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Im Bus23.09.2026
Von Rüdiger Pannenborg
Fahrkarte zeigen, Fensterplatz, immer, in Fahrtrichtung. Ich muß nach vorne schauen. Begebe mich in die Obhut einer routinierten Chauffeurin, kann in die Landschaft sehen, auf die Felder und Wiesen, ohne irgendetwas zu tun (Gedicht?). Ein Luxus. Da, wieder auf der Wiese kurz vor Oberlethe, die 8 Rehe. Eine Frau steigt zu, mit Rollkoffer und Rukksack, macht einen sehr entspannten Eindruck,halblange schwarze Haare, war bestimmt auf einem Seminar in dem Alternativ-Zentrum „Hof Oberlethe“. Sie setzt sich 2 Bänke vor mich, den Rücken zugewandt. Blicke auf bezaubernden Nacken und Schulter. Die Anmut einer Frau. Aber viel wichtiger ist bestimmt ihr geistiger Gehalt, die Spiritualität – die man(n) aber nicht auf Anhieb erkennen kann. Es ist schon fast erhaben, ganz hinten in so einem 30 Meter langen Vehikel zu sitzen, wie in einer Halle, je weniger Passagiere, desto größer das Erleben, fast,wie wenn man ganz hinten auf einer Kirchenbank sitzt.Der Busfahrer (wie so viele ausländischen Ursprungs und voll integriert) steuert und lenkt mit Bedacht, aber auch mit Umsicht und Tempo über die schmalen Landstraßen, bei Südmoslesfehn sehr schmaler Piste, bei Bus-Gegenverkehr wird’s eng und bremsig. Korsorsberg, früher eine Disco-Hölle mit dahinterliegendem Buschwerk für innige Nachtschwärmer, jetzt nur noch Getränkelager. Grüne Wiese in Moslesfehn, Bundesliga-Spitze im Faustball, in der Nähe des Querkanals.
Ich bin beeindruckt vom Busverkehr in Oldenburg. Beim ZOB ein permanentes Kommen und Gehen der Linien, einer Großstadt mehr als würdig. Meistens pünktlich. Es gibt an jedem System was zu bemäkeln, und es finden sich immer Meckerer wegen 2 Minuten Verspätung. In den Bussen findet fast nie Kommunikation statt außer mit den Handys. Man kann schon froh sein, wenn jemand nickt, wenn er sich direkt gegenüber hinsetzt. Grüssen ist nicht in Mode. Die Köpfe sind gesenkt, hinunter zu den Nachrichten aus fernen und nahen Welten. Manche, so scheint es, flüchten zu ihren kleinen Rechtecken, um gar nicht erst in die Gefahr zu geraten, sprechen zu müssen. Sehr viele ausländische Mitbürger im Bus. Eine Schwarze Mama mit ihren 2 Kids. So witzig im Umgang mit ihrem kleinen Sohn, ein Lachen, er ist ein rechter Schelm, nimmt seine Mama mit einer Trinkflasche auf den Arm. Neulich stieg am Klingenbergplatz eine große Gruppe Jugendlicher ein, platzierte sich auf den hintersten Bänken. Sie begannen zu singen, offenbar eine Chorprobe vor einem Auftritt. Sie konnten singen, und der ganze Bus summte mit, inklusive des Fahrers, der dann vorschlug, man könne ja jetzt einfach weiterfahren Richtung Nordsee. Heiterkeit. Eine Werbung fürs Busfahren, für den öffentlichen Nahverkehr statt Individual-und Handyverkehr. Viele einsame in ihren Autos hockende Menschen sollten das mal versuchen. Das Streckennetz nimmt jeden mit.
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