direkte Antwort ohne Umwege!
Kleinanzeigen
Menschen
Chefinnensache23.07.2025
Text und Foto: Thea Drexhage
Klischee könnte man meinen, doch für die 37-Jährige Kfz-Meisterin hat diese Designidee neben dem persönlichen Geschmack auch einen ganz praktischen Nutzen, denn sie würde überwiegend nette Kundschaft anziehen. Denn bis heute ist es so, dass man als Frau in dieser Branche mit Vorurteilen gerade von Männern zu kämpfen hat. Das war schon in ihrer Ausbildung so: „Im ersten Lehrjahr waren wir drei Frauen in einer Klasse von 25 Schülern. Später war ich dann ganz allein. Für mich war die Ausbildung sehr schwierig, weil ich erst durch die Jungs gemobbt wurde, sodass ich auch überlegt habe abzubrechen. Aber ab Ende des zweiten Lehrjahres haben die dann auch gemerkt, dass das gar nicht dumm ist, was ich sage. Man muss sich erst beweisen und gegen die Vorurteile arbeiten.“, schaut sie zurück. Deshalb rät sie allen jungen Frauen, die sich in sogenannten „Männerberufen“ etablieren möchten, selbstbewusst zu sein und zu lernen, sich durchzusetzen. Ihre eigene Beharrlichkeit zahlte sich aus, so schloss sie ihre Ausbildung als Siebtbeste deutschlandweit ab. Es folgte die Meisterausbildung und schließlich noch eine Ausbildung zur KFZ-Sachverständigerin. Durch diese kam sie dann auch aus Schwaben in den Norden und arbeitete erst beim TÜV Nord in Hamburg und später als Unfallschadensmanagerin in einem KFZ-Betrieb in Delmenhorst. Ihr Interesse für Autos wurde durch ihren Vater geweckt, welcher schon immer in der heimischen Scheune an Autos schraubte und beispielsweise normale PKW in Pick-Ups umwandelte. Das geschah auch mit ihrem ersten Auto, einem BMW - knallpink-metallic versteht sich. Seit 2020 hat Ramona Hübner nun ihre eigene Werkstatt in Bookholzberg, in der sie gemeinsam mit ihrem Ehemann arbeitet, für welchen sie schließlich in Norddeutschland blieb. Und ihr pinkes Werbeschild strahlt aus, denn ihre Kunden sind oft Frauen, die schon mal Sorgen haben, in anderen Werkstätten nicht ernst genommen werden. Und die Männer? Die lernen auch schnell, wer die Chefin ist. Mit der Selbstständigkeit hat sich vieles für Ramona Hübner verändert. Ein großer Teil der aktiven Werkstattarbeit weicht den bürokratischen Aufgaben, dazu kommt, dass sie im letzten Jahr noch eine zweite Werkstatt in Ganderkesee eröffnet hat und in der sie auch die immer größeren Fahrzeuge und Wohnmobile aufnehmen kann. „Ich kümmere mich nun um beide Filialen. Gerade jetzt in der Urlaubszeit fällt da wahnsinnig viel an. Ein paar kleine Aufgaben in der Werkstatt mache ich noch, aber vier Stunden Zeit für einen Zahnriemenwechsel hätte ich gerade nicht, da muss man mit dem Kopf voll dabei sein und kann nicht zwischendrin auch das Telefon beantworten.“, erzählt sie. Ein großes Problem auch in ihrer Branche ist der Personalmangel, trotzdem hofft sie, in naher Zukunft mehr Mitarbeitende zu finden, um in den beiden Läden den Service zu bieten, den ihre Kunden und Kundinnen verdienen und den sie sich selbst als Standard setzt. Selbstverständlich ist ihre Werkstatt auch ein Ausbildungsbetrieb, wo neben einer Auszubildenden im dritten Lehrjahr in diesem Jahr auch zwei neue Azubis bei ihr anfangen werden. Es ist viel. was Ramona Hübner unter einen Hut bekommen muss. Während sie früher gern im Garten arbeitete oder mit dem Wohnmobil unterwegs war, bleibt nun nur wenig Zeit, um den Kopf freizubekommen, denn jüngst kam noch eine ganz neue Aufgabe auf sie zu. Seit neun Monaten ist ihr Sohn auf der Welt, der nun ähnlich wie sie zwischen Öl und Werkzeug aufwachsen wird. „Nun möchte man auch etwas ganz anderes erleben, vielleicht mal zwei Wochen die Füße hochlegen und meinem Sohn zuschauen, wie er sich entwickelt. Da muss ich noch einen richtigen Weg für uns finden.“, erklärt sie. Und das wird diese taffe Frau mit Sicherheit schaffen.












