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Ein Rollstuhl kann auch Türen öffnen13.08.2025



Text und Foto: Thea Drexhage

„Zu dieser Zeit hat man viel weniger Rollifahrer in der Öffentlichkeit gesehen. Die Bedingungen waren schlechter, die Barrieren größer.“, schaut sie zurück. Diese Thematik mehr ins Bewusstsein zu rufen war ihr und ihren Kolleg*innen ein großes Anliegen, so wirkten sie unter anderem bei der Inklusionswoche der Stadt Oldenburg mit. Doch nicht nur Sichtbarkeit ist ein Problem, sondern auch die Beratung für Betroffene und Angehörige, denn Behinderungen treten in der Regel ganz plötzlich ins Leben und alle Beteiligten müssen erst einmal lernen, damit umzugehen und die richtigen Behörden und Ansprechpartner*innen zu finden. „Also wollten wir eine Beratungsstelle machen. Diese lief 10 Jahre ehrenamtlich von mir zuhause aus, bis dann aus Berlin das BTAG (Bundesteilhabegesetz) kam, das erlassen hat, dass in allen Bundesländern Beratungsstellen eingerichtet werden sollten.“, so Oehne. Das ermöglichte es, in Oldenburg die EUTB (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) ins Leben zu rufen. Fluch und Segen zugleich, denn der bürokratische Aufwand, um dies möglich zu machen, war enorm. Zudem wird nur ein Teil der Einrichtung gefördert, sodass Spendengelder akquiriert werden mussten. Diese ermöglichten zwar ein paar bezahlte Stellen, aber der Vorstand arbeitet weiterhin im Ehrenamt, was natürlich auch neue Menschen davon abschreckt, diese Arbeit irgendwann einmal zu übernehmen. Gerade Frauen schrecken oft vor Vorstandspositionen im Ehrenamt zurück, da der Zeitaufwand oft eine zu große Belastung neben Job und Care-Arbeit darstellt. Erika Oehne, die eigentlich aus dem Steuerrecht kommt, sieht es als Glück an, dass sie kurz nach ihrer Diagnose ihre Erwerbsunfähigkeitsrente bekam, die ihr eben dieses Engagement ermöglichte. Weg vom Berufsalltag hin zu den Themen, die sie wirklich bewegen. So wurde ihr 25-jähriges Engagement auch jüngst mit der silbernen Stadtmedaille ausge-zeichnet, rechnet den Verdienst aber nicht sich selbst zu, sondern allen Teammitgliedern. Generell lässt sie sich nur wenig durch ihre Krankheit einschränken und begreift den Rollstuhl weiterhin als Chance und Türenöffner, der behinderten Menschen ganz viel zurückgeben kann, wenn sie möchten. So vermisste sie anfangs sehr das Tanzen, bis sie auf Rollstuhltanzgruppen aus NRW und später aus Hude aufmerksam wurde. Sowas brauchte Oldenburg natürlich auch: „Wenn beispielsweise ein Ehepartner eine Behinderung hat, ist das eine tolle Sache, die man noch weiterhin zusammen machen kann. Alles ist möglich: Standard, Latein, Freestyle. Wir haben auch schon Tanztheater-projekte gemacht oder jungen Paaren mit ihrem Hochzeitstanz geholfen.“, schwärmt sie. Zudem würde man über das Tanzen ein noch besseres Gefühl für den Rollstuhl bekommen, denn eine große Halle biete viele Möglichkeiten. Abseits des Vereins genießt Erika Oehne die Ruhe ohne TV oder Radio, widmet sich Mandalas oder anderen Basteleien oder kümmert sich von Herzen gern um ihre sechs Enkelkinder. Kinder liegen ihr generell am Herzen, weshalb es bei SeGOld auch die Gruppe „Indi-WIE-DU-ellen“ gibt, die u.a. an Schulen unterwegs ist. Das sind Menschen aus sogenannten „Randgruppen“, ob nun mit Behinderung, aus der queeren Community oder mit psychischen Erkrankungen, die Schüler*innen von ihrem Leben berichten, denn eines ist für die 73-Jährige ganz klar: Inklusion muss an Schulen ein größeres Thema werden.

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