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Buch-Tipps

„Going Zero“ von Anthony McCarten19.11.2025



Interview & Foto: Thea Drexhage

MoX: Wovon handelt das Buch?
Bärbel Gerdes: Dem Internetmulti und Milliardär Cy Baxter und seiner Partnerin Erika Coogan winkt ein 90-Milliarden-Dollar-Projekt: um die nationale Sicherheit zu erhöhen und Terroristen schnell und effektiv ausfindig zu machen, wollen der Techmulti und die in- und ausländischen Sicherheitsdienste der USA zusammenarbeiten und mithilfe der Firma „Fusion“ riesige Datenpools zusammenbringen. Dies alles natürlich nur zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger und – so betonen alle – vollkommen datenschutzkonform. Um die US-Behörden von der Software zu überzeugen, findet ein Beta-Test statt. Zehn ausgewählte Personen, haben die Chance auf drei Millionen Dollar, wenn es ihnen gelingt, einen Monat lang unterzutauchen und sich nicht von den Fusion-Zugriffsteams finden zu lassen. Zwei Stunden Vorsprung haben die Gejagten am ersten Tag. Ihre Strategien sind mehr oder weniger erfolgreich. Einige werden schon nach wenigen Stunden gestellt, denn ihnen steht ein hoch-spezialisierter Apparat gegenüber, der eine fast totale Überwachung ermöglicht. Zum Einsatz kommen Drohnen, GPS, Kameraüber-wachung, Gesichtskontrolle – also lauter Technik, die bereits zur Verfügung steht. KI erstellte Analysen berechnen das Verhalten und die wahrscheinlich nächsten Schritte der ProtagonistInnen. Besonders clever geht die Bibliothekarin Kaitlyn Day vor. Ihr gelingt es, Erikas und Cys Teams absolut zu verwirren und sich dem Zugriff zu entziehen. Ob ihr das tatsächlich bis zum Ende gelingt, kann die Leserin / der Leser in einem atemlosen Pageturner verfolgen.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Bärbel Gerdes: Ich mochte die Mischung aus purer Spannung und der erschreckenden Darstellung von Überwachungsmöglichkeiten, die heute bereits existieren. Einerseits habe ich wirklich mitgefiebert, ob das „Untertauchen“ gelingt. Anderseits führt der Roman noch einmal deutlich vor Augen, was passiert, wenn sich staatliche Institutionen mit Softwaremultis zusammentun und Daten aus-tauschen. Die Macht dieser Firmen ist erschreckend, was wir ja bereits im Ukraine-Krieg sehen konnten: Elon Musk stellte der Ukraine Starlink-Satelliten zur Verfügung, die Internet ermöglichen und für die Steuerung von Drohnen unerlässlich sind. Das heißt, ein Privatmann hat mit seiner Firma eine enorme und vielleicht kriegsentscheidende Macht, die von keinem Staat reguliert werden kann.
Dass Anthony McCarten ein sehr erfolgreicher Drehbuchautor ist, ist ein weiterer Pluspunkt: präzise steigert er die Spannung, so dass das Lesen einem Film gleicht.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Bärbel Gerdes: Ich würde es wirklich allen empfehlen, die gerne einen spannenden Thriller lesen möchten und auch interessiert sind an den aktuellen technischen Entwicklungen. Gerne empfehle ich das Buch auch jeder Bibliothekarin. Die Darstellung unseres Berufsstandes in der Belletristik ist oft haar- oder besser dutt-sträubend. Anfangs erfolgt zwar auch in diesem Buch eine sehr klischeehafte Beschreibung, die sich aber schnell ändert in das, was wir wirklich sind: Informationsprofis mit einer Menge IT-Kenntnissen.

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