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Filme im Kino
MOX Kino-Tipps KW4322.10.2025
Texte: Horst E. Wegener
Frankenstein
USA ´25: R: Guillermo del Toro. Ab 30.10. Wertung: **** Bild: Netflix
Die Idee, künstliche Wesen zu erschaffen oder Tote wiederzuerwecken, gehört zu den klassischen Kino-Motiven – und ist in der Adaption etwa des Frankenstein-Stoffs, der von Mary Shelley über den Sommer des Jahres 1816 am Genfer See zu ihrem weltberühmten Schauerroman verarbeitet wurde, seit Jahrzehnten ein ausgesprochenes Herzensprojekt auch der Regiegröße Guillermo del Toro. Dass die Bestsellervorlage schon unzählige Male verfilmt worden war, konnte den visionären Regisseur nicht davon abhalten, jetzt seine Version in Angriff zu nehmen – wobei del Toros „Frankenstein“ die Geschichte des forschenden Arztes und Wissenschaftlers stärker in den Fokus nimmt, dessen Verhältnis zur ungeliebten, weil nicht vollkommenen Kreatur in den Mittelpunkt stellt.
Schon in Shelleys Roman war Victor Frankenstein ein genialer Arzt, der dem Leben dienen möchte, indem er den Tod besiegt, dann aber irgendwann begreift, dass sich seine Schöpfung durch kein menschliches Wesen mehr kontrollieren lässt. In del Toros Film kommt der von Oscar Isaac geschauspielerte Victor Frankenstein als krasser Außenseiter rüber, den Kollegen verspotten, sofern sie seine Ideen nicht für obszön halten. Um die Arbeit zu finanzieren, schließt sich der Forscher mit einem von Christoph Waltz gespielten deutschen Waffenfabrikanten zusammen, der sich seinerseits auf diesem Weg das ewige Leben erträumt – und in Shelleys Roman nicht vorkommt. Hingegen reicht die von Frankenstein mithilfe der Elektrizität erschaffene Kreatur leider an Boris Karloffs legendäres Vorzeige-Monster aus James Whales ikonischem Filmklassiker von 1931 nie heran, ist in der Interpretation von Jacob Elordi zu schön und weinerlich – auch der im letzten Drittel des Films vollzogene Perspektivwechsel, das Ende wie schon in der ursprünglichen Romanvorlage aus dem Blickwinkel der sich ungeliebt sehenden Kreatur zu schildern, verschenkt denkbare Möglichkeiten, indem del Toro ungewohnt konventionell inszeniert. Was bleibt: breitwandsprengendes Kino; leider bedingt durch die Finanzierung durch Netflix dazu verdammt, nur wenige Wochen auf der großen Leinwand vom Publikum bestaunt werden zu können. Alsdann – wer zu spät kommt…
D: Oscar Isaac, Jacob Elordi, Christoph Waltz, Mia Goth, Lars Mikkelsen.
Bugonia
USA/ Südkorea/ Irland ´25: R: Yorgos Lanthimos. Ab 30.10. Wertung: **** Bild: Atsushi Nishijima
Wenn Teddy (Plemons) sich Gedanken über den Zustand der USA macht, sieht er schwarz. Und der in einem alten Farmhaus lebende Bienenzüchter glaubt die Schuldigen am unübersehbaren sozialen Niedergang der ländlichen Communities in God´s own Country zu kennen: Außerirdische aus der Andromeda-Galaxis weilen als Menschen getarnt auf der Erde, um unerkannt die Vernichtung der Menschheit vorzubereiten. Einstweilen sind diese Aliens nur für das Bienensterben verantwortlich, ist die Andromedanerin Michelle Fuller (Stone) als Chefin eines Chemie- und Pharmakonzerns aber auch für den Tod von Teddys Mutter Sandy (Silverstone) verantwortlich. Lediglich eine Frage der Zeit, bis es weitere Todesopfer geben wird. Kurzerhand schmiedet unser Verschwörungstheoretiker und Darknet-Aktivist einen radikalen Plan: Zusammen mit seinem Cousin Don (Delbis) entführt Teddy die vermeintliche Außerirdische Michelle Fuller (Stone), um die Powerfrau zu zwingen, Verhandlungen mit ihrer vernichtungs-narrischen Andromeda-Sippschaft in die Wege zu leiten. Zwar gelingt das Kidnapping, mündet aber ins pure Chaos ein – egal ob die Entführte Teddys Idee, eine Andromedanerin zu sein brüsk von sich weist oder sie darauf eingeht. Denn die erwünschte Verbindung zum obersten Außerirdischen auf Erden, mit dem ihr Kidnapper über den Abzug aller Aliens aus unserem Sonnensystem verhandeln will, kann von der Gefolterten nicht hergestellt werden.
Während Regie-enfant terrible Yorgos Lanthimos seine Entführungsthriller-Groteske mit Slapstick-Elementen anreichert und brutal eskalieren lässt, ist´s ein Vergnügen, den Hauptdarstellern Emma Stone und Jesse Plemons bei Aktion und Reaktion zuzusehen – bis hin zum elegisch-ironischen Finale.
D: Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis, Alicia Silverstone, Stavros Halkias, Parvinder Shergill.
Das Verschwinden des Josef Mengele
Frankreich/ Deutschland/ Mexiko/ Uruguay/ Lettland ´25: R: Kirill Serebrennikov. Ab 23.10. Wertung: **** Bild: Lupa Film
Wer als verhärtete Nazi-Größe nach Kriegsende untertauchen musste, den zog es vor allem gen Südamerika. Wie vielen anderen Hitler-Verehrern gelang auch Josef Mengele (Diehl) im Jahr 1949 die Flucht übern großen Teich zunächst nach Argentinien, später dann nach Paraguay und Brasilien, wo dem berüchtigten Todesarzt von Auschwitz jahrzehntelang keinerlei Gefahr drohte. Geduldet von den Behörden und umgeben von Gleichgesinnten, die dem Exilanten stets ihre Loyalität bekundeten, konnte Mengele uneinsichtig selbst gegenüber dem ihn auf seine Experimente im KZ ansprechenden Sohn Rolf bleiben. Als letzterer anno 1977 aus dem fernen Deutschland angereist kam, beharrte der Alte störrisch auf seiner „Unschuld“ – und kam dem Besucher aus der früheren Heimat sowohl verbittert als auch seit der Verhaftung Adolf Eichmanns in Buenos Aires stark an Verfolgungswahn leidend vor. Filmemacher Kirill Serebrennikov adaptiert die Romanvorlage von Olivier Guez, gliedert sein Kammerspiel in Film-Noir-Politthrillerästhetik in mehrere Kapitel, die uns das hilfreiche Wirken der weltweit agierenden NS-Netzwerke näherbringt und einem ganz nebenbei die mangelnde Verfolgungsmotivation der hiesigen Behörden erklärt – eine Gemengelage, die den Kriegsverbrecher Mengele zeitlebens vor jedem Prozess bewahrte. Sehenswert schon allein wegen August Diehl, der in der Hauptrolle verlässlich über sich selbst hinauswächst – und beeindruckt.
D: August Diehl, David Ruland, Dana Herfurth, Johannes Hegemann, Sven Schelker, Max Bretschneider, Burghard Klaußner.
Springsteen: Deliver me from nowhere
USA ´25: R: Scott Cooper. Ab 23.10. Wertung: *** Bild: 20th Century Studios
Das Biopic über Rockmusiker Bruce Springsteen (White) und seinen Erfolgs-Manager Jon Landau (Strong) basiert auf einer Buchvorlage des Musikjournalisten Warren Zanes – und beleuchtet den Entstehungsprozess des sechsten Albums von The Boss. Es kam zu Beginn der 1980er-Jahre zustande, zu einer Zeit, in der der 32-jährige Rockstar nach einer gut zwölfmonatigen Tournee mit seiner E-Street-Band heimgekehrt war, um im heimisch-kleinstädtischen Umfeld in Depressionen zu versinken, während er an den durchweg akustisch eingespielten Songs des 1982 veröffentlichten Albums „Nebraska“ zu feilen begann.
Regisseur Scott Cooper, musikfilmerfahren allein schon durch „Crazy Heart“, konzentriert sich auf die durch Jeremy Allen White hinreißend glaubwürdig verkörperte Privatperson Bruce Springsteen – und verliert sich bisweilen in dessen Auseinandersetzung mit einer einst schwierigen Kindheit, dem Leiden am dominanten Übervater Douglas „Dutch“ Springsteen (Graham) und dem daraus resultierenden Blues der Rockmusik-Größe im Erwachsenenalter. Für Fans von The Boss trotz solcher Schwachpunkte ein Muss!
D: Jeremy Allen White, Jeremy Strong, Paul Walter Hauser, Stephen Graham, Odessa Young.
Franz K.
Tschechien/ Deutschland/ Polen ´25: R: Agnieszka Holland. Ab 23.10. Wertung: **** Bild: Marlene Film Production
Im Prag um 1900 ist Franz Kafka (Weiss) angeödet von seinem ewig gleichen Büroalltag in der Versicherung, ringt er mit dem autoritären Vater (Kurth) und zweifelt an seiner Befähigung zur ersehnten Schriftstellerei. All diese Ängste, inklusive der ewigen Unsicherheit oder seelischen Zerrissenheit bestimmen zusehends mehr das Verhältnis des Möchtegern-Literaten nicht nur zu seinem erfolgreich schreibenden Mentor und Freund Max Brod (Schwarz), sondern auch zur vertrauten Schwester Ottla (Stark) sowie zu Kafkas stetig wechselnden zerbrechlichen Liebesbeziehungen - und werden von Filmemacherin Agnieszka Holland zu einer berührend surrealen Filmbiografie über einen ewig Zweifelnden verdichtet, der der Normalität entkommen will und dabei Weltliteratur ersinnt. Die Regie punktet, indem sie einerseits Max Brod oder Kafkas Schwester direkt zum Kinopublikum sprechen lässt, um uns vertiefende Einblicke in die Psyche der Hauptfigur zu gewähren und andererseits mit Traumsequenzen sowie Zeitsprüngen in die Nazizeit und ins Prag der Gegenwart gekonnt ergänzt. Als größte Entdeckung des Films erweist sich Idan Weiss in seiner ersten Kinorolle – ein wunderbar glaubwürdiger Franz Kafka.
D: Idan Weiss, Peter Kurth, Jenovéfa Boková, Katharina Stark, Sebastian Schwarz, Ivan Trojan, Maria Schrader.
Memory Hotel
Deutschland ´25: R: Heinrich Sabl. Ab 30.10. Wertung: *** Bild: Neue Visionen Filmverleih
Im Mai 1945 zeichnet sich das Ende des deutschen Reichs längst überdeutlich ab, weshalb die kleine Sophie mit ihren Eltern wie so viele Ostler Reißaus vor der vorrückenden Sowjetarmee nehmen. In einem Hotel begegnen die Flüchtlinge dem Nazi Scharf und dem Hitlerjunge Beckmann – und ein sich hochschaukelnder Konflikt mit Scharf endet damit, dass die Eltern des Mädchens umkommen, während Beckmann Zeuge ihrer Ermordung wird. Zwar überlebt die kleine Sophie diese tragischen Geschehnisse, verliert aber ihr Gedächtnis und kann sich fortan an nichts mehr erinnern. Zu DDR-Zeiten arbeitet sie ausgerechnet in diesem von der Roten Armee für ihre Sowjetsoldaten requirierten Hotel als Köchin. Wann immer ihr Scharf oder der Rotarmist Wassili übern Weg laufen, ahnt Sophie nicht, dass sie somit den Mördern ihrer Eltern begegnet. Erst als ihr im Fahrstuhl der bis dahin im Luftschutzbunker des Hotels insgeheim lebende Ex-Hitlerjunge Beckmann begegnet, beginnt sich die Waise wieder zu erinnern…
Seit 1999 brütete der Animationsfilmer Heinrich Sabl über dieser Geschichtsparabel. Auch wenn sich Macher Sabl bei seiner „Memory Hotel“-Fleißarbeit im Endeffekt bisweilen in Nebenhandlungen und Seitensträngen zur DDR-Geschichte verliert, punktet das Stop-motion-Kammerspiel des Berliners unterm Strich dennoch als zwar sperriges, gleichwohl sehenswertes Arthouse-Kunstwerk für Erwachsene.
Animationfilm.

















