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MoX Soundcheck KW1615.04.2026
Texte: Horst E. Wegener
Tiree: THE HUMAN SCALE (VÖ: 13.4.)
Die vielen Auftritte in Edinburghs Livemusik-Szene dürften mit dazu beigetragen haben, dass sich Burkhard Schönings Gesangsstimme zumindest für Nichtbriten anhört, als würde man da einem waschechten Schotten lauschen. Und sobald der uns im Opening-Track des neuesten Tiree-Albums „The human scale“ Lust auf jenes Inselchen macht, das dem in der Oldenburger Region beheimateten Folk-Quartett zu seinem Bandnamen verhalf, lassen wir am besten die Augen weiter geschlossen: Um zu den Stränden der Crossapol Bay mit ihren Surfer-Hotspots durchzustarten, die dem Hebriden-Eiland das Etikett „Hawaii des Nordens“ einbrachten. Mit „I wish I was in Tiree“ lockt Multiinstrumentalist Schöning mitsamt Mitstreitern uns auf die Insel der traumhaft schönen Sonnenuntergänge, die seit 2010 ein mehrfach preisgekröntes Festival für schottische und Weltmusik beherbergt. Viele Melodien des zum Millenium ins Leben gerufenen Crossover-musikalischen Quartetts verbinden keltische Melodik mit Singer-Songwriter-Kultur, Balkan-Grooves, klassischen Kompositionstechniken und R´n´B-Rhythmen, um diesem Mix furios eigenständige Arrangements abzugewinnen. Wer sich klar macht, dass schon der Debüt-Longplayer des Vierers hierzulande auf Anhieb unter die 25 besten Folk-CDs anno 2010 gewählt wurde, weiß, dass man mit den 12 Tracks von „The human scale“ erneut bestens bedient ist: Himmlisch anzuhören!
Volores: SHORES OF SCORPIO (VÖ: 10.4.)
Auch jener Umstand, dass Shelby und Nathen Maxwell im Countrymusikalisch geprägten Denver im US-Bundesstaat Colorado sesshaft wurden, ließ sie mit dieser die Region dominierenden Musikrichtung nie wirklich warm werden. Da dem Musikerehepaar als Vorbilder eher die Foo Fighter, Sharon van Etten oder The Cure über die Lippen gekommen wäre, setzen sie als Volores-Gespann ihren Fans konsequent süffig-kehlige Cocktails aus Alternative- und Classic-Rock vor, die man mit entwaffnend ehrlichen Songtexten würzt. Die Anerkennung für diesen Mix brachte den Maxwells schon für den Debüt-Longplayer „Ages“ umgehend die lokale Auszeichnung „best Rock Album 2023“ ein. Nachdem es im Konzeptalbum „Ages“ darum ging, die Düsternis zu überleben, handeln die Texte der Nachfolge-Scheibe „Shores…“ nun davon, wie sich die Wahrheit abzeichnet und man lernt, im Licht neuer Erkenntnisse zu leben. Klingt kryptisch, wird aber mit Power hoffnungsfroh zelebriert.
Marc Broussard: CHANCE WORTH TAKING (VÖ: 17.4.)
Seitdem er sich aus der Abhängigkeit der Groß-Labels herausgelöst hat, ist Marc Broussard kaum mehr zu bremsen. Ganz egal, ob es dem bluesaffinen Singer-Songwriter darum geht, Genre-Klassiker für seine „Save our Soul“-Produktionen zu covern, und anschließend einen Teil der Erlöse aus diesen Erfolgsprojekten an Obdachlosenheime oder Jugendprojekte weiterzureichen, oder ob sich ihm jetzt für „Chance worth taking“ die Chance eröffnet, ausschließlich Eigenkompositionen einzuspielen – mit Seelenverwandten wie dem produzierenden und mitjammenden Bluesrock-Titan Joe Bonamassa im Rücken kann das Ergebnis kaum misslingen. Wie elegant Broussard uns die Melange aus Soul-Blues, Blues-Rock und Funk mit Bigband-Anleihen à la B.B. King auftischt, unterstreicht sein Ausnahmetalent.
Kiki Annette: AND SCENE! (VÖ: 17.4.)
So wie es wohl Möchtegern-Hippies zu Zeiten der alten Bundesrepublik gereizt haben mag, der Amsterdamer Szene mit ihren Coffeeshops, dem Rotlichtviertel und der aufregenden Musik-Subkultur rings um den ewig kultigen Hotspot Paradiso übers Wochenende ´nen Besuch abzustatten, war die Jahre später in den Niederlanden geborene Kiki Annette sowohl im Berliner anything goes-Milieu nach dem Mauerfall als auch im experimentierfreudigen London nimmermüd auf der Suche nach Inspirationen für musikalisch extravagante Soundideen. Dank der ausgeprägten Vorliebe fürs französische Arthaus-Kino erinnern manche ihrer Songs auf „and scene!“ an cineastisch ausdruckstarken Momentaufnahmen, die sich zwischen Folk-Noir, Retro-Pop und poetischer Intimität verorten lassen – und uns schon deshalb verzaubern, weil einem Kikis engelsgleicher Gesang nicht aus dem Gedächtnis weichen will.
Kiioto: BLACK SALT (VÖ: 17.4.)
Musikalisch waren sowohl Lou Rhodes als auch Rohan Heath mit Manchesters Indie-Szene in den frühen 1990er Jahren groß geworden. Zwar kannten sie einander, spielten aber lange in unterschiedlichen Gruppen. Erst nachdem Sängerin Lou sich von ihrer Trip Hop Band Lamb abnabelte und Keyboarder Rohan fast zeitgleich beim Urban Cookie Collective ausstieg, endete eine zufällige Jam-Session der beiden in Lous Küche mit ihrem ersten gemeinsamen Song - und der Gründung von Kiioto. Auf ihrem zweiten Longplayer „Black Salt“ demonstriert das Kreativ-Gespann eindrucksvoll, wie wenig man ihre Kompositionen einem einzigen Genre zuordnen kann. Den roten Faden für die zehn Tracks liefert ein Roman der preisgekrönten Autorin Samantha Harvey, dem Kiioto ihren Mix aus Jazz, Broken Beats und Soul-Texturen eigenwillig assoziativ abringen.
















