LzOLzO
OLDENBURG
Freitag

17

April

Foto:
Über den Dächern von Oldenburg

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Kleinanzeigen

Menschen

Kuriose Grenzen22.10.2025



Text und Foto: Thea Drexhage

Für eben diese interessiert sich der 75-jährige Manfred Terhardt und entschloss sich im Jahr 2009, alle deutschen Grenzen mit dem Fahrrad zu erkunden – ein Vorhaben, dass er über mehrere Jahre bei einzelnen Touren umsetzen konnte. Gestartet wurde an der Grenze zu Dänemark, die zum Beispiel den ein oder anderen dänischen Bauern von seinen Feldern auf der deutschen Seite trennt. Weiter südlich weist die luxemburgische Grenze einige Besonderheiten auf – die Flüsse Mosel, Sauer und Our bilden keine klare Grenze, sondern sind ein sogenanntes Kondominium – ein Gebiet, dass unter der Hoheit von mehreren Ländern steht. Doch warum hat er diese Erkundungsreise ausgerechnet mit dem Fahrrad angetreten? Das Radfahren begleitet ihn schon sein ganzes Leben. „Ich bin aufgewachsen in Münster, der heimlichen Fahrradhauptstadt Deutschlands. Da ist mir das Radfahren quasi in die Wiege gelegt worden. Dazu kommt, dass ich nach der Schule eine Ausbildung bei der Post gemacht habe – und somit war ich im Anschluss Briefträger? Natürlich mit dem Fahrrad.“, so Terhardt. Während seiner vierjährigen Zeit als Soldat blieb das Rad allerdings stehen. Mit der Familiengründung und dem Älterwerden des Sohnes gingen die Touren jedoch langsam wieder los – mit achtjährigem Kind von Lübeck nach Kopenhagen zum Beispiel. Damit einher kam auch die Erkenntnis, dass auch nach über 100km Strecke immer noch Energie in so einem Kind steckt und bei Ankunft in der Herberge auch noch Zeit für eine Runde Tischtennis sein musste. Diese Touren erfolgten noch ohne technische Hilfsmittel wie Smartphones oder Navigationsgeräte, sodass ihn schnell auch Freunde und Bekannte fragten, für sie solche Strecken zu planen. Neben seinem Hauptberuf als Verwaltungsangestellter beim Landkreis Friesland machte er sich als logische Konsequenz selbstständig als Radreise-Veranstalter und engagiert sich zudem seit 1989 beim ADFC. Unzählige Kilometer hat Manfred Terhardt, der auch bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit fuhr, seitdem hinter sich gelassen. Da man auf zwei Rädern die Umgebung und die Menschen unterwegs viel besser kennenlernt als im Auto oder in der Bahn, gehen mit den Kilometern auch unzählige Erlebnisse einher. Einige dieser hält er nun in seinem Buch „Deutschland im Uhrzeigersinn – Eine Radreise entlang Deutschlands Grenzen mit Geschichte und Geschichten“ fest. Ein Prozess, der sich als gar nicht so einfach gestaltete. Zum einen wären da hunderte Fotos, aus denen es auszuwählen gilt, zum anderen die Herausforderung, das einst angefangene Projekt auch tatsächlich fertig zu stellen und sich nicht von einer Schreibblockade unterkriegen zu lassen – dies gelang Manfred Terhardt erst mit einigen Anstupsern seiner Frau, die ebenfalls gelernte Radtourenleiterin ist. Nach Fertigstellung erwies sich die Suche nach einem Verlag als schwierig, viele forderten mit einer größeren Summe in Vorleistung zu gehen, das war dann doch zu riskant. „Von einem Bekannten habe ich dann von diesem Verlag erfahren, der die Bücher erst druckt, wenn sie bestellt werden. Da muss man dann allerdings alles selbst machen: layouten, vermarkten. Das bringt dafür aber auch Gestaltungsfreiheit mit sich.“, erklärt Terhardt. Nun startet er zudem in eine kleine Lesereise, diese beginnt am 27. Oktober um 19:00 Uhr im ADFC-Infoladen Oldenburg und damit einhergehend die nächste Herausforderung: welches der Kapitel soll man eigentlich vorstellen?

Sonderseiten
EXB Handwerk
Kostbar