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Frauen, die über Grenzen gehen26.08.2026



Text: Britta Lübbers Foto: Gerline Domininghaus

[font=Bembo]Mehr als 100 Jahre nach den Suffragetten und über 50 Jahre nach der zweiten Frauenbewegung in den 1970er Jahren muss weiter für die Gleichberechtigung gefochten werden. Das ist ein trauriger Befund. Auch heute werden Frauen aufgrund ihres Geschlechts ausgegrenzt und herabgesetzt. Was aber wurde erreicht? Das Ensemble, das sich eigens für die Inszenierung zusammengefunden hat, setzt sich mit Erfahrungen auseinander, die viele Frauen kennen: gesellschaftliche Erwartungen, Care-Arbeit, das Gefühl der Unfreiheit, aber auch Stärke und Stolz.[/font][font=Bembo] [/font]
Feminismus heute
Das Stück verbindet Schauspiel und Tanz. Ein Thema ist die Bewertung des weiblichen Körpers. In einer Szene wird gezeigt, wie Frauenkörper durch Werbung und Schönheitsideale zu Objekten werden – kein neues Phänomen. Gewandelt haben sich jedoch die Vorstellungen von Schönheit – der aktuelle Trend zu aufgespritzten Lippen und monströsen Hintern erinnert an Porno-Ästhetik.
Andere Szenen widmen sich unbezahlter Versorgungsarbeit, dem Gender Care Gap und der ungleichen Verteilung von Einfluss und Anerkennung. Auch Gewalt wird thematisiert. Es geht um Wut, die keinen Platz hat, um Verletzlichkeit, die keine Schwäche ist. Im Zentrum der Inszenierung aber steht die Solidarität: Was geschieht,  wenn Konkurrenzdenken überwunden wird, wenn Frauen nicht gegeneinander antreten, sondern füreinander einstehen?
Die elf Darstellerinnen, die auch mit dem Publikum agieren, sind jünger und älter. „Sie erzählen nicht über Frauen, sie verhandeln, was es bedeutet, eine zu sein. Sie widersprechen, sie wiederholen, sie verweigern“, heißt es in der Ankündigung.
Eine der elf Frauen ist Margit Ostern, die viele Jahre bei der Oldenburger Theater- und Kabarettgruppe „Die Friedensfurien“ gespielt hat. Sie zählt zu den Älteren innerhalb des Ensembles. „Die älteren und die jüngeren Frauen haben durchaus unterschiedliche Wahrnehmungen in Bezug auf den Feminismus“, erklärt sie. Genau das aber mache die Arbeit am Projekt so spannend. Ein vorgefertigtes Skript gibt es nicht. Alle Szenen werden gemeinsam entwickelt und umgesetzt. „Es ist ein kollektiver Prozess“, beschreibt sie das Vorgehen. Die Regie hat die Oldenburger Diplom- und Tanzpädagogin Gina Schumm, verantwortlich für die Choreografie ist die Tänzerin und Choreografin Antje Rose aus Berlin. Da die Frauen aus dem ganzen Bundesgebiet kommen, wird meistens am Wochenende geprobt. „Das ist immer sehr intensiv“, erzählt Margit Ostern. Und noch etwas sagt sie: „Es ist ein weißer, privilegierter Blick, den wir auf die Situation von Frauen richten.“ Im Stück würden alle Frauen mitgedacht. Sprechen jedoch könne und wolle man nicht für sie. Aber sind weiße Frauen per se privilegiert? Gemessen an männlichen Privilegien sicher nicht, lautet die Antwort. Auch das werde im Stück thematisiert.


„Bis hierhin … und weiter“
Limonadenfabrik, Steinweg 20, Oldenburg
Premiere: 5. September, 20 Uhr

Weitere Aufführungen: 6. September 18 Uhr; 7. September, 10 Uhr, nach Absprache und Anmeldung von Gruppen und Einzelpersonen

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