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Filme im Kino
MoX Kino-Tipps KW3023.07.2025
Texte: Horst E. Wegener
The Life of Chuck
USA `24: R: Mike Flanagan. Ab 24.7. Wertung: ***** BIld: Neon
Erdbeben, Vulkanausbrüche, Unwetter, Überschwemmungen – bevor die Welt endgültig ins Chaos wegdriftet und es nirgendwo mehr Internetempfang gibt, bringt eine einzigartige Werbekampagne die Bürger in God´s own Country zum Staunen und Nachdenken: Da wird einem freundlich dreinblickenden Mitbürger namens Charles „Chuck“ Krantz (Hiddleston) für 39 wundervolle Jahre gedankt. Auf der Suche nach Antworten, wer einen da per TV-Werbespot, Schaufenster-Konterfei oder von Plakatwänden anlächelt, rollt ein allwissender Erzähler die Lebensgeschichte des rätselhaften Unbekannten von dessen Tod her rückwärts auf, mit Chucks Jugend endend. Da die Eltern des Dreikäsehochs bei einem Autounfall ums Leben kamen, wuchs der Junge (altersbedingt mal von Flanagan, Pajok oder Trembley gespielt) von klein auf bei seinen Großeltern auf. Während Großmama ihren Enkel fürs Tanzen begeisterte, weihte der Großvater (Hamill) ihn in die Welt der Zahlen ein – und war obendrein nach Kräften bemüht, Chuck vor den Geheimnissen einer stets verschlossenen Dachkammer im Haus fernzuhalten.
Die ausgewiesenen Horror-Experten Steven King, dessen Kurzgeschichte hier adaptiert wird, und der King-erfahrene Regieprofi Mike Flanagan teilen ihren überraschend warmherzigen Beziehungsreigen um Tom Hiddelstons zentrale Figur Chuck in drei Kapitel auf und sparen Endzeitgruselelemente aus. Wie bei einem Puzzle weiß man erst zum Schluss, was es mit diesem vertrackten Crowdpleaser auf sich hat; wobei jene großartige Tanzeinlage Hiddlestons „The Life of Chuck“ allein schon empfehlenswert macht.
D: Tom Hiddleston, Chiwetel Ejiofor, Karen Gillan, Mark Hamill, Jacob Trembley, Benjamin Pajok, Cody Flanagan.
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The Fantastic Four: First Steps
USA ´25: R: Matt Shakman. Ab 24.7. Vorankündigung Bild: 20th Century Studios/ Marvel
Marvels bewährter Superhelden-Sommerkino-Actioner mal wieder auf Neustart positioniert: Nach etlichen Fehlzündungen in den letzten Jahrzehnten mit den Fantastic Four soll es diesmal rund laufen, sich im weltweiten Umsatz auszahlen - und möglichst filmischer Nachschlag garantiert sein. Es treten an: Pedro Pascal als Verkörperung von Reed Richards alias Mister Fantastic, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern Sue und Johnny Storm alias Die Unsichtbare sowie Die menschliche Fackel in der Verkörperung von Vanessa Kirby und Joseph Quinn sowie Ben Grimms Das Ding, charakterisiert durch Ebon Moss-Bachrach, sämtliche Superhelden-Kräfte bündeln muss, um die Erde vor einer drohenden Gefahr bewahren zu können. Letztere kündigt sich an mit dem Auftauchen der kosmischen Gottheit Galactus (Ineson) in Begleitung des mysteriösen Silver Surfers (Garner). Wie es sich zeigt, plant Galactus, den gesamten Planeten mitsamt jedem Lebewesen, das darauf existiert, zu verschlingen – entschiedene Gegenwehr tut Not.
Erste Trailer-Clips verheißen Popcorn-Kino-Entertainment in bekannter Marvel-Produktionsqualität auf Hollywood-Niveau.
D: Pedro Pascal, Vanessa Kirby, Ebon Moss-Bachrach, Joseph Quinn, Julia Garner, Ralph Ineson.
Memoiren einer Schnecke
Australien ´24: R: Adam Elliott. Ab 24.7. Wertung: **** Bild: Arenamedia
Obwohl die Mutter schon bei der Entbindung ihrer Zwillinge verstarb, weshalb Gilpert und Grace vom Vater Percy allein großgezogen werden, fühlen sich die Geschwister in ihrer Kleinfamilie durchaus behütet. Dass sie in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen, ist auf einen Autounfall zurückzuführen, der den Familienvorstand an den Rollstuhl fesselt und ihn zwingt, seinen früheren Beruf als Straßenartist an den Nagel zu hängen. Doch dann schlägt das Schicksal beinhart zu, indem Vater Percy stirbt, woraufhin das Jugendamt die Kinder in verschiedenen Adoptivelternhäusern unterbringt. Während Gilpert gezwungen ist, sich mit einer fanatisch-religiösen Großfamilie herumzuschlagen, vereinsamt seine Schwester andernorts in der Obhut eines kinderlosen Swinger-Pärchens. Den Kontakt zueinander halten die Geschwister zwar anfangs noch übers Briefe schreiben aufrecht, doch mit der Zeit entfremden sich die beiden Vollwaisen zusehends mehr voneinander. Regisseur Adam Elliott manövriert seine Knetfiguren durch bizarre Situationen und spart keine noch so drastische Situation aus. Dabei werden die Gedanken und Gefühle der beiden Vollwaisen stets ernst genommen, fühlen auch wir mit ihnen. Und in dem Maße, in dem die Regie ihre Stop-Motion-Mär detailverliebt in Szene setzt, tauchen wir mit ein in Gilperts und Graces Träume und Ängste, folgen ihrer jeweiligen sozialen Isolation oder den Abwehrmechanismen bis hin zu sich daraus ergebenden kreativen Freiräumen – ein Muss fürs erwachsene Kinopublikum.
Animationsfilm.
Die nackte Kanone
USA ´25: R: Akiva Schaffer. Ab 31.7. Vorankündigung Bild: Paramount Pictures
Böse Zungen lästern gern, dass der Traumfabrik die Ideen für neue Filmstoffe schon allein deshalb nie ausgehen, weil immer mal wieder die Archive durchforstet werden. In diesem Zusammenhang dürfte einem dieser Tage die Kinoklamauk-Serie um den schusseligen Los Angeles Detective Lt. Frank Drebin, verkörpert vom 2010 verstorbenen Blödelstar Leslie Nielsen, in den Sinn kommen. Obwohl gut 30 Jahre seit der damaligen Erfolgs-Trilogie ins Land gegangen sind und es den Fernsehguckern möglicherweise sogar noch präsent sein mag, dass die damaligen Kassenschlager auf der noch älteren TV-Serie „Die nackte Pistole“ basiert, steht den Kinos hierzulande jetzt erneut filmischer Nachschlag ins Haus. Dabei bietet sich die US-Westküstenmetropole Los Angeles als geeignete Kulisse an für Liam Neeson, der den Junior des verblichenen Lt. Frank Drebin mimt – und ganz in der Tradition seines vertrottelten Vaters von einem absurden Einsatz zum nächsten hechtet. Dass dabei jede Menge Chaos anfällt, ist zu erwarten und lässt auf Slapstick total hoffen.
D: Liam Neeson, Pamela Anderson, Paul Walter Hauser, Kevin Durand, Danny Huston.
Wilma will mehr
Deutschland ´25: R: Maren-Kea Freese. Ab 31.7. Wertung: **** Bild: Neue Visionen Filmverleih
In der Nachwendezeit wurde das in der Lausitz gelegene Kohlekraftwerk Sonne abgewickelt, blieb der gelernten Elektrikerin Wilma (Haberlandt) zwar zunächst noch die Möglichkeit, Führungen übers Gelände ihres früheren Arbeitgebers zu veranstalten, aber finanziell einträglich war dies kaum. Dann ergaben sich weitere prekäre Kurzzeit-Jobs, für die sich die durchsetzungsstarke Ostlerin stets überqualifiziert fühlte – und als Wilma klar wurde, dass ihr Ehemann (Gerber) auch noch mit einer ihrer Freundinnen ein Techtelmechtel angefangen hatte, zog die Hintergangene die Reißleine. Floh per Bus nach Wien, wo einer der ehemaligen Arbeitskollegen aus dem stillgelegten DDR-Kraftwerk mittlerweile einen Baumarkt leitete. Zwar blieben die Schikksalsschläge selbst in der neuen Wahlheimat eine Zeitlang kaum aus, doch Ossi Wilma beißt sich durch. Ist sich auch weiterhin für keinen Drecksjob zu schade, lernt irgendwann den Maler Max (Steinhorst) kennen, einen verkappten Poeten. In dessen WG bezieht Wilma eine Abstellkammer, richtet sie wohnlich ein – und mit ihrem Durchsetzungsvermögen, ihrem Talent, die Ösis für sich einzunehmen, angelt sich Ossi Wilma bald nicht nur einen „Schatzi“ (Postlmayr), sondern kann sich im Kreis neuer Freunde endlich entfalten.
Ohne ständig auf Ostalgie zu pochen, lässt Filmemacherin Maren-Kea Freese ihre glänzend schauspielernde Hauptdarstellerin Fritzi Haberland nachvollziehbar und gewitzt ein ums andere Mal über sich hinauswachsen. Der thematisierte Culture Clash um die ostdeutschen und österreichischen Unterschiede, die es für Wilma zu überbrücken gilt, steuert zusätzlich sowohl glaubwürdige Beobachtungen als auch grandios humorvolle Episoden bei. Gelungen.
D: Fritzi Haberlandt, Thomas Gerber, Stephan Grossmann, Leonard Hugger, Xenia Snagowski, Simon Steinhorst, Valentin Postlmayr.
















