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„Die Evolution der Gewalt“ von H. Meller, K. Michel, C. van Schaik11.06.2025



Interview & Foto: Thea Drexhage

[font=Bembo]Diese drei Autoren - ein Archäologe, ein Verhaltensforscher und ein Historiker, beschäftigen sich nun ausdrücklich damit und stellen, aus ihren Forschungsgebieten herausgehend, fest, dass der Krieg erst vor 13.000 Jahren entstanden ist und sich dann explosionsartig über die ganze Welt verbreitet hat. Sie sagen, es ist dem Menschen nicht angeboren, sondern widerspricht sogar unserer Natur, weshalb es auch wieder verlernbar sein müsste. Zum einen gibt es keinerlei archäologischen Hinweise zum Krieg bis vor 13.000 Jahren – erst da zeigt sich der erste deutliche Hinweis auf kriegerische Handlungen. Dort kommt nun die Arbeit von van Schaik, der auch Primatenforscher ist, dazu. Dieser sagt, die Sozialstruktur des Menschen ist keine Struktur, die auf das Töten der gleichen Art angelegt ist, was sich beispielsweise von Schimpansen unterscheidet. Ein drittes Argument ist, dass Krieg der größte Innovationsmotor in der Geschichte der Menschheit ist. Die Menschheit, die Gattung homo, hat über Millionen Jahre mit den gleichen Werkzeugen gelebt. Wenn die Kriege geführt hätten, hätten sie sich schon früh bessere Waffen ausgedacht. Das sind für mich sehr überzeugende Argumente, die auch etwas Hoffnung geben, gerade in einer Zeit, in der der Krieg an so vielen Orten der Welt zurückkommt.[/font][font=Bembo] [/font]
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Marcel Schwierin: Dieses Buch ist sehr gut geschrieben, denn man merkt, dass die Autoren Übung darin haben, Dinge nicht nur für ein Fachpublikum zu schreiben. Für mich ist das eine der großen Fragen der Menschheit, die mich schon immer gequält hat und ich hatte den Eindruck, dass in den letzten Jahrzehnten die Tendenz doch ein bisschen dahin ging, zu sagen, die Gewalt wäre den Menschen angeboren. Das tolle an diesem Buch ist, dass die Fragestellung nicht nur aus einer Fachrichtung untersucht wird, sondern von gleich drei sehr seriösen Forschern.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Marcel Schwierin: Jedem eigentlich, aber besonders allen, die sich irgendwie ernsthaft mit den Fragen menschlicher Gewalt und Krieg und Frieden beschäftigen. Gerade Publizisten, Künstler und Sozialwissenschaftler könnten das interessant finden.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Marcel Schwierin: Digital, zum einen, weil ich sehr viel nachts lese und zum anderen auch ein wenig aus Umweltschutz- und Platz-gründen. Ich mag zudem die digitalen Markierungs- und Suchfunktionen sowie der Anspassungsmöglichkeiten der Schriftgröße. Manchmal kaufe ich sogar Bücher digital, die ich schon als Papiervariante habe.
MoX: Was wissen Sie über die Autoren?
Marcel Schwierin: Harald Meller ist Archäologe, der dadurch bekannt geworden ist, dass er die Himmelsscheibe von Nebra unter sehr schwierigen Bedingungen gefunden hat. Kai Michel ist Literaturwissenschaftler und Historiker und Carel van Schaik ist Verhaltensforscher und Evolutionsbiologe, sein Schwerpunkt waren glaube ich Orang-Utans, der hat also wirklich das Verhalten unserer nächsten Verwandten, erforscht.

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