LzOLzO
OLDENBURG
Donnerstag

30

April

Foto:
Fahrradstadt Oldenburg

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Kleinanzeigen

Buch-Tipps

„Tom Sawyer“ von Mark Twain30.04.2026



Text und Foto: Thea Drexhage

Trotzdem wird er nicht bestraft. Seine Tante, die ihn aufzieht, bedroht in zwar, aber eigentlich führt das zu nichts und auch der Autor bestraft ihn nicht. Stattdessen wird er irgendwie noch belohnt, durch die Anerkennung seiner Kameraden. Dann hat er noch so eine Liebschaft mit dem Mädchen Becky, die ihn nach etlichem Hin und Her dann doch irgendwie ganz toll findet. Und am Schluss wird es richtig abenteuerlich und er findet die Beute eines ziemlich gewissenlosen Räubers und Mörders. Dadurch wird er ohne eigene Anstrengung reich – das ist ja schon eine Art Traum, die man hat. Die damalige Gesellschaft hat das dem Autoren ziemlich übel genommen, denn man erwartete von der Jugendliteratur eigentlich etwas anderes: sie sollte erziehen und eine Moral haben.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Johannes Bollen: Mark Twain schafft es, uns den Zauber der Jugend zu vermitteln und man erinnert sich auch als Erwachsener an ganz viel wieder, wenn man das liest: die Träume, den Wunsch ein Held sein zu wollen oder Abenteuer zu erleben. Auf der anderen Seite stellt sich der Autor immer etwas distanziert daneben, was den Reiz am Lesen ausmacht. Man merkt, er hat sehr viel Sympathie für seine Figur, aber er verzeiht ihm auch nicht alles. Was mich immer fasziniert hat, ist auch die Art wie es beobachtend geschrieben ist. Er hat mit Huckleberry Finn ja auch ein Nachfolgebuch geschrieben, was ein ganz anderes Buch geworden ist, da es aus der Ich-Perspektive erzählt und eher innere Vorgänge in den Vordergrund rückt.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Johannes Bollen: Eigentlich kann man das jedem erzählen, der Spaß hat an lockerer und leichter Lektüre und gern an seine eigene Kindheit zurückdenken mag. Aber ich glaube, es ist auch gut für Jugendliche geeignet, die heute aufwachsen, da sie trotzdem sehr viel wiedererkennen werden, von den Träumen und Vorstellungen, aber auch von der etwas anderen Lebenswelt. Mir ist aufgefallen an diesem Buch, dass für einen Tom Sawyer ein Tag noch richtig lang ist und er das Gefühl hat, wahnsinnig viel erleben zu können, das geht im Laufe des Lebens ja immer stärker verloren. Das Leben im Augenblick bestimmt seinen Tagesverlauf, deswegen streitet er sich auch mit seiner Liebsten und einen Tag später ist das völlig vergessen. Das ist ein typisch kindliches Verhalten, worin sich Jugendliche wiedererkennen können. Andererseits braucht man auch etwas Hintergrundwissen über den amerikanischen Mittelwesten zu dieser Zeit. Es spielt im Sklavereistaat Missouri und es gibt schon Ausdrücke und Formulierungen, die die Originalausgabe problematisch machen.

Sonderseiten
Kostbar
EXB Handwerk