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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW0604.02.2026













Texte: Horst E. Wegener

No other Choice
Südkorea ´25: R: Park Chan-Wook. Ab 5.2. Wertung: ***** Bild: CJ ENM

Mit dem wohlstandssatten Leben von Yoo Man-su (Byung-hun) und seiner Familie ist´s Knall auf Fall vorbei, nachdem der Familienvater seine gut bezahlte Arbeitsstelle in einer Papierfabrik verliert. Der Vorzeige-Angestellte hat sich nichts zu Schulden kommen lassen, muss aber trotzdem ab sofort den Gürtel enger schnallen. Zunächst ist es nur der Musikunterricht für das hochbegabte Töchterchen, der gestrichen wird, bald können auch die Raten fürs eigene Haus mitsamt Garten nicht mehr gestemmt werden – und so sehr sich Papa Yoo Man-su auch bemüht, Bewerbungen schreibt, sich bei potentiellen neuen Arbeitgebern vorstellt, ein gutes Jahr nach seiner Kündigung durch die US-Amerikaner, die die Papierfabrik aufgekauft und seine Stelle wegrationalisiert hatten, findet sich der Pechvogel doch nur in einem mies bezahlten Einzelhandelsjob wieder. Die wachsende Verzweiflung lässt Yoo Man-su einen ebenso irrwitzigen wie gefährlichen Plan fassen: Er beschließt, potenzielle Konkurrenten auf lohnenswerte Stellen, um die er sich bewirbt, radikal und endgültig aus dem Weg zu räumen. Da das Ausspähen der Mitbewerber auf interessante Stellen Zeit kostet, glaubt Man-sus Ehefrau Mi-ri (Ye-jin) ihren Gemahl fälschlicherweise in amouröse Abenteuer verstrickt; dass sie ebenfalls heimlich einen Nebenjob annimmt, um die Familienkasse aufzubessern, setzt beim Göttergatten haarklein dieselben Assoziationen frei. Schlimmer als die gegenseitigen Seitensprung-Bezichtigungen beider Eheleute wiegt dann allerdings die stets vorhandene Gefahr, dass beim Morden etwas schief gehen könnte und Manu-su gerät immer wieder in Gefahr, überführt zu werden.
Mit „No other Choice“ entzündet Regisseur Park Chan-Wook eine gallige Kapitalismuskritik, bindet er Thriller- und Satire-Elemente elegant in den Plot mit ein und besetzt vor allem die Hauptrolle glaubwürdig. Darüber hinaus gerät der Regie die Zuspitzung der Handlung stets schwarzhumorig nachvollziehbar und trifft den Nerv einer Arbeitswelt, die zugunsten von Profitmaximierung immer unmenschlicher ausfällt und beunruhigend gegenwärtig klingt.
D: Lee Byung-hun, Son Ye-jin, Park Hee-Soon, Lee Sung-min, Yeom Hye-ran.


Ein Kuchen für den Präsidenten
USA/Irak/Katar ´25: R: Hasan Hadi.  Ab 5.2. Wertung: ****  Bild: TPC Film LLC

Der Irak in den frühen 1990er Jahren: Schon während Lamia (Nayyef) des Morgens per Boot gen Schule paddelt sorgt sich die Neunjährige, dass die für diesen Tag von ihrem linientreuen Lehrer angesetzte Auslosung eines Schülers, der den jährlichen Kuchen für die Feier zu Ehren des Staatspräsidenten Saddam Hussein zu backen hat, auf sie fallen könnte. Diese Sorge erweist sich nicht nur als berechtigt, sondern stellt das Mädel vor eine schier unlösbare Aufgabe: Einerseits kommen Lamia und ihre Oma (Khreibat) im Alltag auch ansonsten finanziell kaum über die Runden, andererseits und infolge des Irak-Kuwait-Krieges sowie der harten vom Ausland aufrechterhaltenen Sanktionen gegen das Regime in Bagdad sind Nahrungsmittel knapp und teuer. Zudem bleiben Lamia ganze zwei Tage, um Eier, Zucker, Mehl und Backpulver zu besorgen. Sollte es ihr nicht gelingen, innerhalb dieser Frist dann auch noch einen Kuchen zu backen, drohen ihr und ihrer Oma Bibi harte Strafen. Also packt die Großmutter ein paar Habseligkeiten wie ein altes Radio zusammen und fährt mit ihrer Enkelin in die Stadt, um Lebensmittel einzutauschen oder einzukaufen. Mit von der Partie ist auch Hahn Hindi, den Lamia unterm Arm trägt. Als es der Neunjährigen klar wird, dass die Oma den Stadtbesuch obendrein nutzen will, um die Erziehung der Enkelin künftig in die Hände eines befreundeten Ehepaares legen zu können, nimmt Lamia Reißaus. Während die Regie Lamia auf eine nicht ganz ungefährliche Odyssee durch die Stadt schickt, donnern mehrfach US-Kampfjets übern Himmel – und das aus der Perspektive der Neunjährigen erzählte Coming-of-Age-Drama unterstreicht unmissverständlich, dass die vielen von den Vereinten Nationen seinerzeit gegen das Regime verhängten Strafmaßnahmen der korrupten Elite des Landes wenig anhaben konnten, sondern vor allem die notleidende Zivilbevölkerung mit Macht trafen. „Ein Kuchen für den Präsidenten“ sollte einen nachdenklich stimmen.  D: Baneen Ahmad Nayyef, Sajad Mohamad Qasem, Waheed Thabet Khreibat, Ahmad Qasem Saywan, Rahim AlHaj, Muthanna Malaghi.


Die Ältern
Deutschland ´26: R: Sönke Wortmann.  Ab 12.2. Vorankündigung  Bild: Constantin Film / Gordon A. Timpen

Hannes (Bezzel) geht´s bestens - als Schriftsteller, Ehemann und Familienvater wähnt er sich seit Jahren auf der Erfolgsspur. Doch dann zeigen sich in der Wohlfühlwelt jäh hässliche Risse: Die Bestseller-Reihe des Vorzeige-Autoren wird vom Verlag storniert, auf die Aussichten von Sohn Nick (Müller), das anstehende Abitur zu meistern, sollte man besser nicht hoffen, und dessen Schwester Carla (Barucki) will zuhause ausziehen. Dann nimmt Hannes bessere Hälfte Sara (Schudt) den Wunsch der Tochter zum Anlass, eine Auszeit vom Eheeinerlei durchzusetzen und gründet mit dem Töchterchen zusammen eine WG. Ob seine neue Bekanntschaft mit Vanessa (Bohle) den harmoniesüchtigen Hannes wohl dazu bringen könnte, den künftigen Lebensweg anders zu denken?
Nach „Maria, ihm schmeckt´s nicht“ und „Das Pubertier“ die neueste Verfilmung eines Bucherfolgs von Jan Weiler.
D: Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Philip Müller, Kya-Celina Barucki, Judith Bohle.


Once upon a Time in Gaza
Palästinensische Gebiete/ Frankreich/ Deutschland ´25: R: Tarzan und Arab Nasser.  Ab 12.2. Wertung: ***  Bild: Dulac Distribution

Der Gazastreifen anno 2007: Nachdem Israel die Region abriegeln mochte, terrorisiert die Hamas vor Ort die palästinensische Bevölkerung. Einer, der sich von diesen chaotischen Zuständen nicht unterkriegen lassen will, ist Osama (Eid): Offiziell betreibt er einen Falafelladen in Gaza City, handelt aber unter der Hand auch mit illegalen Pillen und Drogen. Mit Hilfe von ergaunerten Rezepten kann der Ladeninhaber in einer Apotheke das jeweils Gewünschte problemlos beschaffen, um es dann den Essenslieferungen beizulegen und durch seinen Angestellten Yahya (Alhay) zustellen zu lassen. Als der korrupte Polizist Abou Sami (Maqdisi) Wind vom einträglichen Nebengeschäft bekommt, stellt er den Falafelladenbetreiber vor die Wahl: Der muss ihn an den Gewinnen aus dem Pillen-Handel beteiligen und ab sofort Spitzeldienste leisten. Osamas Verweigerung kostet ihn sein Leben. Zwei Jahre später soll dann mit Unterstützung durch Gazas Kulturministerium, das die Hamas ebenfalls dominiert, ein Actionfilm gedreht werden – und nachdem Yahya einem kurz zuvor zu Grabe getragenen Märtyrer ähnelt, wird er vom Regisseur des geplanten Propaganda-Films gefragt, ob er sich´s vorstellen könnte, die Figur dieses getöteten Hamas-Helden darzustellen. Da das Budget von „The Rebel“ knapp bemessen ist, wird mit echten Waffen und scharfer Munition gedreht – Yahya sieht darin eine Gelegenheit, endlich Rache an dem Mörder seines einstigen Chefs nehmen zu können.
Schade, dass die Nasser-Brüder mit ihrem Cocktail aus Film im Film, Komödie, Western und Politthriller zu viel wollen, ihn überfrachten – und bauchlanden.
D: Nader Abd Alhay, Majd Eid, Ramzi Maqdisi, Issaq Elias.


Crime 101
USA/GB ´26: R: Bart Layton.  Ab 12.2. Vorankündigung  Bild: Amazon MGM

Mike Davis (Hemsworth) ist ein Juwelendieb, dessen Raubzüge entlang des US-Freeway 101 die Polizei fassungslos macht. Und obwohl ihm bislang noch kein Coup zu waghalsig erschien, soll der nächste Streich definitiv Mikes größter und letzter werden. Während er den Coup seines Lebens ins Visier nimmt, begegnet ihm die attraktive Versicherungsagentin Sharon Colvin (Berry), die mit Blick auf ihre weitere Karriere desillusioniert ist. Auf Seiten der Gesetzeshüter glaubt der mittlerweile mit dieser dreisten Serie von Juwelendiebstählen befasste Detective Lou Lubesnick (Ruffalo) ein Muster entdeckt zu haben. Während er Mike auf die Spur kommt, verkompliziert sich die Lage zusehends durch Ormon (Kooghan), einen weiteren Player auf der Juwelendiebstahlsbühne – die Grenze zwischen Jäger und Gejagten beginnt zu verschwimmen…
Bart Laytons Action-Thriller mit gleich drei Stars aus dem Marvel-Universum basiert auf der Vorlage des Krimi-Spezialisten Don Winslow. Clever adaptiert stehen die Chancen für „Crime 101“ bestens, sich im Thriller-Genre als cool-rasantes Meisterstück zu klassifizieren.
D: Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Halle Berry, Barry Kooghan, Monica Barbaro, Corey Hawkins, Jennifer Jason-Leigh, Nick Nolte.


Architektur des Glücks
Schweiz/Deutschland ´25: R: Anton von Bredow/ Michele Cirigliano. Ab 5.2. Wertung: **** Bild: [font=montserrat, Arial, sans-serif]imFilm Agentur + Verleih[/font]
Das Örtchen Campione d´ Italia liegt, umrahmt vom schweizerischen Tessin, am malerischen Luganer See. In diesem einst armen Fischerdorf kam schon 1917 die Idee auf, ein Spielcasino zu bauen. Gesagt, getan - bald tummelten sich Geldadel und Neureiche in der am Seeufer errichteten Spielbank; dass Benito Mussolini die Enklave nahe der Schweiz anno 1933 zu einer italienischen Mustergemeinde umfunktionieren ließ, war dem Casinogeschäft nicht mal übers Ende des Duce abträglich. Nach dem Zweiten Weltkrieg schauten dann verstärkt Filmstars wie die Loren, Regisseure wie Fellini und andere Prominente in der Gemeinde vorbei, um sich bei einem Spielchen im Casino zu erholen. Da ganz Campione d´Italia von seiner Spielbank prächtig profitierte, und alle im Ort daran teilhatten und immer reicher wurden, sprachen sich die Campionesi 2006 geschlossen für die Beauftragung des Stararchitekten Mario Botta aus, der der Gemeinde das größte Casino Europas ans Seeufer klotzen durfte. Womit niemand gerechnet hatte: Dass die Spielbank 2018 Konkurs anmeldete – und somit den gesamten Ort in eine Existenzkrise stürzen mochte.  Über drei Jahre hinweg begleiten die Filmemacher Anton von Bredow und Michele Cirigliano Campionesi, kontrastiert man die Lost-Place-Atmosphäre von aufgelassenen Seilbahnen und leeren Parkhäusern mit der Barockfassade der Kirche unweit des gigantischen Casinobaus am Seeufer. Man zeigt, wie sich der Ort ganz allmählich von der Spielbank-Pleite erholt, sich die Bewohner in Demut üben. Immerhin hat das Casino 2022 wieder den Betrieb aufgenommen – und weil es sich herumgesprochen hat, dass Chinesen gerne spielen, fabuliert eine Immobilienmaklerin davon, Investoren aus dem Reich der Mitte künftig nach Campione d´Italia holen zu wollen. Es darf also wieder geträumt werden.
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