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MoX Kino-Tipps KW5116.12.2025











Texte: Horst E. Wegener


Therapie für Wikinger
Dänemark/ Schweden ´25: R: Anders Thomas Jensen. Ab 25.12. Wertung: **** Bild: Neue Visionen Filmverleih
Wegen eines Raubüberfalls mit Todesfolge hat Anker (Lie Kaas) 15 lange Jahre hinter schwedischen Gardinen verbracht. Und nachdem er nun wieder in Freiheit ist, will sich der Ex-Knacki die seinerzeit seinem Bruder Manfred (Mikkelsen) überantwortete Beute greifen. Doch das Brüderchen, das schon in der Kindheit unter einem psychischen Knacks litt, hat zwischenzeitlich eine derart heftige Persönlichkeitsstörung entwickelt, dass er sich für John Lennon hält. Manfred alias John lebt in einer Sozialwohnung bei seiner und Ankers total überforderter Schwester Freja (Jorgensen). Was er mit den 41,7 Millionen Kronen gemacht haben könnte, und ob er sie überhaupt, wie damals vom Bruder aufgetragen, unweit ihres einstigen Elternhauses im Wald verbuddelt hat – keine Ahnung! Was tun? In der Hoffnung, Manfreds Erinnerungen zu wecken, startet Anker mit seinem Bruder zu einem Trip in ihre gemeinsame Kindheit. Dabei werden sie zum einen verfolgt von Flemming (Bro), Ankers damaligem Komplizen beim Überfall, der ebenfalls Anspruch auf die Beute erhebt; zum anderen taucht Manfreds Psychiater Lothar (Brygmann) im Heimatstädtchen der Brüder auf. Der Seelenklempner glaubt, auf eine Möglichkeit gestoßen zu sein, wie er seinen Patienten wieder zum eigentlichen Selbst lotsen könnte. Es gelte nur, unter all seinen Schäfchen weitere Sensibelchen mit multipler Persönlichkeitsstörung zu finden, die sich ebenfalls für Widergänger eines Beatles halten – und die Fab Four wieder zu reaktivieren. Dass man relativ schnell sogar jemanden findet, der sich gleichzeitig für Paul McCartney und George Harrison hält, verkürzt die Suche ungemein. Da ist die Story von „Therapie für Wikinger“ wohlgemerkt erst zu einem Drittel verstrichen, baut Regisseur Anders Thomas Jensen seinen galligen Kino-Cocktail um verstörte Männer immer surrealer zusammen aus rabenschwarzem Humor, brutalen Gewaltfantasien und familiären Konflikten, die uns mitunter derart makaber vorkommen, dass man nur lachen kann. Woraufhin einem das Lachen Sekunden später unter Garantie im Halse stecken bleiben dürfte. Kurzum: Jensen inszeniert wie eh und je sowohl mit sicherem Gespür für Schadenfreude, skandinavischem Witz, als durch die nimmermüde Liebe zu seinen bekloppten Außenseiterfiguren, Vergessenen und Losern geerdet. Das soll ihm erst mal jemand nachmachen!
D: Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Lars Brygmann, Sofie Gräbol, Bodil Jorgensen, Soren Malling, Nicolas Bro, Kardo Razzazi.


Avatar: Fire and Ash
USA ´25: R: James Cameron. Ab 17.12. Vorankündigung Bild: 20th Century Studios
Ein Leben in Frieden hatte sich die Familie um Jake (Worthington) und Neytiri (Saldana) im Finale des „Avatar“-Sequels „The Way of Water“ erhofft. Doch auf Dauer bleibt das Wunschdenken. Gejagt vom schier unsterblichen Colonel Quaritch (Lang) bemühen sich Jake und Neytiri nach Kräften, um ihren Adoptivsohn Spider (Champion) vor dessen eigentlichem Vater, besagtem Colonel abzuschirmen. Quaritch hat sich mittlerweile mit dem kämpferischen Stamm der Feuer-Na´vi, dem sogenannten Aschevolk, verbündet. Und letztere sind unter der Führung der charismatischen Varang (Chaplin) zu jeder Schandtat bereit.
Auch im dritten Teil der Fantasy-Blockbuster-Reihe von Regie-Großmeister James Cameron bietet die exotische Welt des Planenten Pandora den idealen Hintergrund, um den Kampf gut gegen böse bilderwuchtig in Szene zu setzen – diesmal spielt sich das Geschehen vor breitwandsprengenden Vulkanlandschaften ab. Während bis zum weltweiten Kinostart noch gerätselt werden muss, ob Jake und Neytiri mit Spider auch weiterhin in Frieden überleben können, steht zumindest ein Gewinner schon längst fest: Denn nichts und niemand wird das rund 250 Millionen Dollar teure und über drei Stunden lange Cameron´sche Kino-Spektakel zum einen davon abhalten, bis zum Jahresende Rekordumsätze einzufahren – und zum anderen sind die beiden nächsten Kapitel aus der „Avatar“-Saga in der Vorbereitung.  
D: Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Oona Chaplin, Cliff Curtis, Jack Champion.


Sorry, Baby
USA/ Frankreich ´25: R: Eva Victor. Ab 18.12. Wertung: **** Bild: A24
Wer Agnes (Victor) nicht näher kennt, würde denken, dass sie es in jungen Jahren weit gebracht hat. Immerhin lehrt die Englischprofessorin an jener Hochschule in Massachusetts, an der sie vor gut drei Jahren ihre Doktorarbeit absolvierte. Und doch hängt es ihr nach wie vor beinhart in den Knochen, in ihrer Studienzeit Opfer eines sexuellen Übergriffs durch ihren damaligen Doktorvater (Cancelmi) geworden zu sein. Während man um Agnes herum diesen hässlichen Vorfall am liebsten möglichst schnell vergessen wollte, um somit wieder ins Alltagsgeschehen eintauchen zu können, steckt die Traumatisierte komplett in dem fest, was ihr an jenem Abend in Prof Deckers Haus widerfahren ist. Schlimm genug, dass sie sich seinerzeit fast ausschließlich mit gefühllosen Ärzten und einer College-Bürokratie auseinanderzusetzen hatte, was ab und an sogar Suizidgedanken beim depressiven Opfer auslöste – Humor hilft. Unterstützt wird sie obendrein von ihrer verständnisvollen Freundin Lydia (Ackie), die irgendwann gen New York entschwindet und einem auf der Straße aufgelesenen Kätzchen, so dass es Agnes nach geraumer Zeit gelingt, eine Affäre mit ihrem zerstreuten Nachbarn Gavin (Hedges) zu wagen. Die Schwierigkeit, sich auf Intimität einzulassen, bleibt. In fünf Kapiteln und über mehrere Jahre hinweg begleitet „Sorry, Baby“-Filmerin Eva Victor die von ihr ebenfalls bravourös gestemmte Hauptrolle per Rückblende zurück zu sich selbst, wird Missbrauch abgehandelt – und das Leben danach in den Fokus gerückt, sowie über den Versuch nachgedacht, sich nicht in den teils verstörend aufflackernden Momenten des Alltags zu verheddern. Einfühlsam geschauspielert, sehenswert.
D: Eva Victor, Naomie Ackie, Lucas Hedges, Louis Cancelmi, E. R. Fightmaster, John Carroll Lynch.


Anaconda
USA ´25: R: Tom Gormican. Ab 25.12. Vorankündigung Bild: Sony Pictures
Doug (Black) und Griff (Rudd) sind seit frühester Kindheit die besten Freunde. Und filmverrückt dazu – weshalb es ihnen nie schwerfällt, ihren absoluten Lieblingsfilm in Nullkommanichts zu benennen: Das ist und bleibt für beide „Anaconda“, jener Genreklassiker aus den 1990ern, von dem sie von Zeit zu Zeit über ihr eigenes Remake fabulieren. Als sowohl Doug als auch Griff in eine veritable Midlifecrisis schlittern, glauben sie, sich wieder besser zu fühlen, wenn man das „Anaconda“-Projekt endlich angehen würde. Alsbald reist das Duo, verstärkt um weitere Mitstreiter, tief ins Amazonas-Gebiet, um vor Ort mit den Dreharbeiten loszulegen. Die Produktion gestaltet sich chaotisch – erst recht nachdem eine echte Riesen-Anakonda auftaucht, die das Filmset in eine tödliche Falle verwandelt. Für die Crew ist nurmehr Überleben angesagt…
Regisseur Tom Gormican inszeniert mit seinem illuster besetzten „Anaconda“-Remake des gleichnamigen Films von Luis Llosa aus dem Jahr 1997 seinerseits filmischen Nachschlag auf den trashigen Popcorn-Jux. Erste Trailer-Clips versprechen gelungene special effects, Komik, Thrill – können Filmnerds mehr wollen?
D: Jack Black, Paul Rudd, Steve Zahn, Selton Mello, Daniela Melchior, Thandiwe Newton, Ione Skye.


Die jüngste Tochter
Frankreich/ Deutschland ´25: R: Hafsia Herzi. Ab 25.12. Wertung: **** Bild: June Films
Fatima (Melliti) hat einen Freund, ist gut in der Schule – und wächst familiär umsorgt in einem Pariser Vorort auf. So betrachtet scheint in ihrem Leben alles rund zu laufen. Und doch merkt man der 17-Jährigen an, dass sie nicht glücklich ist. Wobei niemand dahinter kommt, weshalb die Schülerin oftmals so still, betrübt und unnahbar ist. Des Rätsels Lösung: Die 17-Jährige fragt sich längst verstärkt, ob ihr Frauen nicht generell lieber sind als Männer. Insgeheim checkt Fatima Online-Profile und trifft sich mit Mädels, die allerdings vor allem an schnellem Sex Interesse bekunden – ein Umstand, der die zunächst nur auf Zuneigung Hoffende eher verunsichert.  Als ihr dann die Koreanerin Ji-Na (Ji-min) übern Weg läuft, könnte dies ein perfektes Match ergeben. Zwar schwinden Fatimas Anfängerängste vor gleichgeschlechtlicher Liebe angesichts der verständnisvollen Ji-Na, andererseits machen ihr als gläubiger Muslimin diese neuentdeckten Gefühle schwer zu schaffen. Während sie in Clubs und auf privaten Partys immer tiefer in die lesbische Szene eintaucht, wächst die Zerrissenheit, die der Teenagerin zwischen religiöser Tradition und vorurteilsfreier Lust widerfährt…
In ruhigen, realitätsnahen Bildern bricht die tunesisch-algerisch-stämmige Regisseurin Hafsia Herzi ein Thema auf, das besonders die junge, progressive Generation illustriert – mit einer Newcomerin in der Titelrolle, für die Nadia Melliti beim diesjährigen Filmfestival in Cannes den Preis als Beste Schauspielerin zugesprochen bekam.
D: Nadia Melliti, Park Ji-min, Amina Ben Mohammed, Rita Benmannana, Melissa Guers, Razzak Ridha.


Der Medicus II
Deutschland ´25: R: Philipp Stölzl. Ab 25.12. Vorankündigung
Medicus Rob Cole (Payne) kehrt nach England zurück, wo er in einem neuen Hospital seine im Orient erworbenen medizinischen Kenntnisse anwenden will – was im 11. Jahrhundert jedoch mit viel Skepsis und Verachtung belohnt wird. Als der englische König Cole bittet, seine vom Wahnsinn befallene Tochter zu kurieren, erweist sich das als Herausforderung, bei der der Medicus seine Kunst und sein Wissen unter Beweis stellen kann.
Fortsetzung des Kinoerfolgs von 2013, der auf dem Bestseller von Noah Gordon basiert.
D: Tom Payne, Emily Cox, Aidan Gillen, Owen Teale, Liam Cunningham.

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