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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW3710.09.2025













Texte: Horst E. Wegener

Honey Don´t!
USA/GB ´25: R: Ethan Coen. Ab 11.9. Wertung: **** Bild: Focus Features
Gerade erst hat Mia Novotny den Kontakt zu Honey O´Donahues Privatdetektei im kalifornischen Provinznest Bakersfield gesucht – und schon ist sie mause. Kurzerhand beschließt die hellhörig werdende Detektei-Inhaberin Honey (Qualley) den Unfallort aufzusuchen, um sich von Cop Marty Metakavich (Day) vor Ort über den Tathergang informieren zu lassen. Allein schon der vorgebliche Autocrash Mias mitten im Nirgendwo kommt ihr ziemlich verdächtig vor. Vor Ort sticht der smarten Privatermittlerin an einem Finger der Verunfallten ein sonderbarer Ring ins Auge, der sie ins Umfeld einer dubiosen Sekte verweist. Weitere Vermissten- oder Todesfälle bleiben nicht aus - und stets scheint der undurchsichtige Sektenführer Reverend Drew Deulin (Evans) darin verwickelt zu sein, der vom weiblichen Teil seiner Four-Way-Temple-Gemeinde sexuelle Unterwerfung verlangt, zudem eine Killerin aus Frankreich beschäftigt und am Drogenhandel in der Gegend beteiligt ist. Trotzdem geht es Spürnase Honey zusehends weniger um die Aufklärung etwa von Mias mutmaßlicher Ermordung, solange sie stattdessen der in der Asservatenkammer der Polizei Dienst schiebenden und ebenfalls auf Frauen stehenden MG Falcone (Plaza) an die Unterwäsche gehen kann. Fürs Neo-Noir-B-Picture „Honey Don´t“ verzichtete Independent-Filmer Ethan Coen erneut auf die langjährige Regiezusammenarbeit mit seinem Bruder Joel, um gemeinsam mit Ehefrau Tricia Cooke nach „Drive-Away Dolls“ den zweiten Teil ihrer sogenannten Lesben-Trilogie auszuhecken. Da die Sex-Szenen mal wieder typisch amerikanisch entschärft ausgeleuchtet werden, zünden vor allem die scharfzüngigen One-Liner – und dass sämtliche Beteiligten um die gekonnt auf einen weiblichen Humphrey Bogart markierende Femme fatale-taffe Margaret „Honey“ Qualley trotz der arg verworrenen Story ihren Spaß beim Drehen hatten, hält das Publikum zumindest bis ins Finale bei Laune.  
D: Margaret Qualley, Chris Evans, Aubrey Plaza, Charlie Day, Kristen Connolly, Talin Ryder, Kara Petersen.


The Long Walk – Todesmarsch
USA ´25: R: Francis Lawrence. Ab 11.9. Wertung: **** Bild: Leonine
In nicht allzu ferner Zukunft leben die meisten Menschen in den Vereinigten Staaten in Armut, hat ein faschistisches Regime die Macht an sich gerissen. Einmal im Jahr wird ein sogenannter Long Walk veranstaltet, bei dem man per Losverfahren je einen jungen Mann aus den insgesamt 50 Bundesstaaten bestimmt, gemeinsam mit den anderen Auserwählten quer durchs Land zu marschieren. Wer dabei eine vorgegebene Schrittgeschwindigkeit mehrfach unterschreitet, wird von der zur Überwachung abkommandierten Truppe des den Marsch begleitenden Majors (Hamill) eiskalt erschossen. Zur Motivation winkt dem letzten verbliebenen Jugendlichen dann künftig ein Leben im Luxus sowie die Erfüllung eines x-beliebigen Wunsches. Zu den Teilnehmern des aktuell anberaumten Long Walks zählt Optimist Ray (Hoffman), der sich recht schnell mit dem sportlich veranlagten McVries (Jonsson) und weiteren Marschierenden anfreundet. Wer vor der Leinwand sitzt, sieht den jungen Männern zu, wie sie entvölkerte Landstriche und heruntergekommene Städte durchwandern, irgendwann krank, verletzt oder erschöpft nicht mehr weiter können…  Die Vorlage zum Film stammt vom Bestsellerautor Stephen King, dem die Idee dazu zwar schon 1967 als Reaktion auf den Vietnamkrieg in den Sinn kam, von ihm allerdings erst ´79 unterm Pseudonym Richard Bachman zu einem Roman verarbeitet wurde. Dem für seine Tribute-von-Panem-Filme bekannten Regisseur Francis Lawrence gelang jetzt eine freihändige Adaption des Endzeitschockers, für die man nicht nur die Zahl der marschierenden Todeskandidaten radikal reduzierte, sondern vor allem das Finale umschrieb. Herausgekommen ist eine der besten King-Verfilmungen überhaupt, albtraumatisch brutal, überlang, aber getragen von einem beeindruckenden Ensemble.
D: Cooper Hoffman, David Jonsson, Mark Hamill, Garrett Wareing, Joshua Odjick, Charlie Plummer.


Dangerous Animals
Australien/USA/Kanada ´25: R: Sean Byrne. Ab 11.9. Wertung: **** Bild: Animal holdings Pty Ltd.
Wer sich vor der australischen Küste den gewissen Kick geben will, bucht eine von Bruce Tuckers Bootstouren – inklusive Abtauchen im Stahlkäfig, um die sich unter Wasser tummelnden Haien gefahrlos aus nächster Nähe beäugen zu können. Wobei ahnungslose männliche Touris vom irren Skipper (Courtney) auf dem Meer dann unversehens ein Messer in die Brust gerammt bekommen, um blutend über Bord gestoßen zu werden, während es ihren Begleiterinnen vorbehalten bleibt, überwältigt, betäubt und in Ketten gelegt noch ein Weilchen darauf warten zu müssen, bis Tucker soweit ist, die Frauen per Seilwinde vom Bootsdeck hochzuziehen – und mit der Kamera draufzuhalten, wie die Opfer von den angelockten Haien zerfleischt werden. In der Surferin Zephyr (Harrison) erwächst dem irren Serienkiller jedoch ein Gegenüber, das sich bald auch ganz ohne den Beistand ihres Bekannten Moses (Heuston) effektiv zur Wehr setzt. Auf hoher See wird gnadenloser Kampf Tucker gegen Zephyr abgespult, den Genreprofi Byrne atemberaubend thrillend inszeniert – als wollte er Spielbergs Horrorfilmklassiker „Der weiße Hai“ mit Demmes Hochspannungsschocker „Das Schweigen der Lämmer“ kombinieren.
D: Hassie Harrison, Jai Courtney, Josh Heuston, Ella Newton, Liam Gruinke.


Downton Abbey: Das große Finale
GB/ USA ´25: R: Simon Curtis. Ab 18.9. Vorankündigung Bild: Focus Features
Sechs Staffeln, 52 Episoden und zwei Kinofilme verhalfen „Downton Abbey“ zu einer immer größer werdenden bildungsbürgerlich interessierten Fangemeinde in aller Welt. Jetzt kündigt sich mit dem dritten Kinofilm das dramatische Ende der Franchise um die aristokratische Familie Crawley an. Nach dem Tod der jahrzehntelang auf stimmige Außen- und Innenwirkungen des hochherrschaftlichen Anwesens und seiner Bewohner achtenden Matriarchin Violet (Smith) ist es nun an Mary Talbot (Dockery), die Zukunft des Landsitzes zu planen. Doch die 1930er Jahre lassen ein neues Jahrzehnt anbrechen, das für Mary mit einem öffentlichen Skandal beginnt. Als die Familie noch dazu in finanzielle Schwierigkeiten gerät, sieht sich der gesamte Haushalt mit dem drohenden sozialen Abstieg konfrontiert. Die Crawleys und ihre Dienerschaft müssen sich auf schmerzvolle Veränderungen einstellen und ein neues Kapitel aufschlagen, damit die nächste Generation Downton Abbey in die Zukunft führen kann.
D: Michelle Dockery, Hugh Bonneville, Elizabeth McGovern, Laura Carmichael, Jim Carter, Raquel Cassidy.


Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes
Deutschland ´25: R: Edgar Reitz. Ab 18.9. Wertung: **** Bild_ if. Productions
Zu Anfang des 18. Jahrhunderts wünscht sich die preußische Königin Sophie Charlotte (Bill) fürs Schloss Charlottenburg ein Portrait des von ihr hoch geschätzten Universalgenies Gottfried Wilhelm Leibniz. Ihre Mutter, Kurfürstin Sophie von Hannover (Sukowa), fragt daraufhin den bei Hof sehr geschätzten Maler Delalandre (Eidinger) an, woraufhin der Routinier mit den Vorarbeiten beginnt. Einzig das Gesicht wäre beim fast fertigen Portrait noch zu ergänzen, als der eitle Künstler soweit ist, sich endlich mit dem zu Portraitierenden im Hannover´schen Schloss Herrenhausen zu treffen. Da Leibniz(Selge) diese Arbeitsmethode total gegen den Strich geht, gibt Delalandre wutentbrannt auf – und Aaltje van de Meer (Schwarz) bekommt ihre Chance. Zu jener Zeit wurden fast ausschließlich Männer mit Portraitanfertigungen beauftragt, weshalb die Niederländerin zunächst notgedrungen auf Mann markiert, um zu Leibniz vorgeladen zu werden. Ihr Arbeitsansatz, sich beim Malen konsequent auf das Unbekannte einzulassen, bringt van de Meer die Sympathien des Philosophen ein, so dass sie ihm bald ihre weibliche Identität offenbaren kann. Während der anberaumten Sitzungen entspinnen sich zwischen Leibniz und van de Meer feingeistige Gespräche über die Kunst des Portraits, das heraufdämmernde Zeitalter der Aufklärung, die Erfindungen des Intellektuellen – ohne die üblichen erzählerischen Nebenschauplätze des Historienfilms gelingt Altautorenfilmer Edgar Reitz ein mit Geistesgeschichte getränktes Zeitbild, das die Welt der Aufklärung als Möglichkeitsraum imaginiert und zum Nachdenken anregt.  
D: Edgar Selge, Aenne Schwarz, Lars Eidinger, Michael Kranz, Antonia Bill, Barbara Sukowa.


Miroirs No. 3
Deutschland ´25: R: Christian Petzold. Ab 18.9. Wertung: **** Bild: Schramm Film
Im Grunde ist Musik-Studentin Laura (Beer) weder mit sich, noch mit ihrer Umgebung im Reinen. Und so fällt es ihrem Freund ziemlich schwer, der suizidal veranlagten Jung-Pianistin eine schon länger geplante Wochenendtour von Berlin ins Umland schmackhaft zu machen. Im Verlauf ihres Brandenburg-Trips taucht dann irgendwo im Nirgendwo eine Frau vor dem Cabrio der Ausflügler auf. Ihr unverhofftes Auftauchen zwingt Lauras Freund zu einem Ausweichmanöver, das er nicht überlebt. Zumindest kann die Unfallverursacherin seine unverletzte Beifahrerin aus dem geschrotteten Auto bergen. Sie stellt sich als Betty (Auer) vor und lädt Laura zum Übernachten bei sich ein. Anderntags schauen dann ihr Mann Richard (Brandt) und ihr Sohn Max (Trebs) vorbei, die in der Nähe eine Autowerkstatt betreiben. Es zeigt sich, dass das Verhältnis innerhalb dieser Familie sichtlich angespannt und seit längerem schon belastet durch eine kaum bewältigte Tragödie um den Tod von Max Schwester ist, der Laura offenbar wie eine Doppelgängerin gleicht. Dass sie dann deren Platz einnimmt, lässt ihre Ersatzfamilie peu à peu wieder zusammenwachsen und holt vor allem die trauernde Betty ins Leben zurück – bis Laura von Max darauf hingewiesen wird, nurmehr den Ersatz für seine verstorbene Schwester darzustellen. Da es ihr fern liegt, weiterhin die Identität der Verstorbenen auszufüllen, beginnt Laura zu rebellieren. Wie zuvor schon Betty gelingt es nun auch ihr endgültig, zurück ins Leben und zu sich selbst zu finden.Unverwechselbar ein Film des Berliner Regisseurs Christian Petzold, der uns hier mit vertrautem Ensemble im bekannten Arbeitsstil sein liebgewonnenes Doppelgängermotiv als Genremix aus Grimms Märchen sowie dem Verweis auf Kinoklassiker wie Altmeister Hitchcocks „Vertigo“ oder auf David Lynchs „Blue Velvet“ zusammenbaut, um den Abschluss seiner Naturgeister-Trilogie zu bewerkstelligen. Für Petzold-Fans ein Muss!
D: Paula Beer, Barbara Auer, Matthias Brandt, Enno Trebs.

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