vor allem aus Sicht der hyperreflektierten Großstädterin kommt das ihrem Beziehungsideal hinsichtlich der perfekten Ausgewogenheit zwischen Distanz und Nähe sehr nahe. Als sich Jerome dann aber überlegt, Tanja für ihren anstehenden Geburtstag eine Website zu gestalten und zu schenken, geht ihr dieses Geschenk eindeutig zu weit, wird von ihr als Grenzüberschreitung eingestuft – was die Distanz zwischen Tanja und Jerome vergrößert. Die beiden verlieren sich, nähern sich irgendwann einander wieder an, um einander erneut zu verlieren… Mit ihrer Adaption des gleichnamigen Romans konzentriert sich „Allegro Pastell“-Filmerin Anna Roller auf die Generation der Mittdreißiger im Jahr 2018, die in einer popkulturell kodierten Welt voller überfordernder Eindrücke nach Liebe suchen, ohne so genau zu wissen, was ihnen dies überhaupt bedeuten könnte. Gut möglich, dass viele Millennials „Allegro Pastell“ als authentisches Milieuportrait begreifen – sehr zur Freude sowohl des Romanautors Leif Randt als auch der Regisseurin Anna Roller, die somit schlussfolgern können: Mission erfüllt.
D: Sylvaine Faligant, Jannis Niewöhner, Luna Wedler, Haley Louise Jones, Vera Flück, Martina Gedeck, Wolfram Koch.
Vier minus drei
Österreich/ Deutschland ´26; R: Adrian Goiginger. Ab 16.4. Wertung: **** Bild: Alamonde Film
Barbara und ihr Partner Heli führen mit ihren beiden kleinen Kindern Fini und Thimo ein glückliches und liebevolles Familienleben. Als professionelle Clowns nehmen sie das Leben nicht zu ernst und sagen sich, dass man am besten auch über das lacht, was misslingen könnte. Allerdings fällt es Barbara extrem schwer, dies weiter so zu sehen, als sie einen Anruf erhält und mitgeteilt bekommt, dass Heli bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam und ihre beiden Kinder schwer verletzt im Krankenhaus liegen. Als dann auch noch Fini und Thimo kurz hintereinander ihren Verletzungen erliegen, bricht Barbaras Welt wie ein Kartenhaus zusammen. Nichtsdestotrotz gilt es den Alltag zu bewältigen – inklusive Bestattungsvorbereitungen zu treffen, Trauerfeier zu organisieren. Danach das Weiterleben zu meistern, gestaltet sich kein bisschen einfacher. Und doch kommt irgendwann der Tag, an dem sie das erste Mal wieder lachen kann…
„Vier minus drei“ basiert auf der Autobiografie von Barbara Pachl-Eberhart. Filmemacher Adrian Goigingers sehenswert besetzte Kino-Adaption vermittelt uns dieses Drama ohne groß sentimental zu werden oder in die Klischeekiste zu greifen – mit einem Gespür für Schmerz, Lebensmut und Humor.
D: Valerie Pachner, Robert Stadlober, Stefanie Reinsperger, Hanno Koffler, Margarethe Tiesel, Ronald Zehrfeld.
















