direkte Antwort ohne Umwege!
Kleinanzeigen
Menschen
Frieden durch Bildung und Verständigung24.09.2025
Text und Foto: Thea Drexhage
In Teheran besuchte sie eine französisch-persische Schule, die von Nonnen geleitet wurde und auf welcher Menschen mit ganz verschiedenen Religionen aufeinandertrafen. Das war vor der Revolution. In diesen Zeiten war es für sie und ihre Familie auch einfacher ihre Großeltern in Deutschland zu besuchen. Das Interesse für andere Sprachen und Kulturen wurde durch diese Umstände schon früh in Maryam Ghandehari geweckt, weshalb sie in Teheran französische Literatur bis zum Magister studierte und dann einige Jahre im Architekturbüro ihres Vaters arbeitete, wo es zu ihren Aufgaben gehörte, sich um die Abteilung für Nachhaltige Entwicklung, zum Beispiel in den Trockenzonen des Irans, zu kümmern. Zu diesem Thema konnte sie schließlich auch in Hamburg promovieren, von wo aus sie die Liebe schließlich vor 20 Jahren nach Oldenburg führte. „Das war am Anfang ziemlich schwer. In Teheran leben 16 Millionen Menschen und Hamburg ist mit zwei Millionen auch ziemlich groß. Oldenburg hat mich dann doch geschockt, aber mittlerweile möchte ich hier nicht mehr weg, denn ich habe gesehen, dass man hier die eigene Zeit sehr viel besser investieren kann als in Staus oder lange Wege.“, erklärt sie. Und auch in dieser eher beschaulichen Stadt leben viele Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen. Neben fünf Jahren beruflicher Arbeit bei Amt für Jugend und Familie hat sich die 59-Jährige in mehreren Projekten in Oldenburg engagiert: lange Nacht der Geschichten mit Radio globale, dem ersten Mehrsprachigen Bücherturm, Mini Diwan im Museum für Mensch und Natur, sowie ehrenamtliche Arbeit im Verein Ankommen in Oldenburg e.V. und einige ehrenamtliche Dolmetschertätigkeiten.
Aber auch für ihre Heimat den Iran setzt sie sich noch ein. Vor allem für die jungen Menschen. „Ich arbeite als Literaturagentin bei einigen deutschsprachigen Verlagen und versuche, Bücher mit Copyright ins Persische übersetzen und in den Iran bringen zu lassen. Dabei handelt es sich um Kinderbücher mit kulturellen und sozialen Botschaften oder auch Umweltthemen. Das ist unter anderem sehr schwierig.“ Doch das Anliegen ist ihr wichtig, denn das Lesen öffnet Türen. Wenn Menschen überall von klein auf Literatur und Kultur nahegebracht werden würde, wäre die Welt vielleicht eine andere, eine friedvollere – das ist ihr größter Wunsch. Zu all diesen Aufgaben und Engagements kommt noch hinzu, dass sie vor kurzer Zeit auch die Oldenburger Schreibwerkstatt von Liane Hadjeres übernommen hat. „Jede Stadt hat ein politisches Herz, ein kulturelles Herz und auch ein pädagogisches Herz. In meinem Viertel war das die Buchhandlung Curriculum und es war traurig, als diese schließen musste. Als ich dann gefragt wurde, ob ich nicht die Schreibwerkstatt übernehmen will, habe ich zugesagt, damit diese am Leben bleibt. Nun muss ich überlegen, was ich damit machen möchte.“, so Ghandehari. Auch dort soll Nachhaltigkeit ein Thema sein. Das Programm soll sich an Familien mit Migrationshintergrund richten aber beispielsweise auch an Kindergärten und Schulen. Doch für diesen Weg braucht sie noch etwas Unterstützung, sei es finanziell oder durch aktive Mitwirkende. Um sich von all diesen Themen zu befreien, hilft es ihr, unterwegs zu sein. Ob bei Spaziergängen, im Auto oder auf dem Rad – letzteres aber nur bei schönem Wetter. Egal, wie lange sie schon in Oldenburg lebt, dem Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter“, kann sie einfach noch nicht zustimmen.












