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Politisch sein ist wichtig03.12.2025



Text und Foto: Thea Drexhage




Politisiert wurde er durch seine Familiengeschichte. Durch den Völkermord an den irakischen Kurden im Jahre 1988 verloren die Bakos 27 Familienangehörige. Er selbst ist nach der Flucht seiner Familie in Deutschland geboren, doch sowohl die Vergangenheit als auch die gegenwärtige politische Lage im Nordirak spielte immer eine Rolle im Haushalt. Als es dann in der Schule darum ging, sich Leistungskurse auszusuchen, entschied sich Dara Bako für Politik, und bekräftigte diese Entscheidung im Anschluss mit einem Politikwissenschaftsstudium. In dieser Zeit gründete sein Bruder in Folge der erneuten Angriffe auf die Jesiden im Nordirak 2014 die Hilfsorganisation Our Bridge, die vor allem Kindern im Krisengebiet helfen wollte und noch immer hilft. Dort wurde natürlich auch Dara aktiv und half sowohl vor Ort und aus Oldenburg. Er nutzte seine Fähigkeiten aus dem Studium, interviewte Menschen und übernahm organisatorische Aufgaben. „Zufälligerweise ist in dem Dorf, aus dem meine Eltern stammen eines der größten Flüchtlingsheime entstanden in Khanke in Kurdistan und wir haben festgestellt, dass viele Menschen in Deutschland helfen wollen und das vor Ort viele Menschen Hilfe brauchten. Also haben wir eine Brücke geschlagen“, erklärt er. Bis heute hat die Organisation einiges erreicht und unter anderem ein Heim für Waisen und Witwen gebaut. Aber auch die politische Lage in Deutschland beschäftigt den 28-Jährigen und obwohl er immer dachte, dass ein Politikwissenschaftler nicht unbedingt in einer Partei tätig sein sollte, trat er Bündnis 90/ Die Grünen bei, als die Debatten um Remigration lauter wurden. „Ich habe einfach festgestellt, dass das meine Partei ist, weil ich glaube, dass sie die Vision haben, die ich vertrete: eine nachhaltige, sozialere und gerechte Zukunft und eine friedliche und humanistische Außenpolitik. Da habe ich mich aufgehoben gefühlt“, so Bako. Mittlerweile ist er vor allem als Sprecher in der AG für Vielfalt und Antidiskriminierung aktiv, welche sich nach dem Tod von Lorenz A. durch fünf Polizeischüsse gründete. Dabei bewegt die AG nicht nur das Thema Polizeigewalt, sondern auch der ganz normale Umgang der Menschen untereinander – die Art und Weise, wie Menschen übereinander sprechen. Migration solle laut der AG nicht mehr als Problem gesehen werden, sondern als Chance. Denn natürlich würde Migration Herausforderungen und Probleme mit sich bringen, diese stünden aber in keinem Verhältnis zu den positiven Aspekten für die Gesellschaft – sowohl wirtschaftliche als auch soziale. Neben seinem Hauptjob im Kommunikationsbereich bei einem Übertragungsnetzbetreiber nimmt sein politisches Engagement viel Zeit und Energie in Anspruch. Das ist einerseits anstrengend, bringt aber auch viel Freude mit sich. So werden im Rahmen der AG Demonstrationen mitorganisiert oder spannende Informationsveranstaltungen für die Stadtgesellschaft in Oldenburg durchgeführt. Zum Beispiel „Migrationsgesellschaft unter Druck – wie stärken wir unser demokratisches Miteinander?“ am 11.12. im Cine k. Ein gutes Miteinander in Oldenburg liegt Dara Bako sehr am Herzen und er merkt zum Beispiel durch Reaktionen auf Demonstrationen, dass sich auch hier der Ton verändert. Dem gilt es, durch Aufklärung und Dialog entgegenzuwirken, statt den Kopf in den Sand zu stecken. Aufgewachsen ist er im Kennedy-Viertel und in Kreyenbrück. Zum Studium ging kurz nach Bremen, doch da sei er nie so richtig angekommen: „Mein soziales Umfeld ist hier und ich fühle mich hier einfach am wohlsten. Mittlerweile ist mir einfach klar, dass ich auch hier bleiben werde.“

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