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„Ich bin eher dieser Schmutzfaktor“27.08.2025
Text und Foto: Thea Drexhage
Wenn er nicht gerade in Katalogen voller Synthesizer blätterte, nahm er kleine Hörspiele mit seinem Bruder oder auch mal die ein oder andere Band aus dem Dorf auf. Fasziniert vom technischen Aspekt dieser Arbeit lag der Wunsch nach einer Tontechnikerausbildung nahe. Dies wäre in Nürnberg möglich gewesen, doch die Voraussetzung war ein Fachabitur Technik oder eine Radio-/Fernsehtechnikerlehre. Diese absolvierte er in Bremen, nur um dann festzustellen, dass die Schule in Nürnberg während dieser Zeit geschlossen wurde. Also ging es nach Berlin an die SAE – School Of Audio Engineering. Nun könnte man meinen, dass Oldenburg nicht unbedingt der musikalische Nabel Deutschlands ist, trotzdem wagte es Wiegner hier, nachdem ihn die Liebe zurück in den Nordwesten brachte, ein eigenes Studio zu gründen. Erst am Stau, dann in Etzhorn und seit 1998 versteckt im Bahnhofsviertel. Wenn man die Räume der Tonmeisterei betritt, sieht man, dass hier keine glattgeleckte Popmusik produziert wird. Ecken, Kanten, geordnetes Chaos und eine ganze Menge Charakter bestimmen die Räumlichkeiten. „Ich selbst mag es auch total gern, wenn es schmutzig klingt, andere Studios haben da einen anderen Anspruch.“, erklärt der 54-Jährige. Passend dazu finden sich in dem Studio vor allem Musiker*innen aus der Independent-, Punk und Hardcoreszene wieder, aber auch viele Doom- und Sludgebands – und das mittlerweile aus aller Welt. „Irgendwann hat sich mein Sound rumgesprochen. Ein Meilenstein war für mich die Arbeit mit Omega Massif, die wiederum durch meine Aufnahmen mit Men In Search Of The Perfect Weapon auf mich aufmerksam wurden.“, freut er sich. Nachvollziehbar, denn was gibt es besseres als Mundpropganda? Für sich selbst die Werbetrommel rühren würde ihm nämlich gar nicht so gut liegen. Roland Wiegner übernimmt für die Bands nicht nur die Aufnahmen direkt im Studio, sondern mixt und mastert auch Musik, die außerhalb aufgenommen wurde. Beides erfordert eine ähnliche Herangehensweise. Die Band und ihre Vorlieben kennenlernen, die Technik im eigenen Studio auf diese Bedürfnisse anpassen oder die Technik des Fremdstudios kennenlernen und vielleicht auch die ein oder andere Empfehlung an die Aufnahmen dort stellen. Dann wird gemixt und bestenfalls gleich mehrere Versionen an die Band geschickt, um am Ende den einen gemeinsamen Nenner zu finden und auszuarbeiten. Eine dieser Platten, die er „nur“ gemixt hat, ist „Scheitern und Verstehen“ von Feine Sahne Fischfilet – die erste Platte der Band, die beim großen Label Audiolith erschien. Die wollten gern auch in Oldenburg aufnehmen, aber das passte zeitlich nicht bei Wiegner: „Die waren damals ja noch sehr unbekannt, aber ich fand schon den Namen interessant. Dass die hier nicht auch aufnehmen konnten, hat mich im Nachhinein sehr geärgert. Die Platte ist total geil!“ Zu Wiegners Job gehört es auch, immer weiter zu lernen, denn die Musikszene entwickelt sich in allen Bereichen weiter. Vor vielen Jahren war es der Wechsel von den analogen Bandaufnahmen ins Digitale. Auch das Aufkommen von Heimstudios hat seine Arbeit verändert, aber trotz anfänglicher Sorgen nie wirklich gefährdet. „Die Arbeit verschiebt sich dann einfach. Die Bands kommen dann her um vielleicht nur die Drums aufzunehmen oder Sachen zu re-ampen oder sie geben mir ihre selbst aufgenommenen Songs zum Mischen und Mastern. Auch Corona hat die Arbeit verändert, hier durfte ja monatelang niemand aufnehmen. Vielleicht habe ich nicht die Sicherheit, wie jemand mit einer Festanstellung, aber irgendwie kommt doch immer Arbeit rein.“, erklärt er. Privat hört der Tonmeister nicht so viel Musik und gibt sich, um den Kopf komplett freizukriegen, einem sehr ungewöhnlichen Guilty Pleasure hin: Youtube schauen. Bevorzugt Schachweltmeisterschaften oder Radsport.












