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„Das stumme Rauschen der Wellen bei Nacht“ von J. Heinemann15.04.2026
Text und Foto: Thea Drexhage
Soziale Interaktionen mit anderen Menschen fallen ihr sehr schwer, um ihren Traum zu verwirklichen, braucht sie jedoch dieses Studium. Der andere Strang spielt 1362 im heutigen Gebiet um Pellworm. Die Halligen gab es damals noch nicht, das war alles eher Marschland, das dem Festland vorgelagert war. Dort geht es um Lefke, diese ist seit dem Tod ihrer Mutter durch die Pest stumm bzw. hat aufgehört zu sprechen. Lefke hat auch ein ganz besonderes Gespür für die Natur. Sie kann das Wetter besonders gut deuten und nimmt Schwingungen und Veränderungen in der Umwelt wahr, die andere um sie herum nicht sehen. Dadurch, dass sie aber nicht spricht, wird sie, im wahrsten Sinne des Wortes von den anderen nicht gehört und als Frau ja sowieso schonmal gar nicht. Diese beiden Frauen leben in zwei völlig verschiedenen Zeitaltern, sind aber verbunden über das Meer und die Natur und das anders sein, aber dadurch genau richtig sein. Dadurch, dass sie aus Menschensicht so anders sind, fügen sie sich eben so gut in die Natur ein. Beide ereilt ein Schicksalsschlag. 1978 war so ein harter Ausnahmewinter und Mieke ist bei ihrer Schwester auf der Hallig Hooge und sie schneien komplett ein und sind von der Außenwelt abgeschnitten. Lefke erlebt 1362 diese Marcellusflut, in welcher unter anderem die Stadt Rungholt komplett zerstört wurde. Durch diese Flut sind dann erst die Halligen entstanden.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Maren Oberwelland: Es werden zwei ganz spannende Frauenbilder gezeichnet, aber auch die Rolle der Natur ist sehr faszinierend. Obwohl die Frauen im ersten Moment gar nichts miteinander zu tun haben, sind sie, zum einen durch die Umgebung und zum anderen durch die Art des Schreibens ganz natürlich miteinander verbunden. Das fügt sich total organisch zusammen. Dabei schafft es Juliane Heinemann auch, die Verbindung von Nature Writing und die Innenschau dieser beiden Frauen miteinander zu verbinden. Das Buch habe ich so weggelesen, obwohl mich das Thema im ersten Moment gar nicht so angesprochen hat. Ich bin immer von Büchern begeistert, die genau das schaffen.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Maren Oberwelland: Das ist schwierig. Ich glaube, es spricht eine recht breite Leser*innen- schaft an. Sowohl die Naturbeschreibungen als auch Innenschau dürften vielen gefallen. Mir fällt tatsächlich kaum etwas Vergleichbares ein. Ich denke es ist für Menschen geeignet, die Bücher der leisen Töne mögen. Zwar gibt es diese heftigen Naturgewalten, aber insgesamt passiert viel im Innenleben der Protagonistinnen. Auch, wenn man es mag, dass Dinge eher zwischen den Zeilen stehen, statt ausgeschrieben zu werden, ist man hier gut aufgehoben. Ich denke, es ist auch eine gute Urlaubslektüre für den Strandkorb an der Nordsee.












