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Es muss nicht jeden Tag Fleisch sein11.06.2025
Text & Foto: Thea Drexhage
Mit 16 Jahren begann er seine Ausbildung zum Fleischer, erst gar nicht unbedingt aus eigenem Willen heraus, sondern auf Anraten seines Stiefvaters. Dort lernte er zwar, Fleisch zu verarbeiten, aber so richtig in Kontakt mit der Herkunft der Tiere kam er zu dieser Zeit noch nicht. Dies geschah erst einige Jahre später, er längst Meister, begann in der Produktionsleitung eines großen Schlachthofs zu arbeiten. „Das wollte ich schnell nicht mehr. Man erlangt dort Insiderwissen, das man gar nicht haben möchte.“, schaut er zurück. Um diese Zeit geschah es auch, dass er selbst gemeinsam mit acht Freunden vier Schweine hielt und so in direkten Kontakt mit dem landwirtschaftlichen Aspekt hinter der Fleischproduktion kam. Die Schweinehaltung machte ihm Spaß. Er sammelte selbst Erfahrungen in einem kleineren Hofladen und als die nächste berufliche Veränderung bevorstand, dann die große Frage: zurück in die Industrie oder doch lieber in die Selbstständigkeit? Er begann, selbst mehr Schweine zu halten und sich mit Höfen in der Region zu vernetzen, um ein breites Angebot für einen eigenen Laden zu schaffen. Der Fokus liegt dabei nicht auf bio, sondern auf fair und regional. „Das sind oft Hobbyhalter, die nicht immer nach Wirtschaftlichkeit entscheiden, sondern zum Wohl der Tiere, das ist auch bei Bio nicht immer gegeben. Wenn ein Tier krank ist, wird immer der Tierarzt gerufen. In den großen Mastanlagen wird aus Kostengründen vieles selbst gemacht, weshalb es dann zu so Sachen wie Antibiotikamissbrauch kommt.“, erklärt er. Die Höfe, mit denen er zusammenarbeitet, wählt er selbst aus und überzeugt sich direkt vor Ort von den Haltungsbedingungen. Gerade am Anfang habe er so viele Rinderbauern getroffen, die behauptet haben, die beste Haltung der Tiere zu gewährleisten, doch am Ende sah es dann ganz anders aus - Betonställe, zu frühe Trennung von Kalb und Kuh und Ähnliches. Für Kuper ist zusätzlich wichtig, dass es menschlich stimmt, um ins Geschäft zu kommen. Durch die direkte Abnahme bei den Erzeugern fallen Kosten für Zwischenhändler weg und ermöglichen es ihm, sein mittlerweile 10-köpfiges Team gut zu bezahlen. Trotzdem kann der Preis der Produkte nicht mit denen eines Discounters verglichen werden. „Wir haben 30-40 Schweine, die lokal in Frisoythe bei einem kleinen Schlachter geschlachtet werden. Dort gibt es keine Leute, die gestresst im Akkord arbeiten, worunter dann die Tiere leiden. Das hat alles seinen Preis und ich höre schon Mal von Leuten, dass sie sich das Fleisch hier nicht leisten können. Ich glaube aber auch, dass wir viel zu viel Fleisch essen. Weniger und dafür bedachter, das wäre doch ein Weg.“, so Kuper, denn auch der Einfluss der Nutztierhaltung auf die Umwelt ist ihm deutlich bewusst. Neben dem neuen Hofladen ist ein weiteres Projekt, einen Hof in Bösel nicht nur für Schweine herzurichten, sondern für weitere landwirtschaftliche Nutzung. Regionales Obst und Gemüse soll angebaut und vielleicht auch Hühner und Bienen gehalten werden. Stefan Kuper selbst kommt jedoch gar nicht mehr so oft dazu, sich selbst um die Tiere zu kümmern. Bürokratische Aufgaben haben seinen Alltag übernommen, weshalb er froh ist, sich auf ein fast schon familiäres Team verlassen zu können. Was er an seinen neuen Aufgaben hingegen sehr genießt, ist der Kontakt zu den Kunden. Das neue Ladengeschäft beherbergt auch die Produktion, so dass er immer mitten im Geschehen ist: „Erst kürzlich kam ein Mann in den Laden, der nur gebrochenes Deutsch sprach. Er warf Geld auf den Boden und erklärte uns, dass das in Bulgarien Glück bringen würde. Sowas ist schon schön.“












