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MoX-Porträt: Oyinbo - Herbert Hoddow: von Hude in die Welt07.10.2025
Er ist eigentlich gelernter Speditions-kaufmann und studierter Wirtschaftsingenieur für Transportwesen doch allen Geldes und Vorzügen zum Trotz drückte irgendwann die Krawatte und Hoddow musste raus. Mit dem Frachter nach Afrika und nach einem Jahr weiter nach Indien und Nepal und über Inseln wie Borneo, Java und Bali nach Australien. Und schon waren zwei Jahre um und das Geld deutlich dezimiert. Zurück in Hude wollte er dann seine Tagebucheinträge sammeln und daraus ein Buch über seine Zeit in Westafrika schreiben, was später auch unter dem Titel „Götter, Geister und Generatoren“ erschien. Doch ganz unverhofft holte ihn auch die „richtige“ Arbeitswelt wieder ein. „Mich rief dann ein Freund an: Herbert, ich habe einen Job für dich. Der Geschäftsführer von Schenker Nigeria ist heute in Wiesbaden und will dich unbedingt treffen.“, so Hoddow. Und das Buch...? Nach etwas hin und her ließ sich Herbert Hoddow von dem Treffen überzeugen und in Wiesbaden überzeugten ihn schließlich auch die richtigen Zahlen von diesem ungewöhn-lichen Jobangebot. Marketing für eine Speditionsfirma in Nigeria sollte er machen, einem der afrikanischen Länder, das er auf seiner Weltreise eigentlich gemieden hatte, weil Reisende es dort nicht einfach haben sollen. Angekommen in dieser neuen Welt musste der Òyìnbó – der weiße Mann – sich erst einmal mit den neuen Gepflogenheiten vertraut machen. Geschäfte wurden von Tür zu Tür gemacht, oder aber in der Kneipe. Dort kamen abends zahlreiche, teils zwielichtige Figuren, aller Nationalitäten zusammen, die meisten aus der Ölindustrie. Es wurde getrunken, gelacht und eine familiäre Gemeinschaft geschaffen, egal welche Herkunft oder Religion man hatte – der berufliche Teil kam dabei oft erst am Ende des Abends zur Sprache. Als sich dann das Unternehmen, dass Herbert Hoddow angestellt hatte, aus dem Land zurückzog, war dieser erstmal perplex. Schließlich habe er das Schreiben seines „Bestsellers“ auf Eis gelegt und sein Leben entwurzelt. Als ihm der Chef einen Kredit anbot, um sich vor Ort selbstständig zu machen, musste er aber nicht lange überlegen und es folgten 23 Jahre auf und ab. Viele erfolgreiche Deals wurden absolviert und 20 Mitarbeitende beschäftigt. Es aber auch wirtschaftliche Tiefschläge, aus denen es zu lernen galt. Irgendwann wurden die äußeren Umstände zu schwierig, Der Präsident wertete die Währung ab, Hoddows Geld nun nur noch die Hälfte wert. Das führte zu lokalen Aufständen. Gerade weiße Menschen aus der Industrie wurden oft gekidnappt, um für sie Lösegeld kassieren zu können. Hoddows Auto gepanzert, die Arbeitszeiten und Wege unregel-mäßig, um ja nicht der nächste zu werden. Das klappte, aber für viele seiner Freunde eben auch nicht. Es ging also mit seiner Frau zurück nach Hude. Nun war sie da, die Zeit für weitere Bücher und die Chance, Afrika dadurch ein anderes Gesicht zu geben. Eine Trilogie soll es werden. Nachdem „The fucking Paradise“ und „Ohne Netz“ bereits erschienen sind, wird schon fleißig an Teil 3, mit unterhaltsamen und ernsten Anekdoten aus dem afrikanischen Nigerdelta, gearbeitet. Doch auch der Rest der Welt interessiert den 70-Jährigen noch. Südamerika zum Beispiel, oder die Länder, die seine nigerianische Frau gern noch bereisen möchte. Zudem haben die beiden für das Heimweh noch ein Häuschen in Togo am Strand, wo sie drei Monate des Jahres verbringen. Am 4.11.25 um 19 Uhr liest Herbert Hoddow in der Klosterremise Hude aus seinem Buch „Ohne Netz“.
Text und Foto: Thea Drexhage












