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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW3924.09.2025













Texte: Horst E. Wegener


The Smashing Machine
USA/Japan/Kanada ´25: R: Benny Safdie. Ab 2.10. Wertung: ***** Bild: Zinc
Während man in den USA bis weit in die 1990er Jahre hinein Mixed Martial Arts-Kämpfe als trashig-blutige Randsport-Spektakel einstufte, galten die muskelbepackten Athleten dem Publikum in Brasilien oder Japan schon als umjubelte Stars, die top bezahlt wurden. Für jemanden wie den US-amerikanischen Wrestler Mark Kerr (Johnson) konnte der Weg zum Ruhm in dieser Zeit nur übers Ausland eingefädelt werden: Sein MMA-Debüt bestreitet der Sportler in Brasilien – und diesem ersten Sieg folgen weitere auf dem Fuß, die der Profi für die unterschiedlichsten internationalen Verbände rund um den Globus erringt. „Ein Sieg ist das absolut Größte auf der Welt“, tönt Kerr schon damals gern – und will sich partout nicht ausmalen, wie sich eine Niederlage anfühlen mag. Um stets der Stärkste zu bleiben, verlangt der Kontroll-Freak seinem Körper permanent Höchstleistung ab, was ihn immer öfter zu immer härteren Schmerzmitteln greifen lässt. Bei den sogenannten Prides, an denen er gegen Ende der 1990er Jahre in Japan teilnimmt, hat Kerr dann ein echtes Opioid-Problem – und da der Champ seine üblichen Hammerschmerzmittel in Fernost nicht einfach so in der nächstbesten Supermarktapotheke kaufen kann, steuert er auf die erste Niederlage zu. Ein Zustand mit dem der siegesgewohnte Perfektionist überhaupt nicht klar kommt. Also versinkt Kerr immer tiefer in Depressionen, beginnt sich mit seiner Freundin Dawn (Blunt) zu fetzen – ein echter Teufelskreis! Nachdem er eine Schmerztablettenüberdosis mit extrem viel Glück überlebt, nimmt Kerr den Vorschlag seines besten Freundes, Kollegen und bald auch Rivalen im Ring, Mark Coleman (Bader), zwar endlich an, der ihn zum Entzug drängt. Die Kehrseite der Medaille bedeutet für den Champ auf Entzug gleichwohl, in immer heftigere Auseinandersetzungen mit der geliebten Freundin wegzudriften, die ihrerseits an einem Problem mit Alkohol zu knabbern hat… Nach Beendigung ihrer langjährigen Regie-Zusammenarbeit konzentriert sich Filmemacher Benny Safdie bei seinem ersten Solo-Projekt ohne den Bruder Josh auf den legendären US-Wegbereiter des MMA-Profisports, Champ Mark Kerr alias The Smashing Machine, - und lehnt sich mit seinem Portrait teils verblüffend eng an John Hyams Doku von 2002 an. Auch Safdies Film ist nur am Rande an den sportlichen Höhenflügen der Mensch-Maschine Kerr interessiert, leuchtet stattdessen ausgiebigst die Zerrissenheit des zwischen Erfolgsrausch, Tablettenabhängigkeit und Beziehungsstress irrlichternden möchtegern-sanftmütigen Kampfkoloss aus. Eine Paraderolle für Dwayne „The Rock“ Johnson, dessen Leistung hier eher an Mickey Rourkes alternden Profisportler in Darren Aranofskys „The Wrestler“ erinnert als an die typischen Muskelprotz-Parts, mit denen uns der Ex-Profisportler und Kino-Action-Star ansonsten in Hollywoods Mainstreamkrachern unterhält.
D: Dwayne Johnson, Emily Blunt, Ryan Bader, Lyndsay Gavin, Oleksandr Ussyk, Bas Rutten.


One Battle after another
USA ´25: R: Paul Thomas Anderson. Ab 25.9. Vorankündigung Bild: Warner Bros.
Seit jenem Tag, an dem Aktivisten ein Gefängnis der US-Einwanderungsbehörde ICE stürmten, um rund 200 Gleichgesinnten erfolgreich zu befreien, sind zwar gut 16 Jahre ins Land gegangen, doch Revoluzzer und Sprengstoffexperte Bob Ferguson (DiCaprio) geht auch nach so langer Zeit lieber auf Nummer Sicher. Als notorischer Paranoiker glaubt er sich nach wie vor vom damaligen Colonel Steven Lockjaw (Penn) gejagt. Die Ahnung, vom Erzrivalen irgendwann aufgespürt zu werden, scheint berechtigt – und kaum taucht der mittlerweile mit weißen Milizionären sympathisierende Lockjaw in Fergusons Nähe auf, sieht dieser sich zum Handeln gezwungen. Nur dass er nicht wie üblich so ohne weiteres untertauchen kann, nachdem seine sechzehnjährige Tochter Willa (Infiniti) mit einem Mal wie vom Erdboden verschwunden ist. Gar keine Frage, dass Lockjaw dahintersteckt! Notgedrungen muss Ferguson einstige Kameraden kontaktieren – um Willa aufzuspüren und sie mitsamt ihrer Mutter Perfida (Taylor) künftig wieder in Sicherheit zu wissen.
Thematisch wie stilistisch liebt Regie-Exzentriker Paul Thomas Anderson das Risiko – eine Aufgabe, die er mit Meisterwerken wie „Boogie Nights“, „Magnolia“ und „There will be Blood“ furios löste. Bei „One Battle after another“, einer losen und modernisierten Adaption des Romans „Vineland“ von Bestsellerautor Thomas Pynchon nimmt sich Anderson einen politisch motivierten uramerikanischen Stoff vor, und muss dank eines 130-Millionen-Dollar-Budgets obendrein wohl weder auf Star-Power noch auf spektakuläre Action-Einlagen verzichten. Nachdem er der Weltpremiere beigewohnt hatte, äußerte sich Altmeister Steven Spielberg begeistert: „Ich habe noch nie einen Film gesehen, der so sehr an Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“. Klingt nach einer absurden Komödie, die sich sehr ernst nimmt und verdeutlicht, was heutzutage in den USA passiert.
D: Leonardo DiCaprio, Sean Penn, Benicio del Toro, Regina Hall, Teyana Taylor, Chase Infiniti.


Die Schule der magischen Tiere 4
Deutschland ´25: R: Bernhard Jasper/ Maggie Peren. Ab 25.9. Wertung: ****- Bild: Leonine
Ida (Maier) hat für einige Monate Besuch von Miriam (Themann), und natürlich soll die Freundin während dieser Zeit auch neben Ida die Schulbank drücken – ohne dass jemand den Gast im Vorfeld über die magischen Alltagsgeheimnisse der Wintersteinschule aufklären mochte. Doch das erledigt sich schnell, nachdem pünktlich zum Unterrichtsbeginn Mr. Morrison (Peschel), der Besitzer der magischen Zoohandlung und Bruder von Idas Klassenlehrerin Miss Cornfield (Große) in der Schule vorbeischaut, um die Klasse mit zwei neuen magischen Tieren zu überraschen: Alsbald steht Max (Matthes) die Eule Muriel zur Seite und zu ihrer Verblüffung erhält Gast Miriam den Koboldmaki Fitzgeraldo. Gut sowohl für den über beide Ohren in Schulkameradin Leonie (Grätz) verknallten Max, der sich von seiner magischen Eule Tipps erhoffen darf, wie man sich der Angebeteten gegenüber am besten offenbart; als auch für Miriam, deren tierischer Begleiter schnell zum unverzichtbaren Ratgeber für die ewige Außenseiterin wird. Als Ida dann zufällig erfährt, dass der Wintersteinschule die Schließung droht, bliebe einzig die erfolgreiche Teilnahme an der bevorstehenden Schul-Challenge, um dies abzuwenden. Dass Miriams alte Schule ebenfalls antritt, verkompliziert die Lage erst recht… Die filmische Adaption der gleichnamigen Kinderbuchreihe bleibt der bewährten Erfolgsformel treu, das bekannte Ensemble mit toll animierten, sprechbegabten Tieren, aufwändiger Tricktechnik und mehreren Handlungssträngen durchs kurzweilige vierte Abenteuer zu schicken.
D: Emilia Maier, Loris Sichrovsky, Tomomi Themann, Thilo Fridolin Matthes, Parnima Grätz, Milan Peschel, Christina Große.


Das tiefste Blau
Brasilien/Mexiko/Chile/Niederlande ´25: R: Gabriel Mascaro. Ab 25.9. Wertung: **** Bild: Guillermo Garza
Alt werden ist nichts für Feiglinge in dieser erschreckenden brasilianischen Zukunftsvision: Wer da die 75 überschritten hat, den würdigt der totalitär aufgestellte Staat zwar als „lebendiges Nationalheiligtum“, koppelt diese Ehrung aber zugleich an eine Art Zwangsentmündigung inklusive der verpflichtenden Busreise hin zu den sogenannten Senioren-Kolonien, wo die Alten ihrem Ende entgegendämmern sollen. Jedenfalls weiß niemand, wie es dort zugeht, weshalb man die Aktion durchaus als Abschiebung verstehen könnte. Keinesfalls eine Option für die 77-jährige Teresa (Weinberg), die sich der bevorstehenden Verfrachtung entschlossen widersetzt. Filmemacher Gabriel Mascaro gönnt seiner Hauptdarstellerin ein selbstbestimmtes Roadmovie durchs Amazonasgebiet, bei dem sich die Seniorin schlitzohrig immer wieder der Verfolgung und Bevormundung durch den Staat entzieht. Solch gesellschaftskritische Aspekte sind gleichwohl eher ausschmückendes Beiwerk, die sich Teresas erwachender Lebenslust unterordnen. Als Passagier an Bord des Schiffskapitäns Cadu (Santoro) überwiegen für sie alsbald das sich Einlassen auf jene pittoresk weltabgewandten Schauplätze rechts und links des Flusses sowie die ungewöhnlichen Bekanntschaften, die dem Leben der Seniorin eine völlig andere Richtung geben. Je länger wir uns in Mascaros liebevolle Charakterisierung dieser Alten vertiefen, desto mehr wächst uns Teresa ans Herz - so dass man ihr gern übers filmische Ende hinaus weiter zusehen würde.
D: Denise Weinberg, Rodrigo Santoro, Miriam Socorrás, Adanili, Rosa Malagueta.


Die Möllner Briefe
Deutschland ´25: R: Martina Priessner. Ab 25.9. Wertung: ***** Bild: Inselfilm Production GmbH
1992 planten und verübten Rechtsradikale einen Brandanschlag im schleswig-holsteinischen Kleinstädtchen Mölln, bei dem es die Täter auf ein Sträßchen abgesehen hatten, in dem türkische Mitbürger Tür an Tür wohnten. Unter den Opfern: die Familie Arslan – deren seinerzeit Siebenjähriger Ibrahim den Anschlag zumindest schwerverletzt überlebte, weil die Großmutter geistesgegenwärtig ein nasses Bettlaken über den Enkel geworfen hatte, während Ibrahims Schwester, seine Cousine und die Großmutter in den Flammen umkamen. Nachvollziehbarerweise war das Leben der Überlebenden in der Familie Arslan seither von dem Anschlag, den daraus resultierenden Verletzungen und Traumata sowie dem Entsetzen über das Verhalten der Behörden nebst deren mangelnden Beileidsbekundungen geprägt. Bezeichnend, dass den Arslans hunderte Briefe, die aus der gesamten Republik von entsetzten Mitbürgern geschrieben worden waren, um Anteilnahme zu bekunden, nicht zugestellt wurden. Stattdessen verschwanden sie im Stadtarchiv, wo Ibrahim Arslan sie erst mit 27-jähriger Verspätung sichten konnte. Dass man die Adressanten über ihr Vorhandensein nicht informiert hatte, begründete der Archivar lapidar mit dem Chaos, das nach dem Anschlag damals im Städtchen herrschte.
Die Filmemacherin Martina Priessner begleitet Ibrahim Arslan auf seiner Reise zu einigen der damaligen Briefeschreiberinnen – und dokumentiert deren persönliche Anteilnahme an der Untat von ´92, die dem Überlebenden so lange verwehrt worden war. Darüber hinaus hält die Doku der deutschen Gesellschaft den Spiegel vor, indem „Die Möllner Briefe“ auf unser aller Verhältnis zu Migranten abzielt, was einen zum Nachdenken bringt.
Doku


The Negotiator
USA/GB ´24: R: David Mackenzie. Ab 25.9. Wertung: *** Bild: Leonine
Ash (Ahmed) ist jemand, der seine Brötchen damit verdient, den Vermittler zwischen potenziellen Whistleblowern und Konzernen, denen sie gefährlich werden könnten, zu spielen. Als sogenannter Fixer obliegt es ihm, Treffen und Absprachen zwischen den beteiligten Vertragspartnern einzufädeln und zu überwachen, in deren Verlauf es dann jeweils ums Aushandeln von großzügigen Schweigegeldern geht. Dass dabei seine eigene Identität stets geheim bleibt, ist Ash extrem wichtig – und erfordert eine sorgfältige Planung. So kontaktiert oder trifft er seine Klienten grundsätzlich nie persönlich. Die bislang einzige Ausnahme heißt Sarah (James) – und hängt damit zusammen, dass die Angestellte eines Biotech-Unternehmens einem Skandal ihres Arbeitgebers auf die Spur gekommen ist, und Ash jetzt um Schutz bittet, um überhaupt am Leben zu bleiben. Entschlossen schmeißt der Fixer sein Regelwerk übern Haufen, trifft sich mit seiner Klientin, schlägt sich auf ihre Seite – und kommt Sarah peu à peu näher.
Der Regie gelingt über weite Strecken hinweg ein fesselnder Thriller, trotz der mitunter wenig packend inszenierten Actionsequenzen – wobei „The Negotiator“ sich unter anderem Francis Ford Coppolas Meisterwerk „The Conversation“ zum Vorbild nimmt, ohne je damit ernsthaft konkurrieren zu können.
D: Riz Ahmed, Lily James, Willa Fitzgerald, Sam Worthington, Matthew Maher.

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