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Buch-Tipps

„Die Hälfte der Sonne“ von Chimamanda Ngozi Adichie22.10.2025

„Die Hälfte der Sonne“ von Chimamanda Ngozi Adichie

Interview & Foto: Thea Drexhage

MoX: Wovon handelt das Buch?
Michael Uhl: „Die Hälfte der Sonne“ von Chimamanda Ngozi Adichie ist einer ihrer frühen Romane. Er wirft einen anderen Blickwinkel auf die Geschichte Nigerias. Es geht um einen Bürgerkrieg und den historischen Staat Biafra, den gab es drei Jahre, bis er von Nigeria durch Krieg wieder zurückgeschraubt wurde. Die Geschichte erzählt sie aus drei verschiedenen Perspektiven. Einmal durch den Jungen Ugwu, der aus einem Dorf kommt, aus einfachen Verhältnissen. Der Hauptgewinn ist, wenn man einer reichen Familie irgendwie dienen kann, weil man dadurch ein bisschen versorgt ist. Er kann bei einem Uniprofessor Teil des Haushalts werden, er putzt und kocht und wird dadurch Teil der Familie. Das ist die eine Perspektive. Dann gibt es die von Olanna, der Frau des Professors. Sie kommt aus einem sehr privilegierten nigerianischen Elternhaus und gehört zur Oberschicht, auch durch ihre Erziehung, die mit westlichen Einflüssen stattfand. Die dritte Perspektive kommt durch den Engländer Richard. Dieser bringt die Kolonialperspektive mit ein, nicht, weil er kolonialistisch tickt, sondern aus Interesse an der Kultur und Geschichte vor Ort. Aus diesen drei Perspektiven bekommt man die verschiedenen Hintergründe, Stämme und Ethnien und Kolonialismus vermittelt und ist dabei ganz dicht an diesen Figuren dran.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Michael Uhl: Das Besondere sind die drei Erzählperspektiven und dass sie zu einem europäischen Blick, den ich natürlich habe, eine ganz andere Ansicht vermitteln. Außerdem diese Unmittelbarkeit dran zu sein und das in einer Zeit, in der ich noch gar nicht gelebt habe, auf einem Kontinent, auf dem ich nicht gelebt habe. Dies mehrperspektivisch zu erzählen, mit dem Bewusstsein, dass es nicht die eine Wahrheit gibt, macht dieses Buch zu einer sehr reichen Lektüre.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Michael Uhl: Menschen, die Interesse haben, einen anderen Blickwinkel auf Afrika zu bekommen. Es ist ein gutes Buch welches das menschliche Handeln näher bringt und zeigt, wie Gesellschaften kippen. Es zeigt, wie viele etwas Gutes wollen und es kommt dann etwas Furchtbares dabei raus – wie Wirklichkeit und Wunsch so schräg ineinander gehen, dass viele den Blick auf das, was eigentlich passiert, verlieren.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Michael Uhl: Das Buch tauchte irgendwann bei uns im Haushalt auf. Ich lese Bücher immer in der Papierform – ich verbringe in meiner Arbeit als Regisseur so viel Zeit am Rechner, wenn ich mir dann vorstelle, dass ich auch noch ein E-Book lesen müsste…
MoX: Was wissen Sie über die Autorin?
Michael Uhl: Sie ist Jahrgang 1977 und schreibt also hier auch über etwas, das 10 Jahre vor ihrer Geburt passiert ist. Sie kommt aus Nigeria, ihr Vater war Universitätsprofessor und sie selbst hat Medizin studiert und ist dann für Kommunikationswissenschaften in die USA gezogen, wo sie summa cum laude abgeschlossen hat. In ihren späteren Büchern wurde auch Feminismus noch ein größeres Thema.

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