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Die Geschichten hinter dem Gemüse21.01.2026



Text und Foto: Thea Drexhage


Woher haben sie ihren Namen, und warum waren sie so lange von der Bildfläche verschwunden? So gibt es beispielsweise eine rosafarbene Stangenbohnensorte mit dem Namen Kaiser Friedrich, die dem von den Nazis geschaffenen Saatgutgesetz sowie dem Reichsnährstoffgesetz zum Opfer fiel, welches unter anderem Sortenreinheit zum Ziel hatte. Damit einher ging der Versuch unzählige Gemüsesorten zu vernichten. „…und so eine pinke Stangenbohne, die ging natürlich gar nicht“, erklärt Jytte Loots. Sie hat viele dieser Geschichten auf Lager, denn historische Gemüse-sorten sind ihre Leidenschaft. Nicht nur die Nazis haben für die Dezimierung der Sortenvielfalt gesorgt, auch die DDR war sehr restriktiv in puncto Gemüseanbau. Bis heute finden sich erschreckend viele Passagen aus den NS-Zeiten im Saatgut- und Anbaurecht wieder und man erkennt es auch im herkömmlichen Handel: die angebotenen Sorten, egal ob Hülsenfrüchte, Kohl oder Tomaten, sind immer ähnlich. Samenfeste, alte Sorten sind nur schwer zu bekommen und liegen oft in privater Hand. Das historische Gemüse pflegt Jytte Loots nicht nur für sich selbst, sondern möchte auch andere Menschen mehr für das Thema begeistern. Daher ist sie seit 2017 als „Gemüsehummel“ selbst-ständig und bringt zum einen Jungpflanzen auf Märkten oder über ihre Homepage unter die Leute und gibt zum anderen auch Workshops und Kurse für den eigenen Gemüseanbau. Gelernt hat Jytte Loots in einer Baumschule, denn Natur und Tiere interessierten sie immer sehr. So kümmerte sie sich in der Vergangenheit auch um alte Schafrassen wie das Coburger Fuchsschaf oder Pommernschafe und hat passend dazu auch einen Altdeutschen Schäferhund, der sie im Alltag begleitet. Beim Gemüse haben es ihr vor allem die alten Kohlsorten und Paprikapflanzen angetan: Butterkohl wäre etwas ganz Feines auf dem Teller, diesen könne man blattweise den ganzen Sommer ernten, bevor er im Herbst einen kleinen, zarten Kopf bildet. Bei der Paprika hingegen ist das Wachstum interessant - sie brauchen sehr lange zum Wachsen und Reifen und kommen dabei in vielen Farben und Formen vor. In ihrem großen Saatgutsortiment befinden sich nicht nur alte einheimische Sorten, sondern auch Kurioses aus der Welt sowie moderne Biosamen und spannende Hybriden - Haupt-sache samenfest. Das bedeutet, dass man aus den herangezogenen Pflanzen neues Saatgut für das Folgejahr gewinnen kann. Die meisten herkömmlichen Saaten im Handel sind nämlich F1-Hybride, die auf Ertrag gezüchtet werden, deren Saatgut im Folgejahr aber nicht mehr zuverlässig ist. Erfreulich ist für Jytte Loots, dass das Bewusstsein für gutes Gemüse in den Menschen wieder zunehmend wächst. Während in der Großelterngeneration der Gedanke an Selbstversorgung noch groß war, schlief das Thema bei den Boomern eher ein, schließlich war alles was man brauchte, gut im Supermarkt erhältlich. Die jungen Menschen befassen sich wieder mehr mit ihren Lebensmitteln und versuchen, selbst, wenn sie nur einen kleinen Balkon zur Verfügung haben, den Platz optimal zu nutzen und zum Beispiel ein paar Salate anzubauen. Dabei steht Jytte Loots dann gern mit Rat zur Seite. Sie selbst scheut vor der anstrengenden Arbeit nicht zurück. Vom Saatkorn bis zur ausgewachsenen Pflanze ist sie mit ganzem Herzen dabei und findet in der Natur ihre Ruhe. Zusätzlich arbeitet sie auch noch auf einem landwirtschaftlichen Betrieb und hilft beispielsweise beim Melken der Kühe - denn am Ende ist es einfach gut zu wissen, wo genau die Lebensmittel herkommen.

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