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MoX Soundcheck KW3923.09.2026











Tokunbo: LOST & FOUND (VÖ: 25.9.)
Tokunbo Akinro, bekannt geworden als Sängerin der Souljazz-Combo Tok Tok Tok, mit der sie sich zwischen 1998 und 2012 fünfmal einen German Jazz Award erspielen konnte, hat sich dann im Anschluss an diese phänomenale Erfolgsgeschichte zum Verbreiten ihrer musikalischen Visionen unterm eigenen Vornamen entschlossen. Nach ihrem Debüt-Longplayer von 2014, „Queendom comes“, sowie den Nachfolgealben „The Swan“ und „Golden Days“ setzt die Deutsch-Nigerianerin jetzt mit „Lost and Found“ erneut auf Songs, die genremäßig zwischen Folk, jazzigem Pop und warmherzigem Country hin und her schalten. Ihre zwischen hauchzart und erdig-dunkel pendelnde Gesangsstimme geht uns direkt ins Ohr und ihre Zuversicht vermittelnden Erzählungen, aus denen sich durchaus das Mosaik von Tokunbos eigener Geschichte herausfiltern lässt, vertreiben verlässlich Melancholie und Trübsinn. Ermutigend!
Dylan John Thomas: NOTHING HERE WORTH TAKING (VÖ: 25.9.)
Der schottische Multiinstrumentalist Dylan John Thomas kann weder auf ein begütertes Elternhaus noch auf eine musikalisch breit aufgefächerte Allgemeinbildung verweisen. Stattdessen lernte der in einem Glasgower Waisenhaus aufwachsende Youngster anhand von Tony-Hawk-Videospielen früh Johnny Cash kennen und lieben. Dessen „Ring of Fire” mitsingend, kam Dylan die Idee, auch die eigenen Geschichtchen zu Songs zu verarbeiten. Gesagt, getan – was folgte, gleicht einem filmreif erfolgreichen Ritt durch die Kneipenszene Glasgows hin auf die größten Bühnen Schottlands. 40 Millionen Streams und 60 000 verkaufte Tickets haben den Selfmade-Barden Thomas weder abheben lassen, noch die Inhalte seiner Songtexte unverbindlich gemacht. Egal, ob er seine ADHS-Diagnose thematisiert, schmerzhaft schön über den Verlust eines geliebten Menschen singt oder unerwiderte Zuneigung in lakonische Zeilen verpackt – die eigene Handschrift bleibt jetzt auch auf dem zweiten Album erkennbar und kommt an.
Boneshakers: PULL UP THE ROOTS (VÖ: 25.9.)
Um sich das Touren erträglicher zu gestalten, kamen die aus der einstigen US-Industriemetropole Detroit stammenden Boneshakers-Strippenzieher Randy Jacobs an der Gitarre und Sängerin Jenny Langer überein, sich nicht an wechselnden Bartresen nach Konzertende die Kante zu geben, sondern sich mit Inbrunst mit Neuinterpretationen von geschätzten Klassikern der Talking Heads, von Charlie Singleton, The Meters und Don Was zu beschäftigen, diese um Eigenkompositionen zu ergänzen – und am Ergebnis dann in Hotel- und Motelzimmern weiter zu arbeiten. Das Ergebnis wurde in den Berliner Kaleidoscope Studios mit Gastmusikern eingespielt, klingt verführerisch nach Southernrock, Retroblues, Detroit-Soul, vermengt mit Funk und Rock´n´Roll – ein Mix, der groovt und einem unmittelbar in die Beine geht.
Blondshell: VIOLINS (VÖ: 25.9.)
Da ihr Vater Mitglied im Aufsichtsrat des Planet Hollywood Hotel und Casino-Ablegers in Las Vegas war, kam Sabrina Mae Teitelbaum schon sehr früh dazu, Livekonzerte der Rolling Stones oder von Cher miterleben zu dürfen. Eine Karriere im Musikbusiness lag für das gesangsbegabte Töchterchen auf der Hand – und wurde im Anschluss an die Highschool von der 18-Jährigen sowohl an der USC Thornton School of Music in Los Angeles als auch unterm Künstlernamen BAUM ausgetestet. Eine hartnäckige Bronchitis, die Corona-Pandemie-bedingte Auftrittspause sowie Teitelbaums Wunsch, vom nurmehr gefälligen Pop weg zu wollen, führte zum Neustart als Blondshell, deren Ansatz Indie-Rock mit Dancepop und Selbstreflexion in den Texten zu mixen, bestens ankam. Die Songs von Blondshells drittem Longplayer gehen der Frage nach, wie man es schaffen könnte, sich angesichts der um sich greifenden Gewalt in der Welt mehr den schönen Momenten zuzuwenden, um nicht total trübsinnig zu werden. Klingt ermutigend.
Protomatyr: HOTEL USONA (VÖ: 25.9.)
Seit ihrer Gründung 2010 hat die Detroiter Postpunk-Band Protomatyr auf mies gelaunte Texte und ein Rhythmusfundament gesetzt - und so präzise wie kompromisslos immer wieder den vorherrschenden Zeitgeist im Land seziert. Mit „Hotel Usona“ denkt sich Songschreiber und Sänger Joe Casey jetzt die USA als ein alterndes Hotel, in dessen Zimmer sich die furchtbarsten Gäste einnisten mochten. Diese Zustandsbeschreibung führt mitnichten dazu, Lösungsvorschläge parat zu haben, macht einen aber hellhörig – sehr zur Freude auch von Musiker-Urgestein Iggy Pop, der die Linernotes zum Album beisteuerte.

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