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Buch-Tipps

„Lügen über meine Mutter“ von Daniela Dröscher10.09.2025



Interview & Foto: Thea Drexhage

MoX: Wovon handelt das Buch?
Lisa Merz: Kurz gesagt geht es um die Familienstrukturen der westdeutschen Provinz in den 1980er Jahren. Das Kind Ela beschreibt, was sie in ihrer Familie wahrnimmt. Spezifisch geht es um ihren Vater, der ein sehr großes Problem mit dem Gewicht der Mutter hat. Er fängt an immer mehr das Gewicht der Mutter, welches nie wirklich benannt wird, zur Ursache seines Übels zu machen. Das äußert sich dadurch, dass er versucht, die Mutter permanent zu kontrollieren, was das Gewicht angeht. Er setzt sie ständig auf Diäten, drangsaliert und schikaniert sie und das auch noch vor dem Kind. Dabei wünscht er sich ganz stark, dass die Mutter abnimmt, was aber auch nie genauer spezifiziert wird. Zudem schiebt er die Tatsache, dass er keinen beruflichen Erfolg hat, immer auf die Mutter, und zwar immer auf ihren Körper. All das sehen wir durch die Augen von Ela. Es ist ein autofiktiver Roman von Daniela Dröscher, die selbst auch aus der westdeutschen Provinz kommt. Ich selbst komme aus Ostdeutschland und ich finde es faszinierend zu lesen, wie in den 80ern diese ganze Wirtschaftswundersituation beschrieben wird, denn der Vater strebt immer wieder nach Konsumgütern, die er eben mit Erfolg verknüpft. Er meldet sich im Tennisclub an, was ja in Westdeutschland der totale Craze war, oder er kauft sich ein Cabrio, das er sich eigentlich nicht leisten kann. Umso weniger Erfolg er hat, desto mehr Geld gibt er aus und umso mehr drangsaliert er auch die Mutter.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Lisa Merz: Es ist schwierig zu sagen, dass diese Geschichte mir gefallen hat. Ich würde sagen, es ist kein klassischer Feel-Good-Roman, sondern dass es ein Buch ist, das mich total bewegt hat. Vor drei Jahren war es auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis und seitdem hat es mich auch nicht mehr losgelassen. Jeder Person, der ich über den Weg laufe, sage ich immer, sie muss dieses Buch lesen und ich glaube, das liegt daran, dass die Autorin darin klar macht, dass das Private eben doch politisch ist, weil man in dem Buch sieht, wie sehr die Körpernormen und die Macht, die in so einer Familie stattfindet, die nächste Generation prägt und was das auch mit Misogynie zu tun hat. Das ist es, was es für mich bewegend macht und es übt auch eine gewisse Faszination aus.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Lisa Merz: Es ist ein Buch für alle Generationen. Das liegt daran, dass die Thematik des Körpershamings in Familien, gerade für die Mütter/Frauen ein Thema ist und ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Menschen, die dieses Buch lesen werden, das zu einem gewissen Maße an sich selbst oder an ihren Müttern beobachten konnten. Ich kann mir auch vorstellen, dass es für die Generation der Autorin, also die Millennials besonders interessant ist, aber es ist auch für die Gen-X oder die Boomer lesenswert, denn das Thema ist allgegenwärtig.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Lisa Merz: Über die Buchpreis-Shortlist bin ich darauf aufmerksam geworden. Ich habe es in Papierform gelesen, aber mittlerweile lese ich auch digital, ich bin ja auch im Buchclub und meine Wohnung ist einfach zu klein.
MoX: Was wissen Sie über die Autorin?
Lisa Merz: Daniela Dröscher kommt aus München und ist Ende der 70er geboren und ist studierte Medienwissenschaftlerin. Aufgewachsen ist sie auch eher ländlich. Sie hat bereits mehrere Bücher geschrieben und wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet.

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